Region Die dunkle Seite für eine gute Sache

Region / Anne Laaß 21.07.2018
Die Comic-Convention hat zahlreiche Besucher nach Stuttgart gelockt. Darunter auch Serge Krall, der sich durch sein Hobby dem Ehrenamt verschrieben hat.

Diese Atemgeräusche kennt wohl jedes Kind und jeder Erwachsene, ob Liebhaber oder nicht: Darth Vader, eine von Georg Lucas erdachte Figur, ist wohl der bekannteste aus der Star-Wars-Reihe. Und genau der besucht Kinder im Krankenhaus.

Klingt vielleicht komisch, ist aber für die kostümierten Anti-Helden der „501. German Garrison“ normal. Die Männer und Frauen haben sich für die dunkle Seite der Macht entschieden, folgen ihrem Imperator und machen dennoch Kinder glücklich. Der Star-Wars-Fanclub German Garrison arbeitet eng mit der Deutschen-Knochenmark-Spender-Gesellschaft zusammen. Einer von ihnen ist hier aus der Region: Serge Krall. Der 44-Jährige hat vor gut sieben Jahren eine Dokumentation über den „weltgrößten Star-Wars-Kostümclub“, wie Presseoffizier Heike Fournier anmerkt, gesehen. Kralls Fazit: „Das ist cool.“ Er hörte sich um und ist bereits ein Jahr später, also 2012, Mitglied geworden.

Böse Jungs tun Gutes

Damit ist der Tübinger einer von mehr als 10 000 Menschen, die sich weltweit dem Club angeschlossen haben. Gegründet wurde er 1997, seitdem schrieb er Fangeschichte. Selbst George Lucas hat die Legion offiziell anerkannt. Die Mitglieder leben nicht allein ihr Hobby aus, sondern engagieren sich in besonderer Weise. Die Themen Leukämie und Hospiz sind den imperialen Truppen nicht fremd. Die Krebserkrankung hat bereits Opfer in den eigenen Reihen gefordert. Umso wichtiger, wie Heike Fournier sagt, mit der DKMS zusammenzuarbeiten. So kann man die Legion „buchen“, auch für Auftritte in Hospizen. Dort zaubern sie ein Strahlen in die Augen der Kinder, und Verwirrung in die der Mütter. Das zumindest sind die Erfahrungen von Fournier. „Väter wissen doch eher, wer Darth Vader ist“, und können so mit den Kostümierungen mehr anfangen. Für die kleinen Patienten im Krankenhausbett sind das selbstverständlich einmalige Momente. Das liegt auch daran, dass die Verkleidungen real wirken.

Und genau darauf legt der Club großen Wert. Es soll authentisch sein. Serge Krall hat an seinem Sturmtruppler-Kostüm lange gesessen. Erst wird recherchiert, dann gemessen, bestellt und verbessert. „Es braucht viel Zeit, Geduld und Recherche“, betont der 44-Jährige, der in Stuttgart als Tusken-Räuber unterwegs war und in der Garrison auch die Kostüme der angehenden Mitglieder beurteilt. Mitmachen darf bei der Legion prinzipiell jeder, wenn das Outfit sitzt, und zwar perfekt. Rund 100 imperiale Mitglieder haben sich kürzlich auf der Comic-Convention in Stuttgart eingefunden und viele Blicke der Besucher auf sich gezogen.

Durch solche Aktionen sammeln Krall und die imperialen Truppen auch Spenden. Auf dem Tresen in der Stuttgarter Messehalle steht ein schwarzes Sparschwein. Hier können die Besucher der Convention hineinwerfen, was sie wollen. Die Messehallen sind gut besucht, immer wieder bilden sich Menschentrauben, wie vor dem imperialen Thron. An zwei Tagen beherrschen die bunt gekleideten Jugendlichen, Kinder und Erwachsenen das Bild der Haltestelle Stuttgart-Flughafen. Kurz vor dem Messehalleneingang werden die Besucher von zwei jungen Mädchen, die kostenlose Umarmungen anbieten, begrüßt. Dann nehmen sie ihre Schilder mit der Aufschrift „Free Hugs“ ab und stürzen sich ins Getümmel. Auch das gehört zur Con, wie die meisten die Veranstaltung nennen, dazu. Hier treffen sich nicht allein Comic, Manga oder Zeichentrickliebhaber, sondern auch die Künstler. Sie sitzen reihenweise nebeneinander, zeichnen, unterhalten sich mit den Gästen und verkaufen ihre Bilder und ihren Schmuck. Es gibt unzählige Accessoires: Schwerter, Schuhe, Taschen, Bücher, Wonder-Woman-Bademäntel, Cappies, Zauberstäbe, eben alles, was Magier, Krieger und Liebhaber brauchen.

