So markant sich die hübschen Backsteinsbauten im Dettinger Ortskern auch erheben – so lange zieht sich mittlerweile die Geschichte um den Umbau der früheren Eisenlohrschen Fabriken, heute nach dem letzten Besitzer kurz Uniplast-Areal genannt. Diese Woche sorgten die Vorgänge rund um das Gründerzeit-Ensemble wieder für leidlich Wirbel in der Ermsgemeinde, und das gleich zweifach.

Der Reihe nach. Schon Anfang der Woche sorgte eine verkehrsrechtliche Anordnung für Erstaunen bei den Anwohnern in der Dettinger Fabrikstraße. Rund um das Uniplast Areal ist derzeit teilweise abgesperrt, auf der Straße gilt Einbahnverkehr. Begründet hat die Verwaltung dieses Vorgehen mit dem Baubeginn auf dem Gelände. Das Uniplast-Areal soll, wie mehrfach berichtet, in einen Wohnpark umgestaltet werden. Angekündigt haben die neuen Eigentümer das schon lange. Als erstes Projekt wollen die Bauherren die Tiefgarage in Angriff nehmen, heißt es.

Wollen – passiert ist aber die ganze Woche nichts. Ein Anruf unsererseits bei Dettingens Ortsbaumeister Felix Schiffner schafft Klarheit: Zwar haben die Bauherren die Straßensperren angefordert – allerdings kann auf dem historischen Gelände momentan noch gar gebaut werden, weil die Kommune keine Baufreigabe erteilt hat: Der „rote Punkt“ fehlt, und zwar deshalb, weil die Bauherren noch einen Teil der Statik für die neue Tiefgarage vorlegen müssen, erläutert Felix Schiffner.

Geschieht das nicht bis zum 26. August, geht es in Sachen Umbau wieder ein Stück rückwärts: „Dann ziehen wir die momentane Verkehrsregelung zurück“, sagt der Ortsbaumeister, der sich diese Woche schon mit den Nachfragen kritischer Bürger konfrontiert sah.

Schließlich wird der Baubeginn auf dem Fabrikgelände in Dettingen schon lange erwartet – bereits im Januar 2018 hatten die Besitzer den Start angekündigt. Nun gibt’s zumindest eine kleine Deadline bis Endes des Monats seitens der Gemeinde. „Für die die ganze Sache kann die Verwaltung nichts“, betont der Ortsbaumeister. „Aber ohne die Prüfstatik keine Freigabe.“

Nicht nur im Rathaus sind nun alle Beteiligten gespannt, ob es endlich vorwärts geht mit dem neuen Wohnpark an der Erms. Bauherren und künftige Wohnungsbesitzer können sich diese Woche indessen über gute Nachrichten freuen: Wirtschaftsministerium und Regierungspräsidium haben laut Felix Schiffner angekündigt, den Umbau des Uniplast-Areals nach Kriterien des Denkmalschutzes zu fördern. Und das, obwohl des geschichtsträchtige Gelände in Zukunft definitiv nicht mehr als Denkmal gilt. Auch das steht jetzt fest, bestätigt Schiffner.

Schuld an dieser Entwicklung ist zum einen das Großfeuer, das vor drei Jahren auf dem Gelände wütete und vor allem das Dach des Langhauses zerstörte: „Da ging schon einiges an Bausubstanz verloren.“ Und zum anderen ließen sich die geplanten 68 Wohnungen nur schwer auf einem denkmalgeschützten Gelände verwirklichen.

Weitere finanzielle Förderung

Alles in einem: „Das Uniplast-Areal ist ein besonderer Fall“, sagt der Ortsbauamtschef. Das ist ein Grund, weswegen Bund und Land schließlich eine weitere Förderung zusagten.

Beide übernehmen 60 Prozent des Zuschussrahmens – für die restlichen 40 Prozent wäre die Kommune zuständig. Der Gemeinderat berät in seiner Septembersitzung, ob auch er das Projekt für förderfähig hält. Geplant ist eine Sanierungsvereinbarung, über deren Umsetzung die Verwaltung wachen möchte, erklärt Felix Schiffner. Ein Fachmann in Denkmalfragen soll den Umbau begleiten.

Wie berichtet, planen die Verantwortlichen 67 Wohnungen mit einer Größe zwischen 40 und 200 Quadratmeter. Die Planer wollen einen Großteil der Wohnungen im Langhaus sowie in der Shedhalle unterbringen. Vorgesehen ist ferner eine unterirdische Tiefgarage mit 44 Stellplätzen.

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Wohnungen sollen auf dem Dettinger Uniplast-Areal entstehen. Geplant sind an der Erms sämtliche Wohnformen vom Single-Appartement bis zum großen Penthouse.