Die gute Tat Die Tragödie mit der eigenen Mutter

Es ist tragisch, wenn die Mutter dem eigenen Kind Gewalt antut.
Es ist tragisch, wenn die Mutter dem eigenen Kind Gewalt antut. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Von Peter Swoboda 08.12.2018

Die Weihnachtsaktion unserer Zeitung gilt in diesem Jahr der Kindergruppe der Oberlin-Jugendhilfe, einer Einrichtung der Bruderhaus-Diakonie.  In der Gruppe könnnen Kinder Zuflucht finden, die psychische und/oder physischer Gewalt in der Familie ausgesetzt sind. Meist sind die Eltern überfordert und funktionieren nicht mehr.

Kinder sind die Schwächsten Glieder der Gesellschaft. Das gilt auch für die kleinste Einheit dieser Gesellschaft, die Familie. Hier kommt die Gewalt sogar ganz besonders subtil daher. Denn grundsätzlich lieben Kinder ihre Eltern. Werden sie beispielsweise geschlagen, glauben sie, dass die Eltern im Recht sind, suchen die Schuld bei sich selbst. So auch im Fall eines zehnjährigen Jungen, der vor einigen Jahren in die Kindergruppe aufgenommen wurde.

Zunächst hatte sich der drogensüchtige Vater das Leben genommen, weil er keinen anderen Ausweg mehr wusste. Zu allem Überfluss haben die Kinder den Vater tot aufgefunden. Mag das für den Vater eine Erlösung gewesen sein, hatten die Kinder noch ihre Mutter. Ebenfalls drogenabhängig und gewalttätig.

Viele Haustiere

Zum Haushalt gehörten jede Menge Tiere, denen es an nichts mangelte, sodass das ganze Geld für deren Fütterung drauf ging. Die Kinder mussten hungern. Und wehe, wenn die Mutter Hunger hatte. Dann herrschte sie den Zehnjährigen an, er solle ihr etwas zu essen beschaffen. Und der Junge wusste genau, wenn er nichts beibrachte, wird es gefährlich. Aber die Mutter handelte ja in seinen Augen richtig, der schlechte, nichtswürdige Mensch war er, so glaubte er. Dennoch hatten die Kinder Angst vor der Mutter.

Also ging der Junge los, um für die Mutter etwas zu essen zu besorgen. Und wenn das letzte zusammengekratzte Geld nicht reichte, hat der Zehnjährige eben gestohlen. Es blieb ihm nichts anderes übrig. In der Folge verletzte auch er sich selbst, griff zu Alkohol und anderen Drogen. Er dachte, er sei nicht liebenswert. Laut Wiebke Urich von der Oberlin-Jugendhilfe drang damals lange Zeit nichts nach außen, niemand, auch der Lehrer nicht, hatte etwas bemerkt.

Und während die ältere Schwester Angst, Frust und Ärger  in sich hineinfraß und sich selbst verletzte,  begann der Junge damit, in der Schule Streit zu suchen und sich zu prügeln. „Das wurde mit der Zeit immer schlimmer“, sagt Wiebke Urich. Der Junge wurde also auffällig und die Lehrer auf ihn aufmerksam: Der Zehnjährige funktionierte nicht mehr. Und schnell war klar, dass er Hilfe benötigte.

Für Wiebke Urich war dies „einer der schlimmsten Fälle“, der ihr je untergekommen ist. Alle Kinder der Familie waren schwer traumatisiert. Als der Junge in der Kindergruppe der Oberlin-Jugendhilfe war, sei es zunächst darum gegangen, seinen Glauben daran zu erschüttern, dass die Mutter im Recht war, ihn so zu behandeln, wie sie es getan hatte. Er musste begreifen, dass der Grund für das Verhalten der Mutter nicht in ihm lag, sondern in der Mutter selbst.

„Das Ganze“, so Wiebke Urich, „war sehr dramatisch.“ Denn die Bedrohung, die von einem geliebten Menschen ausgeht, ist nicht nur tragisch, sondern auch traumatisch.

Weihnachtsaktion „Die gute Tat“

Liebe Leser, dank Ihrer Spenden konnten das Metzinger-Uracher-Volksblatt/Der Ermstalbote,  die Reutlinger Nachrichten und der Alb Bote in den vergangenen Jahren viele soziale Projekte oder Einrichtungen in unserer Region unterstützen.

In  diesem Jahr ist  die Kindergruppe der Oberlin-Jugendhilfe (eine Einrichtung der Bruderhaus-Diakonie) für Kinder psychisch kranker Eltern an der Reihe.

Spenden für  die Weihnachtsaktion „ Die  gute  Tat“ richten Sie bitte an Georg Hauser GmbH & Co KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an  die Volksbank Metzingen-Bad Urach, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03, oder an  die Kreissparkasse Reutlingen, IBAN: DE 33 6405 0000 0000 900 5 40.

Eine Spendenbescheinigung wird nach Ende der Aktion ausgestellt. Dazu muss bei der Spende oder der Überweisung unbedingt die vollständige Adresse des Spenders angegeben werden. Bei einer Spende bis 200 Euro reicht fürs Finanzamt allerdings der Kontoauszug.

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