Was haben Klosterfrau Melissengeist und der Hülbener Dorfladen gemeinsam? Richtig, nie waren sie so wertvoll wie heute. Während der Werbeslogan für das gesundheitsfördernde Tonikum demnächst schon seinem 100. Geburtstag entgegensieht, ist der Dorfladen erst in seinem vierten Geschäftsjahr. Und dennoch können die Verantwortlichen bereits auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Ausgangspunkt war, dass die Nahversorgung in Hülben auf Metzger und Bäcker zusammengeschrumpft war, viele Dinge des täglichen Lebens waren nicht mehr im Ort erhältlich. Statt sich damit abzufinden, ergriffen die Hülbener Initiative und gründeten schließlich eine Genossenschaft, die zum einen von der Kommune, zum anderen aber vor allem von Ehrenamtlichen unterstützt und getragen wurde. Im Januar 2017 öffneten schließlich erstmals die Türen des Dorfladens gegenüber des Rathauses.

Anfangs Lehrgeld bezahlt

„Die ersten beiden Jahre haben wir viel Lehrgeld bezahlt“, erinnern sich Bürgermeister Siegmund Ganser und Valerie Kuder, die als Aufsichtsratsvorsitzender und Geschäftsführerin von Beginn an dabei sind. Eine teils falsche Personalstruktur und das teilweise falsche Warensortiment führten in den ersten beiden Jahren zu Verlusten im fünfstelligen Bereich. „Wir haben viel dazugelernt, von Tag zu Tag wurde es besser“, sagt Valerie Kuder, die in ihrer Funktion von der ehrenamtlich tätigen Carina Gleß als Co-Geschäftsführerin unterstützt wird.

Erstmals Gewinn erwirtschaftet

Auf das abgeschlossene Geschäftsjahr 2019 ist man dementsprechend stolz, denn es wurde erstmals mit einem kleinen Gewinn von etwa 5000 Euro abgeschlossen. Dabei ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahr sogar leicht auf 378 000 Euro gesunken, „wir sind aber einfach effizienter geworden“, sagt Ganser.

Dabei ist die Erwirtschaftung von Gewinnen absolut zweitrangig, „ich werde als Aufsichtsratsvorsitzender den Gesellschaftern wohl nie eine Dividende ausschütten können“, so Ganser. Überschüsse sollen in den Laden und das Personal investiert werden.

Der Dorfladen in Zeiten von Corona

Um den Umsatz brauchen sich die Angestellten und Helfer aktuell keine Sorgen zu machen – im Gegenteil. In Zeiten des Coronavirus entdecken die Hülbener ihren Dorfladen erst so richtig. „Wir haben das doppelte Kundenaufkommen und den doppelten Umsatz. Viele kommen zum ersten Mal zu uns. Wir hoffen natürlich, dass uns die neuen Kunden auch nach Corona treu bleiben“, sagt Valerie Kuder. Die Hülbener wüssten jetzt umso mehr, warum man den Laden einst eröffnet hat, „wir erleben eine irre Solidarität.“ Dazu trägt auch der Lieferservice bei, den die Helfer des Dorfladens für Senioren, Kranke oder Quarantäne-Kandidaten anbieten.

Selbst in Corona-Zeiten sind die Regale gut bestückt, vieles aus dem Sortiment stammt speziell von Herstellern und Produzenten aus der Region. Neuestes Kind im Dorfladen ist ein Bücherregal, das in Kooperation mit der Buchhandlung am Markt in Bad Urach entstanden ist.

Öffnungszeiten von Dorfladen  und Post


Im Dorfladen untergebracht ist auch die Postfiliale, die von der Gemeinde Hülben betrieben wird. Dorfladen und Post haben unterschiedliche Öffnungszeiten.

Dorfladen: Werktags jeweils von 8 bis 12.15 Uhr und 14.30 bis 18.15 Uhr, Samstagnachmittag ist geschlossen.

Poststelle: Werktags von 10 bis 12 Uhr und zusätzlich Donnerstagnachmittag von 16.30 bis 18 Uhr.