Üppige Natur, schöne Ausblicke und herrliche Ruhe. Nichts deutet darauf hin, dass das weitläufige Gartengrundstück von Olaf Schell, oberhalb des Maisentals im Bereich Galgenberg/Viehstelle gelegen, ein Tatort ist. Am 3. September, in den frühen Abendstunden jedoch, machte sich hier ein Mann zu schaffen und stahl offenbar zielsicher eine unscheinbar dreinschauende Holzkiste. In der Futterzarge verborgen war ein Bienenvolk mit rund 10.000 Insekten.

Was der unbekannte Dieb damals allerdings nicht ahnte: Er wurde beobachtet. Zwar nicht von einem Zeugen aus Fleisch und Blut, aber von einer sogenannten Wildkamera, die versteckt aufgehängt, immer dann auslöst, wenn sich vor ihrer Linse etwas bewegt. Das so entstandene Foto, das den Langfinger vermutlich auf frischer Tat zeigt, bekam Olaf Schell zeitgleich aufs Handy geschickt und es ist für den Polizeiposten Bad Urach, der die Ermittlungen inzwischen aufgenommen hat, nun ein wichtiges Beweismittel.

Der 50-jährige Bad Uracher kann derweil über den dreisten Diebstahl nur den Kopf schütteln, aber er gibt zu: „Ein bisschen Wut ist schon dabei.“ Es ist weniger der entstandene wirtschaftliche Schaden von rund 200 Euro, sondern der erlittene „Herzschmerz“ den er beklagt. „Da pflegt man sein Volk, schaut nach ihm und freut sich, wenn es gedeiht – und dann kommst du an, und es ist weg“, ärgert er sich. Ähnlich dürfte es einem befreundeten Jung­imker gegangen sein, der nur wenige hundert Meter entfernt Bienenstöcke aufgestellt hat. Auch er besitzt seit dem 3. September ein Volk weniger.

Selbst nachdem Olaf Schell das Foto eingehend studiert hat, kann er über die Identität des Diebs nur rätseln. In einem ist er sich jedoch sicher: „Es muss ein Imkerkollege gewesen sein.“ Laien, so spekuliert er, würden es sich nicht trauen, die Zargen ohne Schutz in die Hand zu nehmen und mit dem Auto abzutransportieren. Dass es kein spontaner Diebstahl war, will Schell daran erkannt haben, dass der Mann ein Klebeband in Händen hält, mit dem er wohl das Flugloch zuge­klebt habe.

Olaf Schell jedenfalls hat das Foto nun breit gestreut, es Vereinen weit über die Region hinaus ebenso zur Verfügung gestellt, wie einschlägigen Fachmagazinen. Auch in sozialen Netzwerken bittet der Imker um Hinweise und um Mithilfe. Bislang jedoch erfolglos. Dabei haben er und sein geschädigter Imkerkollege aus Metzingen eine gemeinsame Belohnung ausgesetzt: Ein 12,5 Kilogramm schwerer Eimer Honig. Garantiert produziert im ansonsten idyllischen Bad Uracher Maisental.

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Euro Schaden ist dem Bad Uracher Hobbyimker Olaf Schell durch den Diebstahl eines Bienenvolks entstanden. Er ärgert sich jedoch vor allem über die Dreistigkeit des Diebes.