40 000 Menschen erkranken in Brasilien jährlich neu an Lepra, 90 000 an Tuberkulose. Jedes Jahr sterben dort mehr als 5 000 Menschen an TB. Für ein Land, das sich selbst auf dem Weg zur Industrienation sieht, mehr als erschreckende Zahlen.

Seit 33 Jahren arbeitet der gebürtige Eichstätter Manfred Göbel für die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Brasilien. Für seine Arbeit wurde er 1988 zum "Mann des Jahres" gekürt und 2002 vom Parlament des Bundesstaates Mato Grosso zum Ehrenbürger Brasiliens ernannt.

In seinem Buch "Größer als die Furcht ist die Liebe" beschreibt Göbel, wie er zunächst seine eigenen Vorurteile gegen Lepra überwinden musste.

Davon berichtete der 58-Jährige auf seiner Vortragstour durch Deutschland auch bei seinem Besuch in Metzingen. Bereits am Vormittag erzählte er Schülern einer neunten Klasse und der Brasilien-AG unter der Leitung von Frau Polnik am Bonhoefer-Gymnasium von seinen Erlebnissen, am Abend war er bei der Kolpingsfamilie zu Gast. Die Metzinger Kolpingsfamilie unterstützt mit ihrer "Aktion Lepra" seit über 40 Jahren die Arbeit der DAHW und seit über 30 Jahren die Lepra- und Tuberkulosebekämpfung in Brasilien mit ihren Maultaschenessen. Nachdem Hannelore Vieth, bisherige Ansprechpartnerin für die Metzinger Aktionsgruppe, in den Ruhestand gegangen ist, hat die Kolpingsfamilie in Manfred Göbel einen neuen Ansprechpartner erhalten. Im Jahr 2007 war Göbel bereits einmal in Metzingen, so waren beide Seiten sehr gespannt auf das Wiedersehen. In einer sehr lockeren Atmosphäre berichtete Manfred Göbel von seinen Fahrten durch ganz Brasilien, seinen Problemen mit Behörden, von Korruption, Gewalt und Tod, aber auch anrührende Geschichten von Hoffnung und Glauben wusste er fesselnd zu erzählen. Beim anschließenden "gemütlichen" Beisammensein mit Häppchen und Getränken gingen die Gespräche noch lange weiter. Ein sehr interessanter Abend, der den Beteiligten wieder einmal deutlich machte, dass ihre Arbeit und das daraus erlöste Geld konkret und zielorientiert verwendet wird.

Die DAHW unterstützt derzeit 215 Hilfsprojekte mit 10,1 Millionen Euro. In Brasilien fördert die DAHW zehn Projekte mit rund 470 000 Euro. Das Land hat nach Indien die höchste Zahl an Lepra-Neuerkrankungen weltweit. Die Behandlung eines Patienten mit Lepra oder TB kostet im Durchschnitt "nur" 50 Euro. Die Aktionsgruppe aus Metzingen trägt ihren Teil dazu bei.