Metzingen Die Tür steht weit offen

Die Leiterin des Familienzentrums, Christa Herter-Dank, freut sich, dass die Einrichtung bislang gut ankommt.
Die Leiterin des Familienzentrums, Christa Herter-Dank, freut sich, dass die Einrichtung bislang gut ankommt. © Foto: Regine Lotterer
Metzingen / Regine Lotterer 06.06.2018

Noch hat der Alltag im Familienzentrum nicht richtig Tritt gefasst. Die Telefone beispielsweise verbinden das Gebäude momentan nicht mit der Außenwelt. Dafür liegt dieser ganz spezielle Zauber des Neubeginns über dem ältesten Haus der Stadt. Erbaut 1452, überdauerten seine Mauern die Stürme der Reformation und des 30-jährigen Krieges. Es war Zeuge, als das Kaiserreich zerbrach, die Schreckensherrschaft der Nazis endete und der Eiserne Vorhang fiel. Von der Last der Jahre wirkt das Gebäude nach der aufwendigen Sanierung indessen wie befreit. Frisch und unbeschwert präsentiert es sich den Metzingern seit der Einweihung vor gut zwei Wochen. Seither steht die Haustüre im Familienzentrum sperrangelweit auf, damit jeder eintreten und sich umschauen kann. Dieses Angebot nehmen die Metzinger gerne an, sagt Christa Herter-Dank, die Leiterin des Familienzentrums. Von dem, was die Gäste bei ihrem Rundgang entdecken, sind alle zumindest beeindruckt, die meisten sogar regelrecht begeistert, wie Herter-Dank berichtet.

Im zentral gelegenen und barrierefrei erreichbaren Café des Hauses hat derweil eine neue Gruppe ihren Premierentag im Familienzentrum absolviert. Sie firmiert unter dem Kürzel Meki, die Buchstaben stehen für Metzinger-Eltern-Kind-Gruppe-International. Entstanden ist sie als Kooperationsprojekt von Mobile und Familienzentrum, dieses Netzwerk wurde also schon erfolgreich geknüpft. Weitere bestehen bereits, etwa mit der evangelischen Familienbildungsarbeit, andere werden folgen.

Mit Sofa und Tischkicker

Auch der Tagesmütterverein hat seine Arbeit in den Räumen des Pfleghofs bereits aufgenommen. Für Jugendliche soll sich gleichfalls ein Angebot etablieren, ein gemütliches Sofa und ein Tischkicker stehen inzwischen im ersten Stock des Familienzentrums parat. Verantwortlich für die Arbeit mit den Jugendlichen ist die Oberlin-Jugendhilfe der Bruderhaus-Diakonie.

Obschon an der einen oder anderen Stelle im Haus noch Möbel fehlen, strahlen die verschiedenen Räume des Familienzentrums schon jetzt jene anheimelnde Gemütlichkeit aus, wie sie nur alte und von der Zeit gezeichnete Häuser zu bieten vermögen. Beste Voraussetzungen also, um die Aufgaben zu erfüllen, die der Einrichtung zugedacht sind: Sie soll Familien unterstützen, ihnen beratend zur Seite stehen und dabei helfen, den Alltag zu meistern. Zu diesem Zweck werden bestehende Angebote miteinander verwoben, um auf diese Weise das Passende für jeden einzelnen zu finden. Dabei fußt die Arbeit des Familienzentrums auf den Prinzipien der Inklusion und der interkulturellen Arbeit. Vereine und Organisationen, die ebenfalls auf diesen Feldern tätig sind, können fortan offene Sprechstunden im Pfleghof anbieten, das Kreisjugendamt beispielsweise meldete bereits Interesse an.

Sobald die letzten Leitungen im Haus gezogen sind, erhält der Eingangsbereich des Familienzentrums einen großen Monitor. Dort können sich Passanten über das laufende Angebot im Haus informieren und sich auch spontan für eine Teilnahme entscheiden. Wer sich zunächst in aller Ruhe umsehen möchte, der ist eingeladen, seine Schritte ins Café der Einrichtung zu lenken. Ein heißes Getränk, Wasser und Saft gibt es für die Besucher jederzeit, Kuchen oder kleine Snacks wollen die Mitarbeiter nach Bedarf anbieten, wie Christa Herter-Dank erläutert. Die Hausleiterin hat zwar schon ein eigenes Büro im Haus, das freilich ist noch bar jedweden Mobiliars. Dafür bietet es einen wunderbaren Blick in den kleinen Innenhof, an den auch die Räume der Gruppe Sonnenschein grenzen. Sie ist schon im März eingezogen, Erzieherinnen und Kinder, sagt Herter-Dank, sind bislang vollkommen zufrieden mit den neuen Räumen.

Lange Warteliste

Wer in den obersten Stock des Familienzentrums gelangt, dem dürfte vermutlich kurz der Atem stocken. Vor Begeisterung. Noch ist nicht ganz klar, was mit den Räumen unterm Dach passiert, das Konzept sah zunächst vor, dort eine Wohnung einzurichten. Die wäre tatsächlich traumhaft, die entsprechende Interessentenliste ist freilich lang, wie Christa Herter-Dank lachend berichtet. Womöglich ziehen in die Räume aber auch weitere Gruppen ein, eine Band des Gymnasiums beispielsweise, die dringend einen Probenraum sucht. Gespielt haben die Musiker bereits einmal im Pfleghof, zur Einweihung wussten sie den Besucher mit jazzigen Klängen zu gefallen.

Festschrift kann erworben werden

Zur Einweihung des Familienzentrums Pfleghof ist eine Festschrift erschienen. Herausgegeben wurde sie von Wolfgang Voelter und der Stadt Metzingen. Beschrieben wird darin etwa die Geschichte des Zwiefalter Pfleghofs und das Konzept des Familienzentrums. Verkauft wird sie im Familienzentrum. Wer Fragen hat, kann sich per E-Mail melden unter familienzentrum@metzingen.de. Die Telefonnummer (0 71 23) 93 41 70 funktioniert derzeit noch nicht.

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