Grafenberg Die Pferde unterm Blechdach

Grafenberg / Peter Kiedaisch 12.08.2018
Der Ferienhock mausert sich zum Dorado für Oldtimer-Liebhaber. Das zeigen Besucher- und Teilnehmerrekord.

So viele waren es noch nie in all den 14 Jahren, seit es das Oldtimertreffen gibt. Jahre zuvor begann die Idee des Liederkranzes Grafenberg, auch mal eine Veranstaltung während der schulfreien Zeit zu organisieren, als reiner Ferienhock. Ganz unspektakulär mit ein paar Klappstühlen und ein paar Roten Würsten. Dann hatte Peter Kächele die Idee, begleitend dazu Oldtimer-Fahrzeuge auszustellen: „Anfangs waren es fast nur Traktoren“, erinnert er sich. Jetzt kommen sie alle.

Aus halb Süddeutschland reisen sie an, erst recht, wenn die Wettervorhersage einen regenfreien Tag prophezeit: „Wenn sie ein Gewitter angekündigt hätten, wär’ ich daheim geblieben“, haben manche Oldtimer-Piloten am Anmeldetisch zugegeben. So aber lohnten sich auch weite Anreisen, was die Veranstalter freut: Als gegen 14.30 Uhr die Anmeldung geschlossen wurde, waren es mehr als 350 Teilnehmer: „Das ist ein neuer Rekord“, freut sich Ralf Wurster. Er freut sich auch über die etwa 4000 Besucher. So viel waren noch nie zu diesem Hock gekommen. Wurster verdeutlicht die Dimension dieser Veranstaltung gerne in Zahlen, wobei die Rote Wurst so etwas wie eine Vergleichswährung ist. Beim Dorfhock, der sich in Grafenberg über zwei Tage erstreckt, verkauft der Liederkranz in der Regel 900 Rote Würste. In allein den drei Stunden zwischen 11 und 14 Uhr hat derselbe Liederkranz am Sonntag 1100 Rote verkauft.

Das liegt auch daran, sagt Wurster, dass die Gemeinde erstmals einen Teil des Bolzplatzes für den Oldtimerhock zur Verfügung gestellt hat. „Klasse“, freut sich Wurster, denn das entzerrt die Veranstaltung. Oben auf der Wiese gibt es so Platz für Biertischgarnituren und die Blasmusik. Und auch ein Teil der alten Autos kann da oben abgestellt und besichtigt werden. Und was für welche: Maserari, Mustang, eine 11-CV-Gangsterlimousine und ein Phantomas-DS waren Blickfänge.  Als besonders laut erwies sich ein Traktor der Marke Hanomag, für Insider: ein R45. Und wenn eine alte BMW vorbeischrappelte, roch es nach diesem alten bleihaltigen Benzin, doch auch Zweitakter erinnerten an die Zeiten, da die Jugend mobil wurde und mit dem Moped ins Kino oder in die Disco fuhr. Da standen die Kleinkrafträder, für die Jungs vor 40 Jahren alles gegeben hätten: Zündapp, Herkules und die berüchtigte Kreidler Florett. Schluchtenflitzer nannte man sie damals. All diese Fahrzeuge, egal, ob sie erschwinglich oder unbezahlbare Raritäten sind, nehmen die Besucher behutsam an der Hand und führen sie zurück in längst vergangene Tage: „Weißt du noch“, sagen sie, „als dich deine Eltern auf den Rücksitz eines Käfers setzten?“ Diese Autos hatten ja alle ihren spezifischen Geruch und im Falle des Käfers auch einen unverwechselbaren Klang. Irgendwie scheint die Menschheit damals durchgekommen zu sein ganz ohne AMG-Tuning. Obwohl, aufgemotzte Autos gab es auch in den 70ern: den NSU-Prinz.

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