„Da haben wir uns schon Gedanken gemacht. Nichts Konkretes, war nur vom Hörensagen, aber erst im Nachhinein. Da sind wir schon hergezogen und haben was gekauft. Dass hier früher Müll entsorgt worden ist, ja, so wie eine Müllhalde.“

Mit diesen Worten beginnt ein Radiobeitrag, der heute um 18.40 Uhr im Deutschlandfunk ausgestrahlt wird. Er handelt von jahrzehntealten Mülldeponien, von denen heute niemand mehr so ganz genau weiß, was damals entsorgt wurde. War es Hausmüll, waren es Industrieabfälle?

Die Autorin, Uschi Götz, stammt aus dem Ermstal, weswegen einer ihrer Rechercheschwerpunkte auf zwei Müllhalden liegt, die in Dettingen das Wohngebiet Buchhalde flankieren. Ihre Schilderungen sind durchaus drastisch, „aber ich möchte keine Panik verursachen“, sagt sie gegenüber unserer Zeitung.

Sie zitiert beispielsweise Professor Martin Kranert. Er ist Direktor am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft an der Universität Stuttgart. „Viele dieser Kippen sind später in ordnungsgemäße Deponien umgewandelt worden“, erklärt er. Andere habe man damals aber auch einfach abgedeckt.

In dem Bericht kommt auch der Dettinger Albrecht Arnold, Jahrgang 1944, zu Wort. „Früher sprach man im Ort von Auffüllplätzen“, wird er zitiert. „Und von diesen gab es einige in Dettingen. Was in den Haushalten und Betrieben der Gegend nicht mehr gebraucht wurde, landete unsortiert auf der Müllhalde“, sagt er.

Mehr als 9000 Menschen wohnen in Dettingen. Etwa ein Viertel der Dettinger lebt in der Buchhalde, die in den 1960er Jahren zwischen den beiden Müllhalden entstanden ist:  Auf der einen Seite die Mülldeponie Wachtertal, auf der anderen Seite eine Müllkippe, die von den Einheimischen „Kuhfriedhof“ genannt wird. Die Deponie Wachtertal liegt genau gegenüber dem Wohngebiet. Auf etwa elf Hektar wurden rund 850 000 Kubikmeter Industrie- und Hausmüll vergraben.

Thomas Leichtle ist Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallverwertung Reutlingen/Tübingen. In dem Radiobericht sagt er: „Das Sickerwasser vom Wachtertal wird zwei Mal im Jahr nach Schadstoffen untersucht. Demnach geht die Verschmutzung langsam zurück. Es falle auf, dass sich die Kurve langsam abflacht.“ Dennoch könne das Sickerwasser nicht in einen Bach geleitet werden: „Da brauchen wir bestimmt noch lange Jahre, da gebe ich keine Prognose ab“, so Leichte. Mittlerweile ist die Deponie Wachtertal mit Bäumen zugewachsen. Wer denkt hier heute noch an Müll, womöglich an Industriemüll?

Im Winter fahren Kinder mit Schlitten den Berg hinunter, im Sommer wird an der Kühsteige im Grünen gegrillt, gleich daneben toben Kinder auf einem Spielplatz. „Dass unter der Freizeitanlage etwa 100 000 Kubikmeter mehr oder weniger verrotteter Müll liegen, wissen die Wenigsten. Denn bis 1975 wurden hier nicht nur verendete Tiere verscharrt. Auch aufgeschäumtes Zeug in einer übel riechende Brühe, habe sich in der Grube gesammelt“, heißt es in dem Bericht.

Kann Bürgermeister Michael Hillert Licht ins Dunkel bringen? Was in dieser Deponie lagere, ergebe sich aus der Untersuchung von vor zehn Jahren: „Das war Hausmüll, Bauschutt. Man hat damals eigentlich alles in diese Deponie hineingeworfen. Bezüglich der Gefährdung von Sickerwasser oder von Oberflächenwasser wurde aber eine Detailuntersuchung angeordnet. Die kam dann im Jahr 2012. Es wurde kein weiterer Handlungsbedarf festgestellt.“

Laut Untersuchungsbericht besteht keine Gefährdung. Stefan Haderlein, Professor für Umweltmineralogie und Umweltchemie an der Universität Tübingen, ist dennoch kritisch: „Wenn es sich um einen Standort oder Ablagerung handelt, bei der man befürchten muss, dass ein großes Stoffspektrum auch von verschiedenen chemischen Betrieben dort abgelagert wurde, dann ist die Untersuchung zu eng.“

Bürgermeister Hillert gibt indes Entwarnung: „Die Grundwasserschöpfungen liegen abgewandt von beiden Deponien.“ Haderlein kontert: „Auch Spurenstoffe könnten mit dem Sickerwasser ins Trinkwasser gelangen. Bei den routinemäßigen Untersuchungen werde das mögliche Spektrum allerdings nicht erfasst.“ Mehr dazu gibt es heute, Donnerstag, 11. April, im Deutschlandfunk ab 18.40 Uhr.

Die Last mit der Altlast

Den vollständigen Beitrag aus dem Deutschlandfunk-Themenschwerpunkt „Giftmüll“ sowie weitere Infos zur Reihe gibt es unter „deutschlandfunk.de/giftmuell“. Die Radiosendung wird heute, Donnerstag, um 18.40 Uhr ausgestrahlt.