Melchingen / JÜRGEN SPIESS  Uhr
Der Homo Schwabensis und sei Heiligs Blechle: "Rennfahrer Bieberle - Schwaben im Crashtest" entführt in den Strudel der schwäbischen Weltgeschichte.

Das fängt ja gut an. Im Stil eines Talkmasters startet Gerd Plankenhorn sein Programm mit einem Quiz und befragt das Publikum über den 1905 geborenen Erwin Biber, der zwischen 1925 und 1928 als viermaliger Gewinner des Erolzheimer Radrennens "Rund um das Ärazhoimer Schloss" in die Geschichte einging.

Zumindest die Besucher, die im Schwabenland aufgewachsen sind, haben von dem legendären Rad-Rennfahrer aus der Nähe von Biberach schon gehört, aber die wenigsten wissen, was für ein Typ dieser Biber war. Gerd Plankenhorn schlägt nun in seinem kabarettistischen Soloprogramm (da heißt Biber "Bieberle" mit langem "i") einen weiten Bogen - vom Erolzheimer Radrennen über die Verbreitung des Schwabentums bis zur Entdeckung Amerikas, die, wer hätte es gedacht, natürlich auch von Schwaben ausging.

Dazwischen macht Plankenhorn verschiedene Rennwagen- und Motorradgeräusche nach, singt mit tiefer Stimme und macht Musik auf einer Nasengitarre, die eher einem Playback-Keyboard gleicht. Mit diebischem Grinsen im Gesicht verwandelt er sich mal in den betrunkenen Weinverköster Peter Viersteiner, in einen verwirrten Schwabenforscher oder auch in den Wiedergänger Rennfahrer Bieberle, dessen Original Biber 1929 nach einem schweren Sturz und komplizierten Beinbrüchen keine Radrennen mehr fahren konnte. Allein Besucher, die kein offenes Ohr für den eigenwilligen Witz des schwäbischen Idioms mitbringen, habens in den nächsten anderthalb Stunden nicht leicht. Es folgt eine Ansammlung von Geschichten, die sich darum drehen, wie das Weltgeschehen vom Ländle geprägt und beeinflusst wurde. Dabei macht der in Tübingen geborene Schauspieler weder vor dem Publikum halt, noch scheut er davor zurück, sich in völlig abgedrehte Figuren zu verwandeln. Er macht sich laut Gedanken über den Homo sapiens Schwabensis, "der vor 40 000 Jahren aus Afrika eingereist ist und den Neandertaler verdrängte". Er erinnert sich aber auch an seine schwäbisch geprägte Kindheit in den 70ern, "als man sich nur sonntags anschnallte, um den Gurt zu schonen". Sein Thema: "der mobile Mensch im Ländle". Er weist nach, "dass Bieberle in uns allen steckt" und dass wir Schwaben nicht nur das Rad und Kredite erfunden haben, sondern auch entscheidend am Bau des Turms von Babel und der Pyramiden beteiligt waren.

Das Ganze garniert er mit musikalischen Einlagen auf einer ebenfalls von Schwaben erfundenen Nasengitarre und mit seinem "mobilisierten Bieberle-Tanz", angesiedelt zwischen Michael Jacksons "Moondance" und dem "Hafer- und Bananenblues" der schwäbischen TV-Figuren Äffle und Pferdle.

So gewollt dilettantisch Plankenhorns Musik ist, so frech und dem schwäbischen Nationalstolz verhaftet sind seine Texte. Witzig sind die Sprüche, Geschichten und Gedanken gerade dann, wenn sie satirisch völlig überhöht werden und Plankenhorn sich in grotesker Schwabenkomik verliert. Herrlich etwa die lautmalerisch nachgespielte Anekdote über seine Oma, die die Rollläden in Hochgeschwindigkeit herunter lassen konnte oder seine Versuche, sich in einen "perfekten Bieberle" zu verwandeln.

Plankenhorn bewegt sich mit seinem grotesken Crashtest für Schwaben zwischen Dada und Brauchtum, zwischen rasanten Kalauern, absurder Gedankenakrobatik und satirisch überhöhtem Schwaben-Pathos. Dafür gibt es großen Beifall.