Man tut ihnen sicherlich nicht Unrecht, wenn man behauptet, dass ihre Qualität vor allem in der Quantität besteht. Denn die Woodpeckers gehören nicht nur seit rund 20 Jahren zu den Top-Cover-Bands im Ländle, sie sind auch eine der fleißigsten und ausdauerndsten Rockgruppen überhaupt.

Wenn sie gut drauf sind, bekommt man die Band aus Nagold fast nicht mehr von der Bühne. Als die sieben Musiker am Samstag die lauschige, von Bäumen flankierte Bühne betreten, ist es bereits eine halbe Stunde vor Mitternacht, und die Temperaturen haben empfindlich kühle Werte angenommen. Viele der fröstelnden Fans haben sich in die wärmeren Zelte zurückgezogen, wo neben Bier und anderen Kaltgetränken auch Glühwein und Punsch ausgeschenkt wird.

Trotzdem gelingt es den Woodpeckers im Nu, die Besucher aus den Zelten vor die Bühne zu locken. Mit ihrem aufs Skelett geschälten RocknRoll geben sie den Fans von Beginn an die volle Ladung. Altbekannte Hits von Pink Floyd, den Stones und Robert Palmer wechseln mit Hardrock-Krachern von Hammerfall, AC/DC und Edguy. Mal klingen die Woodpeckers nah am Original, dann wieder versuchen sie sich von den Rockklassikern abzugrenzen, indem sie Eigenes hinzufügen.

Vor allem der wild umher wirbelnde Leadsänger Holger Hofmann und Keyboarder Michael Bresgott sind bestens aufgelegt und stimmlich wie musikalisch in Bestform. Auch Steffen Theurer am Schlagzeug, die beiden Gitarristen Hans-Jürgen Fischer und Andreas Nesch, Werner Hauser am Bass sowie die sich lasziv bewegende Sängerin Stefanie Kern spielen, nicht nur am Coverband-Durchschnitt gemessen, äußerst professionell für eine Freizeitcombo. Live kommen die Songs sehr authentisch und gekonnt rüber und dazu noch meist exakt auf den Punkt.

"Let me die for RocknRoll und Hardrock" scheint das Motto des Abends zu lauten, und das gilt auch für die zweite Hauptband des Abends, Insanity X aus Nürnberg. Kraftvolle Melodien, lautstarke Refrains und dominante Gitarren lassen die rau beseelte Stimme von Alexander Cruise durch hardrockige Klanglandschaften fegen. Zwar wirkt die Stimme des Leadsängers manchmal etwas aufgesetzt, dafür kommen seine Gitarrenparts umso geschlossener daher. Man hört zumindest, dass die vier Musiker von Insanity X die gängigen Hardrock-Klischees aus dem Effeff beherrschen. Und als die Band am Ende "Tell me why" von den Backstreet Boys und "Pokerface" von Lady Gaga durch den Hardrock-Kakao ziehen, ist der Bann beim Publikum endgültig gebrochen.

Bereits um 17 Uhr eröffnete die Tübinger Band Serenade den gut neunstündigen Rock-Marathon mit melodischem Metalrock, der von einem von zwei Sologitarren getragenen Sound geprägt ist. Auch die nachfolgende Ulmer Band 5 Days lost hat sich den härteren Klängen verschrieben und traf damit den Geschmack der meisten Besucher.

Doch nicht nur mit der Musik konnte Veranstalter und Chef-Organisator Ludwig Stooß an diesem Abend zufrieden sein, auch das Wetter spielte mit: Erst scheinte die Sonne, und obwohl es gegen später immer kälter wurde, harrten so gut wie alle Besucher aus, um den Hauptact Woodpeckers nicht zu verpassen. Nicht wenige Härte-Fans kamen sogar erst kurz vor Mitternacht. Wie lange die Nagolder Band dann letztendlich spielte, ist zwar nicht exakt überliefert - aber so zwischen zwei und drei Uhr morgens kommt schon hin.