Metzingen Der Reiz des Schwäbischen

© Foto: Wieland Lehmann
Metzingen / WIELAND LEHMANN 18.11.2014
An diesem Abend hätte man sich mehr Publikum gewünscht, denn was geboten wurde, war nicht nur kalendarische Traditionsbewahrung, sondern mundartlich-humoristischer Blick ins schwäbische Befinden.

Die Biertische in der Festkelter waren herbstlich geschmückt, die Mitglieder des Schwäbischen Albvereins standen mit ihren grünen Schürzen zur Bedienung bereit.

Eingeladen war zur Vorstellung des Schwäbischen Heimatkalenders 2015 und zum Mundartfestival. Da hätte man sich wahrlich ein volles Haus gewünscht, doch der Besuch von Gästen hielt sich in bescheidenen Grenzen. Dabei bot das Programm sowohl Informatives als auch Humoristisches. „Kennen Sie noch meine Stimme?“ Wolfgang Walker konnte Zustimmung vermerken, war er doch durch die Rundfunksendung „Um Antwort wird gebeten“ bekannt. 40 Jahre war er beim SDR, der dann zum SWR wurde, tätig. Seit seinem Ruhestand gibt er den Schwäbischen Heimatkalender heraus. Heimatkalender waren einst nicht nur wegen des Kalendariums beliebt, sie waren zugleich Lesestoff für die Familie. Bei allen modernen Medien, der Heimatkalender hat seine Beliebtheit nicht verloren. Für das nächste Jahr erscheint bereits der 126. Jahrgang des Schwäbischen Heimatkalenders. Was darin zu lesen sein wird, darüber informierte der Herausgeber.

Dem „Limburger Land“ ist diesmal die landschaftliche Schönheit zugedacht. Man kann den schwäbischen Wanderzeichen folgen, sich mit der „Himmelsziege“ bekannt machen, wie der Grünspecht, Vogel dieses Jahres, auch genannt wird wegen seiner Rufe, die an meckerndes Lachen erinnern. Eine Eselstour kann zurück zur Langsamkeit führen, Prominente fehlen nicht, wie diesmal Fräulein Wommy Wonder, wie sich der Kabarett- und Travestiestar Michael Panzer nennt, und mit der Vorstellung eines Mehrgenerationenhauses sind auch wieder soziale Themen angesprochen. Natürlich fehlt auch ein Firmenportrait nicht, so mancher kann sich an die rote Spaick-Seife erinnern, wobei es nun die Naturkosmetik ist, mit der diese Firma aus Leinfelden bekannt ist. An diesem Abend konnte man auch ein von Wolfgang Walker signiertes Exemplar erwerben.

Dr. Wolfgang Wulz ist Buchautor und Vorsitzender des Vereins „schwäbische mund. art“. Er engagiert sich für die Bewahrung des schwäbischen Dialekts, hat mit dem Projekt „Mundart in der Schule“ auch junge Menschen erreicht. Zugleich schreibt er auch selbst humoristische Mundartgeschichten. Mit Sebastian Blaus „Gesangverein“ gab er den Auftakt für das Mundartfestival an diesem Abend. Das nahm sofort Reinhold Hittinger mit seinem Lied auf. Er ist einer der „Aurezwicker“, des Duos, das mit seinen Liedern, Chansons und Mundartkabarett für schwäbischen Humor steht. Eberhard Pfitzer fehlte wegen Erkrankung, so war nur einer der „Zwicker“ zu diesem Abend gekommen. Und der zwickte gar tüchtig. Schwaben seien anders als die anderen, stellte er fest. Und was er erzählend und gesanglich bot, ließ so recht das schwäbische Gemüt aufleben. Eines ist sicher, die Texte im Hochdeutschen wären nur halb so amüsant. Und wenn der Abschiedsbrief der Geliebten dann noch als Rettung für die Verdauung von Most und Zwiebelkuchen herhalten muss, dann ist die Brücke zur Selbstironie geschlagen. Ja, „wenn i Geld hätt“, dachte sich das Publikum und sang sein Lied mit.

Wulz ist bekennender „Knöpfleswäscher“. Dass eine Frau ihrem Mann die Knödel bringt, die sie, ob eines Stolperers im Fluss, gewaschen hat, bringt die schwäbische Sparsamkeit ins Bewusstsein. In sparsamen Geschichten, die es humoristisch in sich haben, offenbart der Autor seine Liebe zum Schwäbischen. Und es fehlt auch nicht der Stolz aufs Schaffen, auf die Präzision, die Hittinger mit dem Muggaseggele, der kleinsten Maßeinheit, besingt.

Der Abend war äußerst vergnüglich, sodass das Publikum von allen Akteuren Zugaben herausforderte. Man hätte sich gewünscht, dass mehr gekommen wären, um den schwäbischen Humor zu genießen, sich der Kraft der Mundart in der Bewältigung alltäglichen Lebens bewusst zu werden.

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