In Stuttgart ist jede Altersgruppe vertreten und so manch extravagantes Kostüm. Eine Familie hat den Kinderwagen des Jüngsten zu einem TIE-Fighter, einem schwarzen Raumschiff, umgebaut. Währenddessen ertönt irgendwo in der Halle die Serienmelodie von „Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu“. Es ist nicht David Hasselhoff, es sind Con-Besucher, die sich in die neon-grellen Badesachen getraut haben und über das Gelände schlendern. Etwas weiter weg steht Wolverine, mit einer Zigarre im Mund. Dann spaziert Chew­bacca an den Besuchern vorbei, und auf einem X-Wing-Fighter beobachtet der Astromechdroide R2-D2 das Geschehen.

Für Star-Wars-Fans gab es in Stuttgart einiges zu erleben. Die Comic-Con-Germany ist zum dritten Mal zu Gast in der Messe. Die Organisation ist gut, die Gänge nicht zu überlaufen wie an anderen Standorten, das Personal höflich und die Stände echte Hingucker. Beim Pendant der German Garrison steht, mitten im Wüstensand, ein BB-8. Die Rebel Legion – German Base Yavin setzt sich gemeinsam mit der 501. Legion auch gegen Mobbing ein. Aber der Guten Seite sind Themen wie Leukämie-Forschung und die Arbeit in Kinderhospizen nicht fremd.

So ist es nicht erstaunlich, dass die Garrison für die Mitglieder mehr als ein Kostümclub, ist es ist das gemeinsame Interesse, die ehrenamtliche Arbeit und das Engagement. „Von den Fans, für die Fans“, beschreibt es Serge Krall. Für ihn ist das ein positiver Nebeneffekt. Er könne sein Hobby, seine Faszination des Krieg-der-Sterne-Universums mit Gleichgesinnten teilen, in einer Sturmtruppler-Uniform herumlaufen und gleichzeitig auch noch etwas Gutes tun.

„Die Kinder vergessen für einen Augenblick, was sie haben“, das ist einfach das Schönste, stimmen Presseoffizier Heike Fournier und Stefan Höhn, der Kommandierende Offizier, zu. Höhn ist seit Februar 2008 bei der Legion. Der Funke sprang über, als er die „Dunkle Seite der Macht“ bei einem Auftritt in Trier gesehen hatte. „Die geile Truppe“, wie er die Mitglieder nennt, unternimmt viele Aktivitäten, dazu gehören auch die Besuche im Hospiz. „Man muss darauf vorbereitet sein“, erklärt er und Fournier ergänzt: „Es muss einem bewusst sein, dass diese Kinder nicht mehr lange leben.“ Kein leichter Job für die Imperialisten. Die Mitglieder, die sich einen solchen Besuch zutrauen, werden selbstverständlich sensibilisiert.

Lord Vader bei der DKMS

Was hätte es für ein Bild ergeben, wenn die rund 85 Mitglieder aus Baden-Württemberg sich in Münsingen tummeln würden, um für die Typisierungsaktion des elfjährigen Lukas zu werben? Wenn Lord Vader den Passanten Infomaterial über die Typisierungsaktion in die Hand geben würde, könnte wohl kaum jemand Nein sagen.

Info Ob gut oder böse: Die Registrierungsaktion für den elfjährigen Münsinger findet am morgigen Sonntag in der Alenberghalle statt. Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann Lukas und auch anderen helfen, indem er sich am 22. Juli von 13 bis 18 Uhr in die DKMS-Datei aufnehmen lässt.

Imperiale Grüße der 501. German Garrison

Der Star-Wars-Fanclub, der sich der dunklen Seite der Macht verschworen hat, ist deutschlandweit aktiv.
Wer die imperiale Unterstützung braucht, kann sich über das Kontaktformular der Internetseite www.501st.de informieren. Eine enge Zusammenarbeit gibt es zwischen der German Garrison und der DKMS. Daher sind die bösen Jungs und Mädchen für die gute Sache unterwegs.

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