Die Woche Peter Kiedaisch über den Stand der Bäderdiskussion Der Sinn der Wörter

Metzingen / Von Peter Kiedaisch 21.07.2018

Die Sprecherin des Jugendgemeinderats hat dieser Tage, auf die Metzinger Bäderdiskussion angesprochen, etwas Erstaunliches gesagt: „Das ist einfach nur schade, was da passiert. Das ist ja auch unser Bad.“ In ihrem Wunsch-Studiengang, so sie einen Platz an einer juristischen Fakultät ergattert, wird die 18-jährige Abiturientin Nastassia Schotter schon bald lernen, woraus Sätze hauptsächlich bestehen: Aus Wörtern. Zwar ergeben sie nur im Zusammenspiel einen tieferen Sinn, aber in diesem zweiten Satz, „Das ist ja auch unser Bad“, schlummert Analyse-Potenzial. Der wichtigste Satzbaustein ist „unser“. Er schafft eine Anspruchshaltung  und grenzt andere aus. Dem voraus eilt aber das „auch“. Dieses Wörtchen relativiert den ganzen Satz und signalisiert zugleich die Bereitschaft zum Teilen. Vielleicht gleitet deswegen die Zukunft der Metzinger Bäder in eine emotional so Wellen schlagende und Gischt schäumende Diskussion hinein. Weil beim Gerangel um die beste Lösung zwischen „unser“ und „euer“ entschieden wird. Da hilft das Wörtchen „auch“ nicht unbedingt weiter, denn Kompromisse sind nicht möglich. Unvereinbar stehen sich die beiden Ideen gegenüber. Ein neues Kombibad hier, der Erhalt der beiden alten Bäder dort. Beides geht nicht. Das wird in den kommenden Monaten zu viel Kritik führen. An denen, die das Bürgerbegehren auf den Weg gebracht haben, an denen, die das kritisierten. An der Stadtverwaltung und deren Modell der Bürgerbeteiligung, am Gemeinderat, der das beschlossen hat. Das ist ein herrlicher Luxus, und jeder, der derzeit mit Spott und Häme beworfen wird, sollte sich darin wohlig ausstrecken wie in einem weichen Himmelbett. Es gibt nämlich Länder, in denen werden demokratisch legitimierte Diskussionen nur noch zum Schein geführt, wenn überhaupt. Und es gibt Kommunen, die machen ihre Bäder dicht, ohne dafür ein neues zu bauen. Das Schöne an dieser Debatte ist, dass ja alle recht haben. Die Jungen und die Alten. Ein jeder auf seine Weise.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel