Metzingen Die nicht nur Rosinen picken

Metzingen / Nadine Wilmanns 11.02.2018
Der Albverein hat ein neues Vorstandsteam: Michael Hauser, Holger Gnam und Wilhelm Mendle wurden gewählt.

Ehrenämter im Verein zu besetzen wird immer schwieriger. Die Metzinger Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins hat am Freitagabend gerade noch die Kurve gekratzt und mit Erfolg ein Vorstandsteam zusammengestellt. ,,So eine große Ortsgruppe ohne Vorstand, das wäre ja ein Dilemma“, sagte Albverein-Gauvorsitzender Werner Schrade bei der Jahreshauptversammlung der Metzinger. Und der Ehrenvorsitzende Dieter Feucht gibt zu: ,,Ich habe schon etwas Angst vor dieser Veranstaltung gehabt.“

Heiko Luz, bis dato Vorsitzender, hatte bereits im Vorfeld angekündigt, nicht mehr für das Amt kandidieren zu wollen und auch sein Vorstandskollege Wilhelm Mändle wollte nicht mehr. Blieb vom dreiköpfigen Vorstandsteam nur noch Michael Hauser, der anbot, den Posten des Ersten Vorsitzenden für vier Jahre zu übernehmen –  in einem Vorstandsteam. Eifriges Bewerben um die beiden offenen Vorstandsposten blieb jedoch aus. Keine Überraschung für Hauser: ,,Wir haben vor dieser Versammlung intensiv gesucht und Personen angesprochen“, berichtet er. ,,Die Suche war nicht erfolgreich.“

Der Albverein habe generell Probleme, engagierten Nachwuchs zu rekrutieren, so Schrade. ,,Noch nie wurde so viel gewandert wie jetzt – aber nicht im Verein“, bedauert der Gauvorsitzende und spricht vom ,,Rosinen picken“: ,,Viele nutzen die Infrastruktur, das Wegenetz, sind aber nicht mehr bereit, im Verein Verantwortung zu übernehmen und sich einzusetzen.“ Auch Feucht sagt: ,,Die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft einzubringen, hat dramatisch abgenommen.“ Man müsse sich dringend überlegen, wie es gelingen könnte, die nächste Generation mehr zu erfassen. Der Teamgedanke, so Schrade, könne den Nachwuchs motivieren: ,,Wenn man ein gutes Team beisammen hat, dann macht Vereinsarbeit auch Spaß.“ Umso mehr freute sich Hauser, als sich schließlich doch noch jemand meldete für den zweiten Vorstandsplatz. Zumindest für zwei Jahre ,,Versucherlesposten“, so Hauser, hat sich Holger Gnam bereit erklärt. ,,Urgestein und Fundament der Ortsgruppe“, so die Vereinskollegen.

Und auch der ,,umtriebige Fels in der Brandung“, wie Hauser seinen Vereinsfreund Wilhelm Mändle nennt, sprang ein und übernahm das Amt des dritten Vorsitzenden für ein Jahr kommissarisch. Zudem besetzt er den Posten von Horst Groh als Seniorensprecher.

Luz, der aus beruflichen Gründen nicht weiter Vorstand bleiben kann, will dem Verein als Beisitzer im Ausschuss erhalten bleiben. Außerdem wurden Gunnar Ulbricht, Hubert Bildstein, Konrad Berger, Eckart Ruopp, Peter Oelhafen und Beate Wörle-Klett als Beisitzer gewählt.

Der Albverein wird dringend gebraucht: Weginstandsetzung und Naturschutzmaßnahmen – im vergangenen Jahr 65 Arbeitsstunden und 30,5 Kilometer Wegenetz – sind unverzichtbare Beiträge zum Wanderglück. Doch bedeute Vereinsarbeit nicht, nur für andere zu knüppeln, betont Schrade: ,,Sondern man bekommt auch etwas zurück.“ Im vergangenen Jahr freuten sich die Mitglieder über organisierte Wanderungen, Fahrradtouren, das Fahrtenliedersingen in der Festkelter und das umfangreiche Angebot des beliebten Albvereins-Ablegers, der Skizunft. ,,Man muss viel bieten, um die Mitglieder bei der Stange zu halten“, sagt Schrade.

In Sachen Angebot dürfte der fast tausend Mitglieder starke Verein die Nase vorne haben: ,,Wir hatten im letzten Jahr ein pralles Veranstaltungsheft und mehr neue Eintritte als Austritte“, so Hauser und auch Skizunft-Vorsitzender Mathias Koch sagt: ,,Unser riesiges Angebot erfreut sich ungebrochener Beliebtheit.“ Bleibt zu hoffen, dass auch die Ehrenämter künftig wieder beliebter werden. Fürs Erste sind die Wanderfreunde ja  über den Berg.

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