Über staubige Straßen sind die Metzinger Gymnasiasten bei Padre Salomão und seiner Frau Vanda am Rio Paraguay, im größten Süßwassersumpfgebiet der Welt, dem Pantanal, angekommen. Auf seinem Grundstück hat Padre Salomão eine Mischung aus Gemeindezentrum und einer Tagungsstätte aufgebaut.

Am nächsten Morgen wurde die Gruppe von Brüllaffen geweckt, die in den Bäumen am anderen Flussufer saßen. An diesem Tag ging es darum, zu verstehen, wie das labile Ökosystem des Pantanals funktioniert und wodurch es bedroht ist, etwa von Monokulturen, wie Soja, Zuckerrohr und Eukalyptus. Soja wird vor allem für die europäische Fleischproduktion angebaut. Für die Monokulturen wird auch Wald abgeholzt. Dadurch kann das Erdreich nicht mehr gehalten werden, was zu schwerwiegenden Erosionen des Ufers führt. Durch die großen Mengen an Wasser, die ebenfalls für die Monokulturen benötigt werden, wird dem Rio Paraguay viel Wasser entnommen, was zur Austrocknung des Pantanals führt.

Gifte, die zur Unkrautvernichtung eingesetzt werden und, die großen Mengen an Dünger schädigen das Ökosystem ebenfalls. Die bäuerlichen Familienbetriebe beklagen einen messbaren Rückgang der Fruchtbarkeit ihrer Saatgutpflanzen.

Um Mineralien abbauen zu können, werden ebenfalls viele Bäume im Pantanal abgeholzt. Zudem gelangen Chemikalien, die für den Abbau verwendet werden, in den Boden und ins Wasser.

Bedrohlich für den Rio Paraguay sind Pläne, den Fluss für den Sojatransport über Bolivien und Paraguay nach Rotterdam schiffbar zu machen, das heißt, dass eine Fahrrinne im Fluss ausgehoben wird. Dadurch würde der Fluss zunehmend verschlammen. Kraftwerke am Fluss liefern auf den ersten Blick saubere und kostengünstige Energie. Aber sie haben auch katastrophale soziale und ökologische Folgen. Zum einen, weil für die Stauseen ein großes Gebiet überflutet wird. Die Menschen, die dort leben (meist Indigene, also Ureinwohner, und Kleinbauern), müssen ihre Häuser räumen und werden dafür oft weder entschädigt noch umgesiedelt. Sie ziehen in die Städte, ohne Bildung und Beruf zu haben. Für die Wanderfische stellen die Kraftwerke ein unüberwindbares Hindernis dar, welches das Ende ihrer Reise zu ihrem Laichplatz bedeutet und somit die Fischbestände verringert.

Viele Anwohner des Rio Paraguay organisieren sich gegen diese Gefahren und machen mit umweltpolitischen Aktionen darauf aufmerksam. Sie verbünden sich mit Naturschützern und versuchen, der Lobby der großen Agrarkonzerne die Stirn zu bieten. Sie sperren wichtige Straßen am Rio Paraguay, sperren den ganzen Fluss mit Booten, veranstalten Seminare und informieren weitere Bürger. Padre Salomão und seine Frau Vanda sind bei den Aktionen immer dabei und kümmern sich um indigene Gemeinden, deren Lebensgrundlagen durch die Veränderungen bedroht sind. Als befreiungstheologischer Pfarrer kommt Padre Salomãos Motivation für dieses Engagement auch aus seiner Religiösität. Er erklärte der Gruppe, dass man zwischen zwei sehr gegensätzlichen Arten von Religionsgemeinschaften unterscheidet: Auf der einen Seite die Kirchen, die den sozialen Problemen der Armen zugewandt sind und ihre Selbstorganisation unterstützen, auf der anderen Seite die Kirchen, die keine soziale Funktion erfüllen und die Gemeindemitglieder für erhoffte  Wunder und ihr Seelenheil bezahlen lassen. Häufig würden diese von Kleinunternehmern ohne kirchliche Ausbildung gegründet, mit dem Ziel, viel Geld zu verdienen. Salomao selbst ist ein Vertreter der Befreiungstheologie. Er wurde aus der katholischen Kirche verstoßen, weil er das Zölibat gebrochen hat. Er arbeitet trotzdem weiterhin als Priester, wird aber nicht mehr von der katholischen Kirche bezahlt.