Heute soll es in Metzingen 38 Grad heiß werden. Für Juni ist das ganz ordentlich, denn der Hochsommer kommt ja erst. Müssen wir uns an solche Temperaturen gewöhnen? Vermutlich ja, doch diese heiße Woche auf den Klimawandel zurückzuführen, halten Experten für falsch. Es handelt sich um eine Wetterlage, wie sie immer mal wieder vorgekommen ist. Die Hitze kommt aus der Sahara und führt neben trockener und heißer Luft auch Staub mit, der wiederum schwächt die Sonneneinstrahlung etwas ab, sodass Rekordwerte von jenseits der 40 Grad vermutlich nicht erreicht werden. Wetterexperte und Diplom-Geograph Matthias Habel von Wetteronline mit Sitz in Bonn rät zur Gelassenheit. Ändern kann man das Wetter nicht, insofern ist es allemal angenehmer, sich über die schönen Tage zu freuen und sich zu arrangieren. Sich zu ärgern bringt nur schlechte Laune. Zudem bleiben die kommenden Tage frei von Unwettern. Gewitter sind nicht in Sicht, die Luft ist trocken, die drückende Schwüle also bleibt aus. Und wer nachts für etwas Durchzug sorgt, wird gut schlafen können.

Herr Habel, schon seit Tagen wird eine Hitzewelle angekündigt, die rekordverdächtige 40 Grad bringen soll. Wird es wirklich so heiß?

Matthias Habel Nach einer Mega-Hitze um 40 Grad sieht es derzeit nicht aus. Ganz ausschließen kann man es aber nicht.

Ist das für den späten Juni nicht außergewöhnlich?

Tage mit 40 Grad sind eigentlich dem Hochsommer vorbehalten und selbst dann selten. Ende Juni hat es aber immer wieder mal Werte um 35 Grad gegeben, das ist nicht außergewöhnlich.

Wie kommen sie zu Ihren Vorhersagen?

Wir messen die Luftmasse in 1500 Metern Höhe, besser gesagt: Dort, wo der Luftdruck 850 Hektopascal beträgt. In dieser Höhe beeinflussen aufgeheizte Städte nicht mehr die Luft. Im Ermstal wird es heute da oben 21, eventuell 22 Grad warm. Um die Temperatur in Bodennähe zu ermitteln, rechnen wir 13 bis 14 Grad dazu.

Dann reicht es nicht für die 40er-Marke?

Vermutlich nicht. Dazu muss meteorologisch alles zusammenpassen. Weil die warme Luft aus Nordafrika beziehungsweise aus der Sahara kommt, ist die doch staubbeladen. Das dämpft die Sonneneinstrahlung. Das kann entscheidend sein, wenn es um Rekordwerte geht.

Wie wird es in dieser Woche weitergehen?

Der Mittwoch bringt im Landkreis Reutlingen nochmal 36 Grad, Donnerstag und Freitag kommt dann eine Abkühlung.

Also Zeit, um etwas durchzuatmen.

Nicht ganz, denn 32 Grad wird es auch an diesen Tagen geben, ehe es dann am Wochenende nochmal wärmer wird. Wir haben sechs heiße Tage mit durchgehend über 30 Grad.

Und die Nächte?

Die Nachttemperaturen liegen bei 20 Grad. Da sprechen wir Meteorologen von Tropennächten.

Hat diese Hitzewoche etwas mit dem Klimawandel zu tun?

Eindeutig nein. Das ist eine einzelne Wetterlage. Wollen wir Aussagen übers Klima, dann müssen wir das Wetter der vergangenen 30 Jahre anschauen.

Aber der Klimawandel ist doch nicht wegzudiskutieren.

Nein, dieser Thematik muss man entgegentreten. Den Klimawandel gibt es, und so weit es in der menschlichen Macht steht, sollten wir gegensteuern.

Also Friday for Future unterstützen.

