Die Füße auf den Pedalen, die Hand am Steuerknüppel, die Haube ist zu und Jana sitzt alleine im Segelflieger. Drei Mal muss sie starten und landen, dann hat sie es geschafft, dann darf sie künftig alleine fliegen, und das mit 14 Jahren. "Ich habe das am Anfang gar nicht so realisiert, dass hinten niemand sitzt, erst als ich aus der Winde draußen war", erzählt Jana. Immer wieder habe sie nach hinten geschaut, ob da wirklich keiner sei. "Ich wusste am Anfang nicht, wohin ich fliegen soll."

Während Jana über dem Hülbener Flugplatz ihren ersten Alleinflug absolvierte, standen am Boden ihre Eltern. "Jana stieg in den Segelflieger, machte die Haube zu und ich dachte, ok, ich kann jetzt gar nichts mehr sagen", erinnert sich Janas Mutter Martina Kostritza. "Sie kann es ja, musste ich mir sagen, ich glaub' der Fluglehrer und ich waren am aufgeregtesten, Janas Vater war da zuversichtlicher." Detlef Kostritza fliegt seit knapp fünf Jahren. "Seit er seinen Flugschein hat, fliegen wir mit", erzählt Janas Mutter. Da es ein Zweisitzer ist, knobeln sie und Jana aus, wer mitfliegen darf, "und meistens geh ich mit", sagt Jana mit einem Lachen. Seit einem Jahr ist die Familie in der Fliegergruppe Hülben Mitglied. Da ist Jana zum Segelfliegen gekommen. "Mein erster Flug war ein Kunstflug und es hat mir total gefallen", erzählt sie begeistert. Zwei bis drei Mal sei sie mitgeflogen. Sie durfte sogar einmal vorne sitzen und steuern, mit dem Piloten auf dem Rücksitz, der dort die gleichen Steuerfunktionen hat. "Es war schon ein anderes Gefühl vorne zu sitzen."

Kaum hatte die Saison im März also begonnen, entschloss sie sich, mit dem Flugtraining zu beginnen. Sie mag die Herausforderung des Segelfliegens: oben zu bleiben. Und sie findet es cooler in der Luft als im Wasser zu sein: "Man sieht die Welt, aber keine Details", sagt sie. "Es ist ein Stück Freiheit, und so von der Luft getragen zu werden, ist faszinierend", pflichtet Janas Mutter bei.

Am Anfang der Flugstunden saß Jana vorne, hatte die Hände und Füße an und auf den Steuergeräten, hielt das Ruder fest, gesteuert hat der Fluglehrer. "Man konnte sich dann reinfühlen", beschreibt es Jana, "und irgendwann bekommt man es alleine hin." Sie muss die Technik verstehen, die Instrumente lesen können. "Das Trainingslevel muss sehr hoch sein", erklärt Martina Kostritza. Nahezu jedes Wochenende war die Familie auf dem Flugplatz, Jana machte drei bis vier Starts am Tag. Außerdem ist sie während des Jugendlagers in der Pfingstzeit jeden Tag geflogen. Zuletzt durfte Jana den Segelflieger ohne Hilfe bedienen. Der Fluglehrer saß hinten drin und blieb stumm. "Das ist fast schlimmer, wenn der Fluglehrer sagt mach, ich sag nichts, man fliegt und bekommt kein Feedback", erzählt Jana.

Da sie zu Beginn des Trainings erst 13 Jahre alt war, musste sie sich bis zu ihrem Geburtstag Anfang Oktober gedulden, um endlich ganz alleine zu fliegen. Ab da musste sie nur noch auf gutes Wetter warten. Sich ihrer so sicher war sie zunächst nicht. Als das Wetter am 25. Oktober passte, war es mehr eine spontane Entscheidung. Zunächst musste sie in Begleitung mit abgeklebten Instrumenten, wie Höhen- und Geschwindigkeitsmesser, quasi blind durch die Luft steuern, außerdem wurde ein Seilriss simuliert. "Wenn du das hinbekommst, dann bist du so weit." Das hat sie. "Ich war in perfekter Höhe, mit perfekter Geschwindigkeit." Also hat Jana den Sicherheitscheck gemacht. "Das ist deine Lebensversicherung, du kannst nicht einfach rechts rausfahren, wenn was nicht stimmt", sagt Janas Mutter. Dann hob Jana ab. Drei Mal. "Man ist total konzentriert, bekommt gar nicht so viel mit", sagt sie.

Obwohl sie von den Flugschülern das einzige Mädchen, die Jüngste und die Erste ist, die in der Luft alleine war, hebt sie nicht ab. Für die Bodenhaftung bekam sie nach der dritten Landung von allen einen Klaps auf den Po. Dazu einen spontan gesammelten Blätterstrauß sowie die letzten Rosen aus dem Garten eines Fliegerkollegen, die dessen Frau in Windeseile auf den Flugplatz brachte. "Das ist eine Gemeinschaft", erklärt Martina Kostritza und ist voll des Lobes für die Fluglehrer und -kameraden. "Segelfliegen ist ein Teamsport, man braucht einen der schleppt, am Funk sitzt, die Flügel hebt, man kann auch den Flieger nicht alleine aufstellen", erklärt Jana. "Man ist die ganze Zeit auf jemanden angewiesen." Besonders stolz war Janas Fluglehrer Manuel Stokinger, erzählt ihre Mutter, denn Jana war die erste Flugschülerin, die er zum Alleinflug losgeschickt hat.

Jetzt muss sie bis März nächsten Jahres warten, um wieder in den Segelflieger zu sitzen. Ganz schön hart für sie, "weil man weiß, dass man jetzt alleine fliegen kann, es ist aber alles in der Halle und weggeräumt." Und: "Die Wochenenden waren immer ausgefüllt, ich weiß gar nicht, was ich machen soll." Zumindest aber hat sie schon Pläne für die kommende Saison. "Die LS4, da will ich hin", sagt Jana. "Das Jahresziel ist hoch angesetzt", weiß sie. " Aber ich will es versuchen, es hat ja auch niemand daran gedacht, dass ich dieses Jahr noch alleine fliege."