Schon einmal von der Ackerwitwenblume, dem Pyrenäenstorchschnabel oder dem Zickzackklee gehört? Und was haben der Braune Bergmolch, das Moderlieschen und die Mönchsgrasmücke gemeinsam. Sie alle, Pflanzen und Tiere, wachsen oder leben im Schutzgebiet Schmiedstobelsee, unweit des CVJM-Heims Neuhausen. Alleine 70 verschiedene Vogelarten und 105 unterschiedliche Blütenpflanzen sind dort in diesem Jahr bereits protokolliert worden.

Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn noch vor drei Monaten war der See trocken gelegt. Über die Wintermonate fand dort nämlich eine der größten Arbeitsaktionen der Metzinger Ortsgruppe des Naturschutzbundes statt. „Und das war bitternötig“, wie Dr. Albrecht Gorthner, Biologe und engagiertes Nabu-Mitglied, gestern im Rahmen einer Führung erläuterte. Sie diente nach dem massiven Eingriff einer ersten öffentlichen Bestandsaufnahme, wie das Schutzgebiet sich danach entwickelt hat.

Bis vor 35 Jahren wurde das kleine Tal als Schuttablageplatz genutzt. Diesen Schutt ließ Förster Ado Kern dann zu einem Wall aufschütten, daran konnte sich ein See bilden, das Schutzgebiet war geboren. Der Vogelschutzbund, aus dem der Nabu hervorging, pachtete damals das Gelände von der Stadt Metzingen, die bis heute Eigentümer ist. Der Schmiedstobelsee  ist bis heute der einzige Natursee in Metzingen, er wird weder zum Angeln noch als Löschwasserteich genutzt, wie das etwa bei anderen Seen in Metzingen der Fall ist.

Zwar hat der Nabu in den vergangenen 35 Jahren immer wieder mit ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen nach dem Schmiedstobelsee geschaut, dennoch ist der Uferbereich mehr und mehr zugewachsen, wodurch zwei Probleme auftraten. Die Bäume spendeten zu viel Schatten, sodass zu wenig Licht in den See fiel. Und zweitens sorgte das viele Laub über die Zeit für eine Verschlammung des Sees. Viele Pflanzen- und Tierarten waren den zunehmend widriger werdenden Umständen nicht mehr gewachsen und verschwanden in der Folge aus dem Gebiet.

Diese Entwicklung sollte mit dem Großeinsatz aus dem vergangenen Winter umgekehrt werden. Schon nach wenigen Monaten, erst im März füllte sich der See wieder mit Wasser, lässt sich vermuten, dass dieses Ziel erreicht wird. „Der See braucht jetzt erst mal ein bisschen Ruhe, damit sich Wasserpflanzen wieder ansiedeln. Diese locken dann als Futtergrundlage auch wieder Wasservögel an“, blickt Gorthner voraus. Erst vor wenigen hat er beispielsweise die Armleuchteralge entdeckt, die derzeit den Kaulquappen als Nahrung dient. „Sehr wertvoll“, freut sich Gorthner.

Eine Besiedlung mit Wasserflöhen würde zu klarerem Wasser führen, da diese das Wasser filtrieren. Hier ist aktuell noch Geduld gefragt. Ebenso wie beispielsweise bei den Libellen. Einzelne Exemplare schwirren zwar schon wieder über das Wasser, die vollständige Population wird aber erst wieder nach sechs Jahren erreicht sein, weiß Gorthner.

Nicht nur der See selbst, auch die umgebende Wiese wurde radikal bearbeitet. So wurde aus einer verwilderten Brombeerhecke mit dem robusten Stockschnabel wieder eine bunte Wiese. „Mit den massiven Eingriffen waren nicht alle Vereinsmitglieder einverstanden“, berichtet Gorthner aus den Diskussionen im Vorfeld, „aber man muss im Naturschutz auch mal kaputt machen, damit es hinterher noch schöner wieder wachsen kann.“ Im Fall Schmiedstobel ist das ganz offensichtlich gelungen.

Im Rahmen der Führung hatte der Biologe auch Tipps für das interessierte Publikum parat, wie man idealerweise mit dem eigenen Garten oder Gütle umgehen solle, damit dort eine möglichst große Artenvielfalt entsteht. „Die schlechteste Variante ist, überhaupt nicht zu mähen. Dann haben Sie nach zwei bis drei Jahren Brombeeren, noch ein paar Jahre später Wald“, so Gorthner zu den Zuhörern. Je häufiger man allerdings mäht, desto geringer sei wiederum die Artenvielfalt. Ideal sei es deshalb, eine Wiese ein Mal im Jahr, etwa gegen Mitte September zu mähen. Wichtig ist es allerdings, das Gras abzurechen oder zu mulchen, durch liegengelassenes Gras könnten sich nämlich auch nur wenige Pflanzenarten durcharbeiten.

Am Schmiedstobelsee wächst und gedeiht es jedenfalls wieder prächtig, Spaziergänger können sich davon von einer kleinen Aussichtsplattform selbst ein Bild machen. Ohne Unterstützung wird es die Natur aber nicht in die gewünschte Richtung schaffen, „die künftige Pflege ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Gorthner. Selbstredend werde der Nabu mit Unterstützung der Stadt aber eine Lösung finden. Und in etwa 15, nicht erst wieder in 35 Jahren, steht dann die nächste Trockenlegung auf dem Pflegeplan.