Metzingen / PETER KIEDAISCH  Uhr
Der Form halber muss der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung zustimmen, ehe die Stadt eine Spende annehmen darf. In der Regel ist dies eine einmütige Angelegenheit. Aber nicht immer.

Es sei im Sinne größtmöglicher Transparenz und diene zur Sicherung der Lauterkeit und Korrektheit der öffentlichen Verwaltung. Dass nämlich Spenden an eine Gemeinde in einer öffentlichen Ratssitzung vom Gremium genehmigt werden müssen. Das beschert öffentlichen Sitzungen seit der Änderung der Gemeindeordnung Anfang 2006 jene Tagesordnungspunkte von nahezu beschwingter Heiterkeit, indem der Vorsitzende, meist in Bürgermeister- oder Oberbürgermeisterwürden, der Reihe nach eine Spende aufruft, was fast gleichzeitiges Handheben der Ratsmitglieder zu Folge hat, sodass es schon fast nach Gymnastikstunde am Abend aussieht.

Am Donnerstag traf sie nun ein, die berühmte Ausnahme, die jeder Regel innewohnt. Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler rief die Spende der Familie Völter auf, die der Stadt fürs geplante Familienzentrum in der Pfleghofstraße 90 000 Euro überweisen möchte. Bei der Frage, "wer stimmt dem zu?" blieben indes die Hände von acht Ratsmitgliedern unten. Vier enthielten sich, vier stimmten dagegen. Dr. Holger Weiblen CDU) hatte zuvor kritisiert, die Stadt würde sich dadurch in eine Abhängigkeit begeben. Schließlich sei die Spende mit der Forderung verbunden, das Gebäude Pfleghofstraße 41 (es ist das älteste Haus der Stadt) zum Familienzentrum noch in diesem Jahr auszubauen. Nun könnte man es halten, wie Alt-OB Dieter Hauswirth, der gerne ein Bonmot bemühte, um das Beschenktwerden zu rühmen: "Ein Onkel, der etwas mitbringt", pflegte er zu sagen, "ist besser als eine Tante, die Klavier spielt." Zumal, um bei Völters zu bleiben, dieser Onkel schon mal einen ordentlichen Betrag fürs Familienzentrum überreicht hat, nämlich 130 000 Euro. Fördermittel aus dem Sanierungsprogramm wurden ebenfalls bereits bewilligt, doch eine Frage treibt die Kritiker um: Die laufenden Kosten. Denn auch ein spendenfinanziertes Gebäude will beheizt sein, braucht Strom und die Fürsorge des Hausmeisters. Aber auch ohne die fehlenden acht Hände: Die Spende hat eine Mehrheit gefunden.