Metzingen Bäderdialog geht in die zweite Runde

Die Bürgerbeteiligung in Sachen Bäderdiskussion geht in die zweite Runde.
Die Bürgerbeteiligung in Sachen Bäderdiskussion geht in die zweite Runde. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 11.07.2018

Der Bürgerdialog „Zukunft der Bäder“ ist beendet, jetzt folgt die Fortsetzung der breit angelegten Bürgerbeteiligung, sie nennt sich „Unser Bongert-Bad“ und soll am 23. Juli beginnen. Dass der Gemeinderat dieses Vorgehen heute absegnet, ist mehr als wahrscheinlich, schließlich geht diese zweite Phase der Bürgerbeteiligung auf den am 17. Mai vom Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit gefassten Beschluss zurück, ein Kombibad auf dem Bongertwasen bauen zu wollen. Zusätzlich hat der Gemeinderat damals der Stadtverwaltung den Auftrag erteilt, ein Konzept für die Fortsetzung des Bürgerdialogs zu erarbeiten. Kurz: Ging es im ersten Schritt hauptsächlich um den Standort, stehen jetzt inhaltliche Fragen im Vordergrund. Wie soll das Bad aussehen? Welche Ausstattung wird gewünscht?

Um darauf Antworten zu erhalten, wird die Stadtverwaltung bis Mitte Oktober Anregungen und Ideen sammeln.  So genannte Schlüsselakteure, also Schulen, Jugendgemeinderat, Schwimmverein oder DLRG werden befragt, welchen Bedarf sie haben. Zusätzlich dürfen Interessierte alles einreichen, was aus deren Sicht wünschenswert wäre. Bilder und Videos von beispielhaften Freibädern etwa, von deren Angeboten, Außenanlagen oder Freizeiteinrichtungen. Mit dieser Ideensammlung geht es dann analog zum Vorgehen bei der Erschließung des G&V-Areals in eine öffentliche Planungswerkstatt, zu der alle Metzinger eingeladen sind. Aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen werden Fachplaner erste Visualisierungen erstellen, sodass Ende Januar die zweite Planungswerkstatt an den Start gehen kann. Zu diesem Zeitpunkt gibt es bereits erste Konzepte, die mit Zahlen untermauert werden können. Auch Aussagen über die zu erwartenden Kosten werden möglich sein. An dieser zweiten Planungsrunde dürfen sich alle beteiligen, die auch beim ersten Treffen dabei waren. Die Schlüsselakteure dürfen jeweils zwei Vertreter entsenden. „Wir werden aber darauf achten, dass die Altersgruppen gleichmäßig vertreten sein werden“, sagt Finanzbürgermeisterin Carmen Haberstroh.

So richtig mit Lust und Laune ins Blaue hinein zu planen, wird freilich nicht möglich sein. Der Gemeinderat hat die Rahmenbedingungen bereits vorgegeben. Beispielsweise wird es kein Spaßbad geben, sondern ein familienorientiertes Sport- und Freizeitbad. „Was auch immer gewünscht wird, es muss diesem Anspruch gerecht werden“, sagt Carmen Haberstroh. Weitere Vorgaben: Die Anbindung muss über die Auchtertstraße erfolgen, das Bad muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können, für Radfahrer müssen Wege optimiert werden. Ganz wichtig: Die Finanzierung ist dauerhaft zu sichern. Dahinter verbirgt sich die einzige bislang verlässliche Zahl, der jährliche Zuschuss für Hallen- und Freibad. Denn mit den Eintrittspreisen können in den beiden Metzinger Bädern gerade mal 17 Prozent der Kosten gedeckt werden. Pro Jahr zahlt die Stadt eine Million Euro drauf. Ein zwei Jahre altes Gutachten des Ingenieurbüros Fritz aus Bad Urach hat den Zuschussbedarf beleuchtet. Demnach würde dieser um weitere 400 000 Euro steigen, würden beide Bäder erhalten und saniert. In zehn Jahren betrüge der zusätzliche Abmangel vier Millionen Euro. Das summiert sich. In 50 Jahren, so lange könnte ein neues Bad bestehen, wären das 20 Millionen Euro. Geld, das einfach so verschwindet, ohne den Gegenwert des Neuen zu bieten. Freilich steckt in solchen Zahlenspielereien ein gerüttelt Maß Unschärfe, das weiß auch Metzingens OB Dr. Ulrich Fiedler: „Es wäre unseriös, heute eine Aussage über den künftigen Abmangel eines Kombibads zu treffen.“

In anderer Hinsicht bietet das von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Verfahren indessen mehr Transparenz denn je. Planung und Bauausführung werden gleichzeitig ausgeschrieben, und nicht hintereinander, wie es in der Regel üblich ist. Dadurch lassen sich verschiedene Varianten exakt vergleichen, auch bezüglich ihrer Kosten.

Bereits im Frühjahr 2019 (März oder April) soll der Gemeinderat über die Ergebnisse des Bürgerdialogs entscheiden. „Das ist ein sportliches Ziel“, sagt OB Fiedler, aber gut zu begründen: Das Gremium hat sich in Arbeitsgruppen eingebracht und in 20 Terminen in die komplizierte Materie eingearbeitet. Es ist durchaus sinnvoll, jene entscheiden zu lassen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Im Mai aber sind Kommunalwahlen. Personelle Änderungen im Gemeinderat sind zumindest nicht unwahrscheinlich.

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