Metzingen Die Weinlese in Metzingen hat begonnen

Elsa Mändle verköstigte schon Bundespräsident Theodor Heuss mit Metzinger Wein. Gestern war sie mit Feuereifer bei der Lese dabei und sorgte für Nachschub 2012. Foto: Michael Koch
Elsa Mändle verköstigte schon Bundespräsident Theodor Heuss mit Metzinger Wein. Gestern war sie mit Feuereifer bei der Lese dabei und sorgte für Nachschub 2012. Foto: Michael Koch
MICHAEL KOCH 26.09.2012
Derzeit ist für die Metzinger Wengerter die schönste Jahreszeit, denn seit Anfang dieser Woche läuft die Lese. Weitestgehend verschont von den Unbilden der Natur sind die Weinbauern wohlgestimmt.

1950 kam Theodor Heuss als amtierender Bundespräsident nach Metzingen. Als er dem Zug entstieg, trat ihm die Metzinger Weinprinzessin entgegen und überreichte ihm einen der edlen Tropfen aus den Metzinger Weinbergen.

Gestern war Elsa Mändle, die Prinzessin von damals, wieder in Sachen Wein unterwegs - zur Lese. Die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen waren aufgerufen, den Müller-Thurgau in die Butte zu holen. Ihr Ehemann, Friedrich Mändle, ist mit seinen 83 Lenzen das älteste aktive Mitglied der Genossenschaft, auch er ließ sich die Lese gestern nicht entgehen.

Seine Stöcke mit dem Müller-Thurgau sind inzwischen 50 Jahre alt. Als einer der ersten hatte Mändle nach dem Krieg in Weinsberg eine Ausbildung im Weinbau genossen, seine Sortenwahl fiel damals ganz bewusst für den Müller-Thurgau aus. "Ich wollte wenigstens zu einem Drittel eine Sorte, die nach einem eventuellen Spätfrost nochmal ausschlägt und somit doch noch Ertrag bringt", erinnert sich Mändle an seine damaligen Überlegungen. Bereut hat er diese Entscheidung nie, auch in diesem Jahr nicht. Auf seiner anderen Anbaufläche hat er übrigens einen Ruländer gepflanzt.

Aus klimatischer Sicht haben die Weinbauern in Metzingen und Neuhausen mit ihren insgesamt noch 33 Hektar Anbaufläche nicht viel zu klagen. Kein Spätfrost, nur ganz geringe Schäden durch Hagel während der Sommerunwetter und gerade noch ausreichend Wasser. Andere Genossenschaften hat es da schlimmer erwischt. Im Badischen zum Beispiel sind große Ausfälle durch Hagelschlag zu beklagen, in der Region zwischen Ludwigsburg und Heilbronn war es zu trocken. Dort konnten deswegen die Trauben nicht richtig reifen.

Die günstigen äußeren Umstände sind auch der Grund dafür, dass die WG Metzingen/Neuhausen im Vergleich zu anderen Genossenschaften in diesem Jahr relativ früh die Ernte einfährt. Und die Mitglieder werden dafür auch überdurchschnittlich entlohnt, wenn dann die Qualität der Trauben stimmt.

Für den gestern gelesenen Müller-Thurgau gab es in diesem Jahr seitens der WG keine Mengenbegrenzung, dennoch achten die Wengerter von sich auf die Menge. Viele herbe Trauben bringen weniger Erlös als wenige süße. Pro einem Grad Oechsle, das der Wengerter mit seiner Lieferung unter dem Gesamtdurchschnitt liegt, bekommt er fünf Prozent weniger Geld ausbezahlt. "Zehn Grad unterm Schnitt und du hast ein Jahr umsonst geschafft" heißt daher die warnende Devise. Jeder einzelne Wengerter achtet daher von sich aus schon aus Eigeninteresse heraus auf die Qualität.

Die scheint in der Masse in diesem Jahr zu stimmen, die WG erwartet wieder ein ähnliches Resultat wie im Vorjahr.

Info Die weiteren Lesetermine in dieser Woche sind wie folgt: Mittwoch, 26. September, nochmals Müller-Thurgau, Annahme 14 Uhr; Donnerstag, 27. September, Hauptlese Portugieser und Dornfelder, Vorlese alle ausstehenden Sorten, Annahme 15 Uhr; Freitag, 28. September, Hauptlese Johanniter, Traminer und Sauvignon Blanc, Annahme 15 Uhr.