Metzingen Der geheime Innenleben eines Tennisballs

Lea Simic, Benjamin Schenkl und Janine Militsch (von links) treten beim Wettbewerb „Jugend forscht“ in Donzdorf an.
Lea Simic, Benjamin Schenkl und Janine Militsch (von links) treten beim Wettbewerb „Jugend forscht“ in Donzdorf an. © Foto: Hartmut Holder
Metzingen / swp 15.02.2018

Wie man Tennisbälle sinnvoll wiederverwerten kann, haben sich Lea Simic, Benjamin Schenkl und Janine Militsch überlegt. Am 23. und 24. Februar treten die Metzinger Gymnasiasten beim Wettbewerb „Jugend forscht“ an.

 Kaum einer macht sich Gedanken darüber, was mit den gelben Filzbällen nach einem Turnier passiert. „Nach jedem Grand-Slam-Turnier werden mehr als 50 000 Tennisbälle entsorgt“, hat Janine Militsch recherchiert. Die 16 Jahre alte Gymnasiastin gehört zum Team um Chemielehrer Wolfgang Bohn, das sich beim Wettbewerb „Jugend forscht“ im Regionalwettbewerb am 23. und Februar in der Stadthalle in Donzdorf präsentiert. Zwei Jahre lang hat das Trio an seinem Projekt gearbeitet und dabei so manche Stunde investiert sowie etliche Tennisbälle in seine Einzelteile zerlegt.

 Dabei sind die Gymnasiasten auf durchaus interessante Fakten gestoßen. „Die Tennisbälle werden stofflich nicht wiederverwertet“, erklärt Benjamin Schenkl. Anstatt die Filzbälle einfach zu zerschreddern, überlegten sich die Gymnasiasten Wege, die Tennisbälle in ihre Komponenten Gummi, Baumwolle, Nylon und Farbstoff zu zerlegen. „Unser Ziel ist es, die Bälle einer sinnvollen Wiederverwertung zuzuführen“, fasst die 18 Jahre alte Lea Simic das außergewöhnliche Projekt zusammen. Dabei haben die drei festgestellt, dass sich durch Erwärmen der äußere Filz gut vom innen liegenden Gummi trennen lässt. Das geschredderte Gummi lässt sich beispielsweise im so genannten Flüsterasphalt verwenden. Der Filz wiederum enthält Nylon, Baumwolle, Celluloseacetat und Wolle. Außerdem ist er gelb gefärbt. Anfangs war das ein Problem. Aber in ihrer rund zweijährigen Forschungsarbeit außerhalb der regulären Schulzeit haben die Gymnasiasten herausgefunden, dass sich der gelbe Farbstoff relativ einfach in heißem Wasser löst.

Das Nylon im Filz wiederum kann durch Kochen in Ameisensäure gelöst und dadurch in Reinform gewonnen werden. Weitere Verfahren lassen die anderen Komponenten voneinander trennen.

Der Wettbewerb Jugend forscht

„Jugend forscht“ ist Deutschlands bekanntester Nachwuchswettbewerb. Ziel ist, Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, Talente zu finden und zu fördern. Pro Jahr gibt es bundesweit mehr als 110 Wettbewerbe. Teilnehmen können Jugendliche ab der 4. Klasse bis zum Alter von 21 Jahren. Wer mitmachen will, sucht sich selbst eine interessante Fragestellung für sein Forschungsprojekt. Die Sieger können sich auch über attraktive Preise freuen.

Der Wettbewerb versteht sich als Talentschmiede mit Modellcharakter. Reformansätze der aktuellen Bildungsdiskussion sind hier seit Langem gelebte Praxis. So bietet die Projektarbeit einen optimalen Rahmen, Schüler entsprechend ihrer Fähigkeiten individuell zu fördern. Durch kreatives, forschendes Lernen können sich die Jugendlichen schon frühzeitig mit dem Handwerkszeug des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut machen. „Jugend forscht“ ist ein gesellschaftlich breit verankertes Netzwerk, bei dem sich alle Beteiligten für ein gemeinsames Ziel engagieren: die Förderung junger Talente. Den Wettbewerb fördern unter anderem die Bundesregierung und die Kultusministerien. Die Bundesbildungsministerin ist Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Jugend forscht. Schirmherr des Wettbewerbs ist traditionell der Bundespräsident.

„Jugend forscht“ ist außerdem ein wirksames Instrument zur Nachwuchsförderung. Seit Gründung des Wettbewerbs haben sich mehr als 250 000 Jugendliche daran beteiligt. Neun von zehn erfolgreichen Teilnehmern studieren später ein Fach im so genannten MINT-Bereich. Viele sind anschließend auch als Wissenschaftler tätig.