Die Gepflogenheit, Weihnachtskarten zu verschicken, gibt es in Deutschland seit ungefähr 1870. Wie so vieles hat der Brauch mit dem Krieg zu tun, den das Deutsche Reich in den 1870er Jahren gegen Frankreich geführt hat. Die allererste Weihnachtskarte gab es einige Jahrzehnte früher in England.

In London beauftragte Sir Henry Cole im Dezember 1843 den Illustrator John Callcott Horsley, für ihn eine Weihnachtskarte mit dem Text Merry Christmas and a Happy New Year to You zu kreieren. Horsley ließ sich durch die Form eines Altarbildes inspirieren und komponierte das Bild eines Familienfestes, umrahmt von Zweigen und Reben. Das Motiv sollte Fröhlichkeit und Wohltätigkeit vermitteln. Bis zum Ersten Weltkrieg sendeten die Deutschen zu Weihnachten überwiegend sogenannte Wunschblätter. Das waren Briefbögen mit gedruckten Randornamenten und oft einem Bild, in die handschriftliche Grüße oder Gedichte eingesetzt wurden. Die ersten Weihnachtskarten in Deutschland zeigten Soldaten, die das fest an der Front feierten. Die Grafenberger Sammlerin, Sylvia Schmon, besitzt zahlreiche historische Weihnachtskarten. Sie sagt dazu: "Das Motiv sollte wohl den Krieg rechtfertigen." Und es sollte ihn sicher auch verklären. Ähnliches gilt für die Weihnachtskarten, die im Ersten Weltkrieg von der Front nach Hause geschickt wurden. Dabei handelte es sich oft um kitschige Darstellungen. Gleichwohl waren die Karten aufwendig gemacht mit Goldprägung und handkoloriert.

Sylvia Schmon besitzt auch ein Kontingent Weihnachtskarten, die in den 1960er Jahren aus der DDR nach Urach gingen. Zu sehen waren auf den Karten oftmals Engel mit einem Kleid aus echtem Seidenstoff. Gefunden hat Sylvia Schmon die Karten zumeist auf Flohmärkten. "Das war", so Schmon, "meistens eine mühsame Angelegenheit." Denn die Händler hatten die Karten überwiegend unsortiert in Kartons angeboten.

"Aber", so Sylvia Schmon weiter, "mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür, aus welcher Zeit die Karten stammen." Das Faszinierende an den Weihnachtskarten ist für sie, dass man den jeweiligen Zeitgeist an den Karten ablesen kann und wie das Thema Weihnachten unterschiedlich dargestellt wird.