Kohlberg Der Weichensteller unterm Jusi

Der ehemalige Bürgermeister Rolf Winkler mit seinem Anekdotenband.
Der ehemalige Bürgermeister Rolf Winkler mit seinem Anekdotenband. © Foto: Leister Nobert
Kohlberg / Peter Swoboda 21.03.2018

Mit harter Arbeit und klugen Entscheidungen führte Rolf Winkler einst die Gemeinde Kohlberg in schwieriger Zeit in die Zukunft. 36 Jahre lang, von 1957 bis 1993 war Rolf Winkler Bürgermeister unterm Jusi, am Sonntag ist er im Alter von 86 Jahren verstorben.

Während seiner Amtszeit war er auch noch Vorsitzender des Wasserversorgungsverbands Jusigruppe. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde Kohlberg ernannt.

Gerade mal 25 Jahre alt war Rolf Winkler, als er 1957 zum Bürgermeister gewählt wurde. Deutschland war zu dieser Zeit das Wirtschaftswunderland, doch in Kohlberg herrschte damals „bittere Armut“, wie er es gegenüber unserer Zeitung einmal nannte. Das bekam auch der junge Schultes selbst zu spüren. Verständlicherweise versuchte der damalige Gemeinderat das knappe Geld zusammenzuhalten und unnötige Ausgaben zu vermeiden.

Winklers Büro war spartanisch eingerichtet, Schreibtisch hatte er gar keinen, nur ein Stehpult. Die Schreibmaschine, die ihm zur Verfügung stand, stammte wohl, wie er vermutete, noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Jedenfalls war das Schreiben auf ihr mühsam, da sich die Typen ineinander verhakten und meistens gar nicht zurückkamen.

Anlässlich der Vorstellung seines Anekdotenbuchs vor drei Jahren erzählte Rolf Winkler, dass er sich schließlich durchgerungen hatte, im Gemeinderat eine neue Schreibmaschine zu beantragen. Doch mit seinem Ansinnen ist der junge Bürgermeister im Gremium auf Unverständnis gestoßen. Also beschied man ihm, die alte Schreibmaschine „duads doch no“. In fünf Jahren könne er vielleicht nochmals vorstellig werden.

Diese und andere kleine Geschichten und Begebenheiten hat der Ex-Schultes damals zusammengetragen und in einem Buch versammelt. Es handelt sich um Anekdoten zum Staunen, Schmunzeln, Lachen. Diese Geschichten künden freilich auch von den schwierigen Lebensverhältnissen, die in Kohlberg herrschten. Stundenlang konnte er von den Begebenheiten und den Vorkommnissen aus dieser Zeit erzählen.

Kohlbergs Bürgermeister Rainer Taigel bezeichnet seinen Vor-, Vor-, Vorgänger als „stets gewissenhaft, geradlinig und zuverlässig“, er habe sich immer für seine Wahlheimat Kohlberg eingesetzt. „Mit Weitblick, Sachverstand und Durchsetzungsvermögen“, so Bürgermeister Taigel, „hat er in den wirtschaftlich schwierigen Anfangsjahren seiner Amtszeit als junger Bürgermeister richtungsweisende Entscheidungen vorangetrieben.“

Dass Rolf Winkler mit seiner Politik richtig lag und dass sie bei den Bürgern von Kohlberg ankam, zeigte sich bei seinen Wiederwahlen, wo ihm die Kohlberger ihr Vertrauen aussprachen. So hat er seine Spuren in der Jusigemeinde hinterlassen und die Weichen Kohlbergs für die Zukunft gestellt.

In die Amtszeit Winklers fielen somit neben vielen anderen Dingen wichtige Vorhaben wie Kindergartenbau, Schulerweiterung, Rathausneubau, der Bau der Aussegnungshalle, der Bau der Jusihalle sowie die Erschließung etlicher Baugebiete. „Dem eisernen und unbeugsamen Willen von Bürgermeister Winkler“, beton Rainer Taigel, „ist auch der Erhalt der Selbstständigkeit von Kohlberg zu verdanken.“

Rolf Winkler betätigte sich auch noch als Heimatforscher und Verfasser von Gedichten. Viele Forschungsergebnisse fanden Einzug in das Kohlberger Heimatbuch. Davon profitiert die Gemeinde bis heute wie auch von einigen von ihm herausgegebenen Büchern, Gedichtbänden und Aufsätzen.

Neben vielen anderen Eigenschaften hat ihn auch sein Humor ausgezeichnet. „Wenn er“, so Rainer Taigel weiter, „über sein geliebtes Kohlberg sprach, haben seine Augen geglänzt, und man hat die Leidenschaft gespürt.“

Übrigens hat die beiden Kohlberger Bürgermeister etwas verbunden: Rolf Winkler ist in Honau, Rainer Taigel in Unterhausen aufgewachsen. Sie waren, wie Rolf Winkler es immer nannte, beide „Echaztalbuben“.

36

Jahre lang lenkte Rolf Winkler die Geschicke der Gemeinde Kohlberg, von 1957 bis 1993. In dieser Zeit mussten wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Ortes getroffen werden.