Eine kleine Linderung in der Krise? Das Landeskabinett hat am Dienstag den Rettungsschirm für die Reisebusunternehmen in Baden-Württemberg in Höhe von 40 Millionen Euro beschlossen. Verkehrsminister Damit soll den zahlreichen kleinen und mittleren Busunternehmen der Reisebusbranche im Land geholfen werden. Der Zuschuss in Höhe von 18 750 Euro pro Reisebus soll einmalig ausgezahlt werden.
Und bei den Busreiseunternehmern vor Ort? Bei Birkmaier aus Bad Urach rollen die Busse zwar wieder, allerdings nur einer von beiden: Seit Montag vergangener Woche ist es Busreiseunternehmen möglich, ihren Betrieb unter Einhaltung diverser Auflagen im wahrsten Sinne des Wortes wieder hochzufahren. Seitdem ist Petra Goller, Geschäftsführerin von Birkmaier-Reisen, wieder in der Neuen Straße anzutreffen: „Es muss jetzt erst einmal alles anlaufen“, kommentiert sie in ihrem Büro die bislang verhaltene Nachfrage seitens der Kunden.

Organisation durch Onlinereservierung schwieriger geworden

Sieht man von der staatlichen Soforthilfe im Frühjahr ab, harrt der Bad Uracher Familienbetrieb seit mittlerweile drei Monaten ohne jedes Einkommen aus. Umso gewissenhafter haben sich Petra Goller und ihr Mann Herbert deshalb in den vergangenen Tagen an die Vorbereitung der nun anstehenden Reisen gemacht: „Die Organisation vieler Ziele ist schwieriger geworden, weil es jetzt zum Beispiel Onlinereservierungen braucht“, erklärt Petra Goller über Reiseziele wie das Legoland oder die Insel Mainau.
Vom kommenden Sonntag an wird Birkmaier dennoch mehrere Destinationen in ganz Deutschland und Österreich ansteuern, darunter beliebte Flecken wie Sylt und Föhr im Norden, Mainau und München im Süden, oder aber der Wörthersee im Nachbarland. Aus dem Angebot vorerst verschwunden bleibt dagegen Italien: „Da sind zu viele Unsicherheiten im Spiel, zum Beispiel wie eine Rückholaktion ablaufen muss“, erklärt Goller. Zudem seien potentielle Touristen gerade den Mittelmeerländern gegenüber noch immer etwas skeptisch eingestellt.

Stornierte Aufträge bis in den September hinein

Gerade die Sommermonate gelten für Busreiseunternehmen als besonders gewinnbringend. In diesem Jahr aber ist mit Klassenfahrten wohl nicht mehr zu rechnen, darüber hinaus hatten bei Birkmaier zu Beginn der Krise sämtliche Seniorenjahrgänge ihre Ausflüge bis in den September hinein storniert. Weil es dem Ehepaar Goller möglich war, Mietgebühren und die Rate für ihre beiden neuen Reisebusse vorerst auszusetzen, konnte sich ihre Firma trotz existenzgefährdender Umstände über Wasser halten. Da allerdings mit einer zögerlichen Reaktion der Kunden auch in den kommenden Monaten noch zu rechnen ist, sei das Unternehmen – wie so viele andere innerhalb der Reisebranche – auf weitere staatliche Unterstützung angewiesen.

Strenge Auflagen bei Busfahrten für Fahrer und Reisende

Für die Kundschaft indes will Birkmaier trotz Auflagen ein ungetrübtes Reiseerlebnis schaffen. Welche Schutzmaßnahmen gelten, entscheiden die Bundesländer bislang separat, obschon der Verband für internationale Bustouristik RDA auf Grund des hohen Aufwands für Reiseunternehmer auf eine einheitliche Regelung pocht. In Baden-Württemberg darf ein Reisebus mit Ausnahme der ersten Sitzreihe vollständig belegt sein. Mit Ausnahme des Fahrers herrscht für jeden Reisenden Maskenpflicht, zudem darf der Fahrgast seinen zugewiesenen Platz während der Reise nicht verlassen. Das gilt jedenfalls solange, bis sich die Regeln ändern: Mit der Maskenpflicht etwa ist es nach Passieren der österreichischen Grenze schon wieder vorbei.