Metzingen Die Jagd nach Wildschweinen

Metzingen / Gabriele Böhm 03.12.2018

Mit unserem Fest erinnern wir immer an einen besonderen Aspekt der Metzinger Geschichte“, sagte Rudolf Renz, Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtgeschichte Metzingen (AKS). Statt um Wein gehe es um Kohl, der zusammen mit der Württemberger Hirschstange auch das Stadtwappen ziere. Am Freitagabend fand in der voll besetzten Festkelter bereits zum zehnten Mal das Krautwickelessen des Arbeitskreises statt. Für die musikalische Begleitung sorgten Jürgen Häussler und Jochen Probst von „Jazz’n’Stuff“.

„Das Wappen wurde 1616 durch Herzog Johann Friedrich dem Marktflecken Metzingen verliehen“, so Renz in seiner Begrüßungsansprache. Im Revolutionsjahr 1848 hätten sich die Bürger entschlossen, den Krautkopf im Wappen beizubehalten. Wie er dorthin gelangt sei, sei allerdings bis heute ungeklärt.

Als mögliche Gründe nannte Renz den Metzinger Krauthandel im Spätmittelalter oder das Ausweichen auf ein anderes Symbol, nachdem die Weinrebe bereits von Neuhausen genutzt worden sei. Möglich sei der Krautkopf auch Symbol für den Marktort, der Metzingen bereits in der frühen Neuzeit gewesen sei. „Es ist zu vermuten, dass es bereits im Mittelalter Krautwickel gab“, so der Vorsitzende.

Renz begrüßte unter den Gästen Prof. Dr. Wolfgang Voelter und seine Ehefrau Dr. Heide Voelter als Vertreter der Voelter-Stiftung sowie Dr. Ulf Bossel, Nachfahre des Christian Friedrich Schönbein, aus der Schweiz. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler dankte in seinem Grußwort für die hohe Beteiligung am Bürgerentscheid zur Bäderfrage.

Den Festvortrag hielt Professor Dr. Bernhard Maier, Religionswissenschaftler und Keltologe von der Universität Tübingen, zum Thema „Zu Tisch bei den Kelten: Speisen, Sitten und Gebräuche“.

Wie Maier ausführte, gebe es in Süddeutschland mit der Heuneburg, dem Fürstengrab von Hochdorf, dem Krieger von Hirschlanden, der Statue von Holzgerlingen, dem Fürstengrabhügel Kleinaspergle sowie zahlreichen Viereckschanzen eine Fülle von bedeutenden Funden und Fundstellen. In nächster Nähe habe man ja mit dem Heidengraben die Relikte einer befestigten Siedlung.

Im fünften Jahrhundert vor Christus tauchten die Kelten, Gallier oder Galater zum ersten Mal in der antiken Literatur auf. Die ausführlichsten Schilderungen fänden sich beim griechischen Universalgelehrten Poseidonios, der vor allem das Erstaunliche, Ungewohnte niederschrieb. So hielt er fest, dass die Kelten auf einer Unterlage aus Heu an niedrigen Holztischen speisten. Gegessen wurde wenig Brot, das aus Weizen, Dinkel, Emmer, Einkorn und Gerste hergestellt war, dafür aber viel gekochtes und gebratenes Fleisch. Der Referent, der seinen Vortrag mit Fotos von Funden sowie Szenen aus „Asterix“ veranschaulichte, äußerte Zweifel, dass die Kelten mit Vorliebe Wildschweinen hinterhergerannt seien. „Sie haben sich vermutlich eher von Haus- und Nutztieren ernährt.“ Belegt sei jedoch, dass man Fleisch rustikal mit den Zähnen abriss oder mit einem kleinen Messer abschnitt.

Ähnlich der Tafelrunde aus der Artussage habe man beim Essen im Kreis gesessen, der Anführer in der Mitte. Wein aus Italien oder Marseille sei, so Poseidonios, voller Abscheu, pur und nicht mit Wasser gemischt getrunken worden. Dies war allerdings den Reichen vorbehalten, während die Ärmeren Weizenbier mit Honig, jedoch meistens Bier ohne Zusätze, das „curmi“, genossen hätten. Das berühmte Met habe sich als Bodensatz im keltischen Kessel von Hochdorf erhalten. Getrunken wurde vermutlich aus Holzbechern und Trinkhörnern. „Ob die Kelten jedoch Krautwickel kannten, ist unsicher“, so der Referent. „Kohl galt als Arme-Leute-Essen und hatte eine schlechte Reputation.“ Das Wort an sich gehe möglicherweise auf das lateinische „caulis“, althochdeutsch „kol“, zurück. Das lateinische Wort „brassica“ für „Kohlkopf“ habe sich bis heute im irischen „praiseach“ und im wallisischen „bresych“ erhalten.

Anschließend informierte Dr. Fritz Kemmler noch über die geplante AKS-Exkursion 2019 nach Südtirol.

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