An der Sieben-Keltern-Schule lernen die Kinder nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch, wie sie gesund bleiben und souverän mit Konfliktsituationen umgehen: Seit acht Jahren beteiligt sich die Metzinger Grundschule am Projekt Klasse 2000, ein Programm, mit dessen Hilfe Mädchen und Jungen sensibilisiert werden für jene Gefahren, die ihre Gesundheit bedrohen. Das geschieht allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger und moralinsaurem Gesicht, sondern spielerisch und mit Spaß. Die Effekte des Programms sind dabei nachweisbar, wie Willi Burger vom Lionsclub Deutschland betont. Jugendliche, die als Kinder an der Klasse 2000 teilgenommen haben, rauchen und trinken später weniger als Altersgenossen, die nicht in den Genuss des Programms gekommen sind.

Vorbildlich umgesetzt

Der Lionsclub zählt zu den wichtigsten Partnern des Projekts, organisiert ist die Klasse 2000 wegen der großen Resonanz als Verein. Immerhin beteiligen sich allein im Landkreis Reutlingen 3200 Kinder an 25 Schulen. Eine davon ist die Metzinger Sieben-Keltern-Schule, die das Programm besonders vorbildlich umsetzt, was zwei Zertifikate belegen: „Auf diese Auszeichnung sind wir stolz“, betont Schulleiterin Doris Hertkorn-Gärtner. Ihr liegt das Projekt auch deshalb besonders am Herzen, weil es ihren Schülern Kompetenzen und Wissen vermittelt, mit deren Hilfe sie später ihr Leben besser meistern können. Die Kinder erfahren beispielsweise, wie wichtig es ist, nicht nur vor dem Computer zu sitzen, sondern sich regelmäßig zu bewegen und sich richtig zu ernähren. Außerdem sollen sie lernen, Sachverhalte kritisch zu hinterfragen und Probleme friedlich zu lösen. Auf diese Weise entwickeln sie ein gesundes Selbstbewusstsein: „Starke Kinder brauchen weder Suchtmittel noch Gewalt“, betont Hertkorn-Gärtner. Auch die Elternhäuser sind in das Projekt eingebunden und profitieren damit indirekt vom Wissen, das die Kinder erwerben.

Angelegt ist das Programm auf vier Grundschuljahre, die Kinder werden also kontinuierlich begleitet. Dafür ist an der Sieben-Keltern-Schule Heidi Hack zuständig, sie ist in jeder Klasse zwei bis drei Mal pro Jahr zu Gast im Unterricht. Gemeinsam mit den Drittklässlern hat sie beispielsweise das Herz erforscht: „Die Kinder waren erstaunt, wie toll es arbeitet.“ Aus der Faszination für diesen besonderen Muskel entsteht die Erkenntnis, wie außergewöhnlich und wertvoll der menschliche Körper ist. Und wie schützenswert.

Die Impulse, die Heidi Hack in die Klassen trägt, werden von den Lehrern aufgegriffen und weiterentwickelt. Auf diese Weise laufen an der Sieben-Keltern-Schule verschiedene Fäden zusammen, damit nicht allein das Wissen der Kinder zunimmt, sondern auch die Persönlichkeit wachsen kann. Finanziert wird das Programm Klasse 2000 meist über Patenschaften. Pro Klasse und Jahr fallen 220 Euro an.

Um das Projekt an der Sieben-Keltern-Schule zu finanzieren, wirken verschiedene Kräfte zusammen. Die AOK Neckar-Alb beispielsweise übernimmt eine halbe Patenschaft für die jetzigen Erstklässler, immerhin vier Klassen. Weitere Partner sind die Stiftung Suchthilfe Reutlingen und die Volksbank Ermstal-Alb.

Rasch erfolgreich

Entstanden ist das Programm Klasse 2000 im Jahr 1991 in Franken. Der Initiator, Dr. Pál ­Bölcskei, war damals Chefarzt der Lungenheilkunde am Klinikum Nürnberg. Regelmäßig hatte er dort Raucher als Patienten, die schwer erkrankt waren und sich selbst Vorwürfe machten. Aus diesem Grund entwickelte ­Bölcskei gemeinsam mit weiteren Medizinern und Pädagogen ein Unterrichtsprogramm für Grundschulen. Der Erfolg stellte sich rasch ein, weswegen 2003 der Trägerverein entstand.

Inzwischen, sagt Willi Burger, vom Lionsclub Deutschland, ist das Projekt an knapp einem Viertel der Grundschulen in der Bundesrepublik vertreten. Dafür entstehen pro Jahr Kosten in Höhe von rund vier Millionen Euro.

Gesundheitsprogramm für die Grundschulen


Das Programm Klasse 2000 ist das am weitesten verbreitete Gesundheitsprogramm an den Grundschulen in der Bundesrepublik. An der Sieben-Keltern-Schule ist das Programm seit dem Schuljahr 2008/09 fest etabliert. Begonnen wird damit in allen ersten Klassen, danach wird es kontinuierlich bis zur Klasse vier angeboten. Pro Schuljahr werden etwa 15 Unterrichtseinheiten bearbeitet, die Inhalte bauen aufeinander auf.

Externe Klasse 2000-Gesundheitsförderer übernehmen pro Schuljahr zwei bis drei Einheiten. Bei den Gesundheitsförderern handelt es sich um Fachleute aus medizinischen oder pädagogischen Berufen, die für ihre Klasse 2000-Tätigkeit fortgebildet worden sind. Sie führen neue Themen in den Unterricht ein, die die Lehrer anhand ausgearbeiteter Unterrichtsvorschläge vertiefen. Die speziellen Klasse 2000-Pakete enthalten Vorschläge für den Unterricht, Schülerhefte, Arbeitsblätter sowie einen Atemtrainer, eine Bewegungspausen-CD oder ein Gefühle-Buch. Informationen gehen auch an die Eltern.

Die AOK Bezirksdirektion Neckar-Alb fördert das Programm aktuell für 40 Klassen mit nahezu 1000 Kindern an Grundschulen in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb. „Prävention ist ein Teil unserer Philosophie“, sagt Klaus Knoll, Geschäftsführer der AOK Bezirksdirektion Neckar-Alb. Das Projekt Klasse 2000 sei ein „richtig tolles Programm“, das die AOK gerne unterstütze.

Schulen, die am Programm teilnehmen möchten, können sich an Marina Angladagis vom Verein Programm Klasse 2000 wenden, Telefon (0 70 31) 81 96 80, E-Mail: reg-bawue-mittel-ost@klasse2000.de. Informationen gibt es auch unter www.klasse2000.de.