Metzingen Der Müll am Straßenrand

© Foto: Angela Steidle
Metzingen / ANGELA STEIDLE 15.03.2015
Meterweise Plastikfolien, Wodkaflaschen, Fahrräder und Eternitplatten in der Erms, wilde Mülldeponien und eine illegale Hauseinleitung. Die 500 Feger beim Metzinger Markungsputz brachten alles ans Licht.

Die letzten Feuerwerkskörper, Stacheldraht, Kabelrollen- und Binder, stapelweise Werbeprospekte, ein Tonnen-Deckel, Noppenfolie, Gartenstühle, ein altes Nachtkästchen und verramschter Teppich, aber erstaunlicherweise nur ein einziges Mc Donalds-Teil, zählen Umweltberater Wolfgang Zimmermann und Kollege Konrad Berger vom Stadtbauamt auf. Was beim Markungsputz heuer auffiel: die Flachmänner an den üblichen Treffpunkten sind massenweise Wodka- und Whiskyflaschen gewichen. Selbst Müllsammler Ulrich Fiedler fiel auf: Die Hundehalter packen die anfallenden Häufchen zwar schick in Tüten. Die liegen dann aber reihenweise am Wegrand. Auch das ist ein Grund, weshalb den freiwilligen Helfern am frühen Samstagmorgen beim Rathaus zusätzlich zu Müll-Krallen und -Säcken auch Handschuhe verpasst wurden: „Man will nicht alles in der Hand haben“, so Fiedler.

Mehr als 500 freiwillige Helfer beteiligten sich beim Markungsputz in Metzingen, Neuhausen und Glems und haben wieder tonnenweise Material eingesammelt. „Eine konstant hohe Zahl“, so Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, der sich über die andauernde Bereitschaft sichtlich freute. Zu den 30 Vereinen und Verbänden, die ihre Claims seit Jahren abgesteckt haben und dort direkt angreifen, kamen freiwillige Helfer von der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat, Privatpersonen und eine Gruppe Flüchtlinge vom Arbeitskreis Asyl, die an den Gleisen hinter Rewe arbeiteten.

Ein paar Minuten Pause bei einer ofenfrischen Brezel dürfen sein. Die bunte Truppe ist ohne Frühstück aus der Koje gepurzelt. „Da sind ein paar richtige Perlen drunter“, meint Harro Siegmund vom Arbeitskreis Asyl.

Der Kurde Dilomay etwa träumt nach seiner Duldung davon, hier in Baden-Württemberg Kunst zu studieren. Ein anderer war zu Hause in Syrien Vertriebsleiter bei einem großen Deutschen Autokonzern und ackert sich grade behördenkorrekt durch sämtliche Deutschkurse. Froh über Gesellschaft und Anschluss sind sie alle, auch beim after-work-Hock am Forsthaus. Vielleicht weiß ja einer etwas von einer Wohnung. Ein Stück Normalität täte gut.

Dass die Metzinger Gewerbeschule mehrmals im Jahr das eigene Areal und an der Straße entlang bis zum Einkaufsmarkt putzt, hat sich längst eingebürgert. Die Schüler der Seyboldschule haben im Rahmen einer Bachpatenschaft die Pflege und Säuberung des Spahlenbachs an der Naht zu Neuhausen übernommen.

Auch die Räumbezirke in Metzingen haben sich bewährt: an Hauptverkehrsadern, Fahrradwegen und Treffpunkten, in den Weinbergen, am Florian, am Hofbühl und entlang der Erms. Zwei neuralgische Punkte für die zunehmende Zahl von wilden Mülllegen liegen im Wald entlang der Straße nach Eningen und Richtung Rommelsbach. Dort ist so ziemlich alles zu finden: vom alten Koffer über Sperrmüll, frisches Grüngut, Hausmüll und zunehmend Plastikfolien von Brennholzabdeckungen. Eine völlig unnötige Geschichte und zudem verboten, meint Revierleiter Ulrich Notz: „Im Wald brauchen wir kein dauerhaftes Holzlager. Wir werden uns verstärkt darum kümmern.“ Um die größeren Sauereien bemüht sich der Bauhof, auch unterm Jahr nach Hinweisen.

Die Stadt verfolgt mit der 45. Markungsputzete in Folge ein weiteres Ziel: die Bürger für das Thema Abfall und Recycling zu sensibilisieren. Elektro- und Elektronikgeräte sowie Alteisen können seit vielen Jahren beim Wertstoffhof in der Ziegeleistraße kostenlos abgegeben werden.

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