Metzingen Das wohlorganisierte Chaos

Bei Temperaturen von 36°Celsius kommen die Kinder auf dem Gelände des Ferientagheim ganz auf ihre Kosten.
Bei Temperaturen von 36°Celsius kommen die Kinder auf dem Gelände des Ferientagheim ganz auf ihre Kosten. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Nicole Wieden 03.08.2018

Unbeweglich und drückend schwül steht die Luft über dem Ferientagheim am Bongertwasen. Der grüne Platz mit den Fußballtoren, dem Trampolin und dem Handballnetz liegt ausgestorben in der harten Mittagssonne. „Also wenn Sie die Kinder suchen, haben Sie die gerade verpasst“, ertönt es aus dem Büro. „Die sind im Wald unterwegs.“ Aus der Tür lehnt sich die 21-jährige Christa Springer heraus.

Sommergenuss für 350 Kinder

Die Theologiestudentin hat in diesem Jahr gemeinsam mit Matthias Keller die Leitung des Sommerferiencamps der evangelischen Kirchengemeinde Metzingen übernommen. Insgesamt sind in den kommenden vier Wochen über dreißig Mitarbeiter aktiv, dazu kommt noch das Küchenpersonal: „Ansonsten könnten wir das Ferienprogramm für so viele Kinder gar nicht stemmen“, sagt Springer. 350 Kinder haben sich im April dieses Jahres angemeldet, ungefähr fünfzig musste nach dem Losverfahren abgesagt werden, weil die Anzahl der Betreuer nicht ausgereicht hätte.

Damit die Organisation etwas einfacher abläuft, wurden die Kinder in 24 Gruppen eingeteilt, für die jeweils zwei bis drei Gruppenleiter zuständig sind. Im ersten Abschnitt, der seit dem 30. Juli läuft, können sich nun die ersten zwölf Gruppen zwei Wochen lang auf dem Gelände des Ferientagheim verlustieren. Am 13. August folgt dann der zweite Abschnitt. Der Tagesablauf folgt einem festgelegten Stundenplan und sieht Gruppenaktivitäten, eine Ruhestunde und individuelle Freizeit vor. Umrahmt wird das Programm von einem morgendlichen und abendlichen Gebet auf den Stufen zum Haupteingang. Wie die Fanfaren von Jericho ertönt es dann aus den Lautsprechern: „Die Kinder können tagsüber auf dem ganzen Gelände herum springen. Deshalb geben wir über die Lautsprecher mit Trompetenmusik Signale“, lacht Springer. „Die Kinder wissen dann schon Bescheid, wo sie hin müssen!“

Koordination und Freiraum

Ein bisschen Chaos, aber dafür gut koordiniert – das ist das Grundrezept für die Feriengestaltung. Zu den gemeinsamen Stunden für alle Gruppen gehören jeden Tag die Mahlzeiten. Außerdem geht es nach dem Frühstück mit einer biblischen Geschichte weiter: In diesem Jahr haben sich die Organisatoren für  Josef aus dem Alten Testament entschieden. Um den Kindern die Geschichte näher zu bringen, haben die Mitarbeiter ein Theaterstück einstudiert. Während der zwei Wochen wird es täglich als Fortsetzungsgeschichte stückweise vorgeführt. Im Anschluss haben die Kinder dann die Möglichkeit, darüber zu sprechen.

Auch vor dem Abendessen trifft man sich noch einmal, um gemeinsam zu singen; den restlichen Tag über beschäftigen sich die Kinder aber innerhalb ihrer jeweiligen Gruppe: „Für diese Stunden übernehmen dann die Gruppenleiter die Programmgestaltung. Die einen gehen zum Beispiel ins Freibad, andere legen eine Bastelstunde ein“, erklärt Springer. Eine Ausnahme und besonderes Highlight sei dagegen der Ausflugstag: „Heute unternehmen alle zwölf Gruppen etwas gemeinsam. Die sind jetzt im Wald mit einem Geländespiel beschäftigt.“

Abseits der Gruppenaktivitäten ist am späten Nachmittag Freizeit eingeplant. Dann verstreuen sich alle über das Gelände und vergnügen sich  – von Tischkickern über Wasserpistolen zu Fußbällen – mit allem, was der Laden so hergibt. Bis die Kinder also wieder zurückkehren, nutzt Christa Springer wohlweislich die Ruhe, um im Büro Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Außerdem muss noch das anschließende Grillfest vorbereitet werden: Dabei hilft ihr „Oberonkel“ Jens Kugel. Wie auch viele andere Mitarbeiter, war der 19-jährige früher selbst als Kind auf der Ferienfreizeit. „Als Oberonkel ist man das Mädchen für alles“, lacht er. „Ich hole zum Beispiel morgens die frischen Lebensmittel vom Metzger und Gemüsehändler. Was eben so gebraucht wird.“

Bis um 17.45 Uhr, wenn die Kinder nach Hause gehen, sind es noch fast sieben Stunden. Für Christa, Jens und die anderen Mitarbeiter bedeutet das etwas Ruhe, aber eben auch noch gemeinsames Aufräumen und die Vorbesprechung für den nächsten Tag. „Feierabend ist dann gegen halb acht, vielleicht auch acht“, meint Jens. Aber was tut man nicht alles, um den Nachwuchs bei Laune zu halten.

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