Der Klimawandel ist nicht allein menschengemacht. Es gibt natürliche Ursachen, die Forschung allerdings kennt den Anteil des Menschen nicht. Aber es ist sicher sinnvoll, ressourcenschonend zu leben. Ich bin nur skeptisch bei Maßnahmen, die rein auf Deutschland bezogen sind. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir brauchen globales Handeln.

Gibt es im Ermstal und auf der Alb Hitze-Hotspots?

Nein, es gibt im Winter Kältepole, etwa Sonnenbühl. Die Hitze ist eher ein Thema für Städte wie Stuttgart. Sie sammelt sich in der Talkessellage. Da heizt es sich richtig auf. Man kennt es, wenn man sich abends nach Sonnenuntergang an eine noch immer warme Hauswand lehnt.

Sie sind Meteorologe, kein Arzt. haben Sie dennoch ein paar Tipps, wie der Hitze beizukommen ist?

Sie genießen! An einen See gehen abends. Bewegte Luft hilft, also abends die Fenster öffnen. Und viel trinken, den Sport in die Morgenstunden verlegen.

Die Fenster öffnen funktioniert bei Gewitterschauern schon nicht mehr.

Es wird keine Gewitter geben, Unwettergefahr besteht nicht. Die Luft ist zudem trocken, also nicht schwül. Das ist wichtig fürs relative Wohlbefinden. Also: genießen, nicht aufregen. Das verdirbt nur die Stimmung.

Tipps für die heiße Zeit


Angesichts der angekündigten großen Hitzewelle in dieser Woche mit bis zu 40 Grad Celsius in Baden-Württemberg warnt Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) vor möglichen gesundheitlichen Risiken und ruft die Bevölkerung zu vorbeugenden Maßnahmen auf.

„Temperaturen, die über einen längeren Zeitraum hinweg bei weit über 30 Grad liegen, können Kreislaufbeschwerden und körperliches Unwohlsein auslösen. Im schlimmsten Fall kann die extreme Hitze lebensbedrohlich sein.“ Typische hitzebedingte Beschwerden könnten sich etwa in Schwindel, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen äußern.

Wie gut Personen die Hitze verkraften, hängt laut Angaben des Gesundheitsministeriums stark vom jeweiligen körperlichen Befinden ab. Für gesunde Erwachsene sind bei normaler Lebensführung und ausreichender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme auch längere Hitzeperioden in der Regel nicht mit gesundheitlichen Gefahren verbunden. Ein erhöhtes Risiko besteht jedoch für Säuglinge und kleine Kinder, Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sowie vor allem für ältere und pflegebedürftige Menschen. Lucha: „Im Alter und bei Pflegebedürftigkeit lässt das Durstgefühl oft nach. Ältere Menschen trinken dann weniger. Dadurch wird die Möglichkeit der Wärmeabgabe über das Schwitzen vermindert.“

Kinder oder gesundheitlich geschwächte Personen dürfen niemals – auch nicht für kurze Zeit – in einem geparkten Fahrzeug zurückgelassen werden.

Tipps, um sich vor den negativen Auswirkungen der Hitze zu schützen:

Während der Mittagshitze möglichst in Innenräumen oder im Schatten aufhalten und versuchen, körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Tätigkeiten im Freien sollten auf die kühleren Morgen- und Abendstunden beschränkt werden.

Für eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung sorgen. Geeignet sind Wasser- und Mineralwasser, Saftschorle, Suppen oder auch wasserreiche Früchte. Vermieden werden sollten Alkohol und Koffein. Lieber mehrere kleine, leichte Mahlzeiten zu sich nehmen.

Die Abkühlung der Nacht und der frühen Morgenstunden nutzen, um Räume zu lüften. Räume tagsüber abdunkeln und dafür möglichst Außenjalousien oder Rollläden nutzen.

Leichte, nicht einengende Baumwollkleidung in hellen Farben tragen.