Metzingen / ANNE LEIPOLD  Uhr
Abwechslungsreicher Unterricht, gute Laune und hohes Niveau: Daniela Rommel ist nicht nur für ihre Schüler die beste Chemielehrerin. Am Montag wurde sie in Berlin mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet.

Was für viele ein Graus während der Schulzeit ist, packten die Schüler am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium: Der Chemieunterricht von Daniela Rommel löste geradezu ein Fieber aus. Nahezu die Hälfte des Abijahrgangs 2014 belegte ihren vierstündigen Kurs – drei Neigungskurse mit 60 Schülern. Und 50 davon schrieben in Chemie gar ihr Abitur. Da stellt sich die Frage: Wie macht sie das nur?

Die Antwort lieferte am Montag Annika Schneider, Abijahrgang 2014, in Berlin bei der Verleihung des Deutschen Lehrerpreises in einem Satz: „Motivation, positive Ausstrahlung, Fairness, Kompetenz, nachhaltige Wissensvermittlung und eine offene fröhliche Art – all das und noch mehr zeichnet Frau Daniela Rommel aus.“ Ähnliches steht auf dem Abschiedsgeschenk ihrer Schüler, dass sie auf dem Abiball überreicht bekam: Ein großes Bild, auf dem sich jeder Abiturient mit seinem Lob an die Lehrerin verewigt hat: lustiger, lehrreicher Unterricht, faire Noten, Motivationsbombe, Vertrauensperson steht da etwa. „Das war für mich schon das eigentliche Geschenk“, erzählt Rommel. „Es wird für mich einzigartig bleiben“.

Doch bei diesem Geschenk blieb es nicht: Ihre Schüler haben Daniela Rommel für den Deutschen Lehrerpreis vorgeschlagen. Als ihr die Schüler das eine Woche vor dem Abiball erzählten, freute sie sich riesig. „Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass ich da ausgezeichnet werde“, sagt Rommel. Seit 2002 ist sie am Dietrich-Bonhoeffer Gymnasium. Erst als Referendarin, dann wurde sie 2003 direkt als Lehrerin übernommen. Sie unterrichtet neben Chemie noch Mathematik und Sport, ist Ausbildungslehrerin und seit einem Jahr Ansprechpartnerin für chronisch-kranke Schüler.

Vor ein paar Wochen dann, kurz vor den Herbstferien, erhielt sie Post. „Das war einfach ein Brief in meinem Fach, der vom Philologenverband kam“, erzählt sie. Zunächst habe sie sich dabei nichts gedacht. Aber nachdem sie die ersten drei Zeilen gelesen hat, „war ich erstmal fassungslos“. Für ihr „herausragendes pädagogisches Engagement“ erhält sie den Deutschen Lehrerpreis in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“.

Das Motivationsschreiben ihrer Schüler ist denn auch ein flammendes Plädoyer, in dem sie die individuelle Förderung durch die Lehrerin loben, ihre konstruktive Kritik und Fairness, den hohen Qualitätsstandard der Unterrichtsstunden. Sie schreiben: „Wir kamen gerne in ihren Unterricht, weil sie durch Schülerexperimente, kleine explosive Vorführungen und ihre aufgeschlossene, fröhliche Art immer für einen Höhepunkt im Schulalltag sorgen konnte.“

„Ich bin sehr gerne Lehrerin, das macht mir unheimlich Spaß und ich denke, das merken die Schüler“, sagt Rommel. Zu diesen hat sie ein gutes Verhältnis, weil „ich sie ernst nehme, auf sie eingehe und zeige, dass das Fach auch Spaß macht“. Zwei Klassen hatte sie seit der siebten in Chemie, in jedem Schuljahr kam eine weitere Klasse dazu, mit der Poolstunde in Stufe zehn „habe ich auch die letzten gehabt, ich hatte alle des Jahrgangs irgendwann im Unterricht“. Viele der Schüler hatte sie sechs Jahre lang, bis zum Abitur. „Da hat sich dann auch einfach ein tolles Verhältnis entwickelt“.

Von der Verleihung in Berlin war sie erschöpft, aber glücklich. Ihre Eltern und zwei ehemalige Schülerinnen haben sie begleitet. „Es war überwältigend“, erzählt sie. „Es war wahnsinnig viel, was auf einen einstürmt“. Fototermine, Interviews, Katja Riemann, die in „Fack ju Göhte“ die Rektorin Gudrun Gerster spielte, hielt eine Laudatio, die Rommel beeindruckte, da sie vieles im Kern getroffen habe und schließlich die Preisverleihung mit Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung und stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen. „Für mich ist das wirklich schon Motivation pur, das bestärkt mich in meiner Arbeit“, sagt Rommel.