Riederich Der letzte seiner Art

Riederich / CHRISTINA HÖLZ 24.06.2016
Der Riedericher Einzelhändler Cuma Er kämpft um seine Existenz Er ist der letzte seiner Art. Der letzte Tante-Emma-Laden in Riederich: Die Rede ist vom Frischemarkt Mevlana. Inhaber Cuma Er kämpft um seine Existenz.

Wenn der Einzelhändler Cuma Er aus der Zeit vor den 2000er-Jahren erzählt, färbt sich seine Stimme heller: „Damals lief unser Geschäft noch bestens“, schwärmt er. „Heute kauft jeder im Discounter. Für die kleinen Läden ist kein Cent mehr übrig.“

Damals – das war vor mehr als 21 Jahren, als Cuma Er nach Riederich kam und in der Stuttgarter Straße seinen türkischen Frischemarkt eröffnete. Einen kleinen Laden, der zur arabischen Feinkost vor allem Obst, Gemüse und handfesten Döner Kebap im Programm hatte. Und das kam an in Riederich. Die Kunden schätzten die exotischen Spezialitäten, das neue Angebot. „Auch von außerhalb kamen die Leute“, erzählt der Händler.

Doch mittlerweile müssen Cuma Er und seine Frau Raziye immer mehr um die Existenz ihres kleinen Geschäftes kämpfen. Immer wieder haben wir auch in unserer Zeitung über die Mühen der beiden berichtet, den kleinen Lebensmittelladen über Wasser zu halten. Nun haben die jüngsten Bilanzen das Ehepaar wieder zum Handeln gezwungen: Vor kurzem hat Cuma Er seine Ladenfläche im so genannten Bananenbau in Riederich enorm verkleinert – von ehemals 160 auf jetzt nur noch 70 Quadratmeter.

Der Raum  war zu groß, die Ausgaben  drückten auf die Gewinnspanne im Frischemarkt. Und die sei ohnehin nicht besonders hoch, sagt der Einzelhändler. „Wir haben in den vergangenen Jahren einige Kunden verloren.“

Weshalb das so ist, weshalb immer wieder Krisen über den kleinen Lebensmittelladen hereinbrechen, hat für den Geschäftsmann mehrere Gründe. Der Siegeszug der Discounter und das veränderte Einkaufsverhalten der Gesellschaft sei nur einer davon. „Seit der Einführung des Euro wird viel mehr an Lebensmitteln gespart“, hat der Riedericher beobachtet.

Und dann hadert Cuma Er seit Jahren mit einem anderen Problem: Rund um seinen Markt an der viel befahrenen Stuttgarter Straße gibt es nur wenige Parkplätze – und die seien oft belegt. Kunden, die größere Besorgungen machen wollen, bleiben deswegen lieber weg und kaufen woanders, so der Händler.

Das bestätigt auch Nadja Gaspert, die gleich neben dem Riedericher Frischemarkt eine kleine Drogerie mit Schreibwarenangebot und Poststelle betreibt, und zwar am ehemaligen Schlecker-Standort. Dass ihre Kunden „lieber nach Metzingen weiterfahren“, weil sie an der Stuttgarter Straße keinen freien Parkplatz finden, bekommt auch sie öfters zu hören. Die Jung-Unternehmerin, wusste allerdings, auf was sie sich einlässt: „In meinem Mietvertrag war von Parkplätzen keine Rede.“ Dennoch freut sich Nadja Gaspert über steigende Umsätze, erzählt sie: „Es wird jeden Monat besser.“

Cuma Er indessen baut mittlerweile vor allem auf ältere Menschen, die zu Fuß unterwegs sind und den Service im Tante-Emma-Laden schätzen. Damit sie sich ohne Auto mit allem für den täglichen Bedarf versorgen können, hat die Familie schon vor Jahren sämtliche Grundnahrungsmittel ins Programm genommen. Neben Brot, Milch, Butter oder Fleischbrühe bekommen die Stammkunden noch ein paar nette Worte mit auf den Weg. Und auf Wunsch bringt Ihnen Raziye Er den Einkauf persönlich nach Hause.

Das große Sortiment bringt allerdings auch Nachteile mit sich. Das Bestellen der Waren sei umständlich und erfordert viel Zeit. Oft bleibt der Feinkosthändler dann doch auf seinem Angebot sitzen. Und wenn die Äpfel dann ein paar Tage liegen, stört das wiederum die Kunden, zumal der Türke eigentlich für sein frisches Angebot bekannt war.. „Das verstehe ich auch“, sagt Cuma Er. Aber wenigstens reduziert müsse er die Ware dann noch verkaufen.

Dennoch bleibt die Lage ernst für die türkische Familie. Der Sohn, der eigentlich im Geschäft mitarbeiten sollte, hat sich längst außerhalb einen Job gesucht. Die Familie Er hat einen Paket-Versand ins Haus genommen und bietet außerdem ein spezielles Überweisungsverfahren für Geld ins Ausland an. Und: Die in Riederich lebenden Asylbewerber freuen sich, dass sie sich bei der türkischen Familie mit arabischen Spezialitäten eindecken können.

„Das macht uns Hoffnung“, sagt Cuma Er. Denn er und seine Frau wollen weiter um ihren kleinen Laden kämpfen.

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