Grabenstetten Ein Erlebnisfeld für den Heidengraben

Diese Konzeptskizze zeigt den Turm, der als Aussichtsplattform dienen soll.
Diese Konzeptskizze zeigt den Turm, der als Aussichtsplattform dienen soll. © Foto: Privat
Grabenstetten / Gabriele Böhm 23.07.2018

In den Asterix und Obelix-Bänden ist es ein kleines keltisches Dorf, das sich gegen das riesige römische Reich verteidigt. Im Fall von Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Hülben sind es drei Dörfer, die sich der Mammutaufgabe stellen, die größte Keltensiedlung in Europa und eine der 50 bedeutendsten archäologischen Fundstellen in ganz Deutschland der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Am Freitagabend kamen daher rund 100 Interessierte in die Mehrzweckhalle nach Erkenbrechtsweiler, in der die drei Bürgermeister, Archäologe Dr. Gerd Stegmaier und Bernhard Kehrer vom Studio „klv“ aus Berlin, das Projekt präsentierten. Der Veranstaltung voraus ging ein Pressegespräch.

„Damals lebten in unserem Bereich etwa 10 000 Menschen, das ist mehr als heute“, sagte Bürgermeister Roman Weiß (Erkenbrechtsweiler). „Hier verlief der bedeutende Handelsweg zwischen Donau und Rhein. Auch die archäologischen Funde künden davon, dass ein reger Austausch bestand.“ Schon vor Jahren habe man sich damit beschäftigt, die Kostbarkeit öffentlich und erlebbar zu machen, doch: „Es geht um 17 Quadratkilometer. Das ist ein sehr großes Projekt für drei kleine Orte.“ 4,5 Millionen Euro Investitionssumme seien angesetzt gewesen. Das stellt sich die Frage: Wo blieb hier der Zaubertrank?

Doch jetzt habe sich, so Weiß, der Ministerpräsident des Themas Kelten angenommen. Die Rede sei von der Inwertsetzung der drei großen H´s: Heuneburg, Hochdorf und Heidengraben. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Siegmund Ganser (Hülben). Mit Hilfe des Studios „klv“ sei ein Konzept entstanden, von dem man überzeugt sei. „Wenn das Land zusagt, können wir nächste Woche mit der Planung anfangen. Aber allein schaffen wir es nicht“, so Ganser. Das Ziel sei es, die archäologische Sensation, die man vor der Haustür habe, sowohl den Einheimischen, als auch Touristen nahezubringen. „Aber wir wollten ganz bewusst kein weiteres Museum“, erläuterte Ganser. Stattdessen soll modernste Technik eingesetzt werden. Geplant sind ein Keltenerlebnispfad und ein 25 bis 35 Meter hoher Aussichtsturm, um die Dimensionen der ehemaligen keltischen Siedlung, des „Oppidums Heidengraben“, überhaupt erfahrbar zu machen. Vorgesehen ist ein Erlebniszentrum in Form eines rund 750 Quadratmeter großen, aufgeschnittenen Grabhügels, der im Zentrum steht. Hier würden Funde gezeigt, aber vor allem mit Hilfe von Projektionen die keltische Welt vor Ort präsentiert werden. „Wir möchten die reale Landschaft mit der prähistorischen Welt verbinden, jedoch ohne bauliche Maßnahmen“, sagte der wissenschaftliche Leiter Dr. Gerd Stegmaier.

Mit Hilfe digitaler Technik könnten im Gelände vorbereitete archäologische Funde mit dem Smartphone fotografiert und die Fakten im Zentrum weiter recherchiert werden. Auf dem digitalen Tablet soll an verschiedenen Stellen im Gelände sichtbar werden, wie es genau dort zur Zeit der Kelten aussah. Als sehr spannend, bezeichnete Roland Deh (Grabenstetten), die Möglichkeiten für Schulklassen: Wie Scherben aufzusammeln und daraus eine Weinamphore zusammenzusetzen, die Bauweise der Befestigungsanlage zu erkunden oder zu erleben, wie man Stoffe webte. Mit gefundenen Münzen kann Getreide gekauft und selbst gemahlen werden.

„Begleitprogramme sind für Schulen und Kindergärten geplant, aber die Anlage soll auch für Familien und Senioren Angebote bereithalten“, sagte Ganser. Bei einer Anfahrtszeit von 30 bis 60 Minuten werden rund 35 000 Gäste jährlich erwartet. Es solle kein Massentourismus entstehen, damit die Landschaft so wenig wie möglich beeinträchtigt werde. Alles geschehe in Zusammenarbeit mit dem Biosphärengebiet. Für das Erlebniszentrum und den Turm ist ein Investitionsvolumen von etwa fünf Millionen Euro brutto angesetzt. Das Land benötige man als Investor, nicht für die laufenden Kosten. „Wir gehen von einer schnellen Umsetzung aus, aber das Land hat natürlich auch einen Haushaltsplan, Fristen und Vorlaufzeiten“, sagte Deh. Pro Jahr wird in vorläufigen Zahlen mit Einnahmen von rund 254 000 Euro gerechnet, denen Ausgaben von rund 264 000 Euro gegenüberstehen. In trockenen Tüchern ist immerhin schon der Erlebnispfad, der durch „LEADER“, einem Netzwerk, das die Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft darstellt, finanziert wird. „Doch das Gesamtprojekt ist für ‚LEADER’ zu groß“, so Ganser. Beide Regierungspräsidenten seien mit im Boot und suchten nach Lösungen.

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Tausend Menschen haben zur Keltenzeit in den Gebieten Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Hülben gelebt. Die Wichtigkeit dieses Standortes greift das neue Konzept auf.

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