Neuhausen Die Flurneuordnung in Neuhausen nimmt Fahrt auf

Ist der Schnee erst komplett geschmolzen, dann erscheint das neue Wegenetz auf Neuhäuser Flur. Auch die Bauarbeiten nehmen dann wieder volle Fahrt auf. Foto: Thomas Kiehl
Ist der Schnee erst komplett geschmolzen, dann erscheint das neue Wegenetz auf Neuhäuser Flur. Auch die Bauarbeiten nehmen dann wieder volle Fahrt auf. Foto: Thomas Kiehl
Neuhausen / MICHAEL KOCH 29.01.2013
Die Spannung steigt: Wer bekommt nach Abschluss des Neuhäuser Flurbereinigungsverfahren welches Grundstück zugeteilt. Noch in diesem Jahr sollen die entsprechenden Entscheidungen fallen.

Noch lähmt der Schnee die Bauarbeiten am neuen Neuhäuser Wegenetz, doch das Ende der Winterpause ist in Sicht. "Wir sind mit dem Unterbau soweit fertig", gibt Anita Schmitz vom Kreisamt für Landentwicklung und Vermessung des Landratsamtes Reutlingen einen Einblick unter die Schneedecke. Im Frühjahr sollen dann die dafür vorgesehenen Abschnitte mit einer Asphaltdecke bezogen werden. Dies werden Gefällstrecken sein, wie zum Beispiel zwischen der B 28 alt und neu oder die Wege parallel zur B 28 neu.

Nicht dazu gehören wird der Abschnitt von der Tiefenbachtalbrücke in Richtung Amtäcker-Brühl. Vor allem Landwirte hatten sich hier einen Asphaltweg gewünscht. "Die Straßenbauverwaltung des Regierungspräsidiums war in diesem gesamten Verfahren ohnehin schon recht großzügig", erklärt Ernst Braun, Leiter des schon besagten Amtes, Nachverhandlungen werden es daher zumindest an dieser Stelle nicht geben. "Letztlich ist es so: Wer zahlt, der bestimmt - und das ist in diesem Fall der Bund", so Braun.

Nach der Fertigstellung des Wegenetzes wird das Amt die neuen Trassen in sein internes Kartenmaterial aufnehmen und dann eine Anspruchsberechnung durchführen. Danach wird jeder an dem Verfahren beteiligter Grundstückseigentümer persönlich zu einem Planwunschtermin eingeladen, an dem die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt werden können. "Diese werden zwar nach Möglichkeit beachtet, aber rechtliche Ansprüche auf das eine oder andere Stück gibt es natürlich nicht", sagt Anita Schmitz. Und Ernst Braun fügt unmissverständlich an: "Für die endgültige Zuteilung ist alleine das Amt zuständig, sonst niemand." Damit werde sicher gestellt, dass zum Beispiel der von den Grundstückseigentümern gewählte Vorstand, nicht bevorteilt werde. "Dieses Vorstandsgremium hat bei der Vergabe nichts zu melden", stellt Braun klar.

Das eigentliche Zuteilungsverfahren ist eine hochkomplizierte Angelegenheit. "Wir schaffen Flächen mit gleichem Wert", erklärt Ernst Braun. Nicht immer muss also das neue Grundstück die gleiche Größe haben wie das alte. Hat der neue Boden eine bessere Qualität oder ist die Lage des Grundstücks besser, dann wird die Grundstücksfläche entsprechend kleiner - oder auch umgekehrt.

Kommt das Amt mit den Flächenverschiebungen alleine letztlich nicht zupass, dann werden die Differenzen mit Geld beglichen. "Das ist aber in weit weniger als bei fünf Prozent der Fall", so Ernst. Abhängig sei dies natürlich auch immer von der zu verteilenden Fläche, die zusätzlich, zum Beispiel von der Stadt Metzingen, in das Verfahren eingebracht werde.

Da sich ein Flurneuordnungsverfahren zwar manchmal über viele Jahre hinzieht, andererseits das neue Wege- und Gewässernetz auch für Jahrzehnte Bestand haben soll, werden die Wege mit möglichst großer Weitsicht angelegt. So in diesem fall zum Beispiel der Weg parallel zur B 28 neu, der für den Geschmack von Landwirten zu weit von der Straße entfernt ist und somit wertvolle Ackerfläche verloren geht. Hier ist bereits die Möglichkeit berücksichtigt, dass eines Tages ein Beschleunigungsstreifen als Zufahrt zur B 28 angelegt werden könnte. "Für diese zusätzliche Spur haben wir schon mal Platz gelassen", sagt Ernst Braun. Er selbst wird die Lorbeeren für die Weitsicht aber nicht mehr ernten können - er steht kurz vor dem Ruhestand und wurde daher im Ortschaftsrat Neuhausen offiziell verabschiedet.

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