Tübingen Damals bei Peter Frankenfeld

Tübingen / JÜRGEN SPIESS 16.10.2013
Der Festivalauftakt geriet zur eindrucksvollen Hommage: Dizzy Krisch feierte im LTT 50-jährige Bühnenpräsenz - mit Weggefährten und einem Video.

Wer hätte das gedacht. Da strömen mehr als 400 Menschen ins LTT, um sich ein wenig Jazz zu gönnen. Und was wird geboten? Drei Stunden lang Unterhaltung, die weit über das gemeinhin verständliche Swing-Idiom hinaus voller Überraschungen ist. Denn der Tübinger Vibrafonist Dizzy Krisch kramt zum Auftaktkonzert der Jazz & Klassik Tage in der eigenen Vergangenheit und revitalisiert sein Ur-Quartett.

1963 trat dieses Krisch Junior Quartett zum ersten Mal "für eine Gage von 20 D-Mark" in Schramberg auf, da waren die drei Brüder Martin (Dizzy), Claus (Piano) und Thomas (Bass) gerade mal neun, zwölf und 15 Jahre alt. Weitere fünf Jahre später lud sie dann Showmaster Peter Frankenfeld in seine TV-Sendung "Vergißmeinnicht" ein. Und eben dieses Zeitdokument wurde 1968 mit einer Super-8-Kamera vom Fernsehschirm aufgenommen und nun 45 Jahre später dem amüsierten Publikum auf einer Großleinwand präsentiert.

Noch größer ist die Überraschung, als nach dem Vier-Minuten-Film jene "erste Boygroup der Jazzszene" die LTT-Bühne betritt und den Abend musikalisch mit dem ihrem Vater gewidmeten Evergreen "Over The Rainbow" eröffnet. Weiter gehts von Harold Arlen zu den Krisch-Kompositionen "Bolivia Nights" und "European Soul". Einfühlsam, mit lebendigem Klang und klugen dynamischen Feinabstufungen geht Dizzy Krisch voran, und die Mitspieler folgen hellhörig und sensibel. Auch mit Uwe Heitz, der den Drummer der ersten Stunde, Elmar Schrepfer, nach einem Set ablöst, agieren die vier Musiker mit dem entscheidend feinen Sinn für Klangbalance.

Weitere Kollegen laufen ein: Nach der Pause stoßen noch Pianist David Gazarow und Krischs langjähriger Weggefährte, der Trompeter Claus Stötter, zum Quartett. Während der armenische Tastenvirtuose David Gazarow auch eine Etüde von Chopin zum Besten gibt, glänzt Krischs langjähriger Weggefährte, der Trompeter Claus Stötter vor allem bei seiner Solo-Version des Gershwin-Klassikers "Somewhere". Der heute 59-jährige Dizzy Krisch, der vor 15 Jahren gemeinsam mit Bruno Gallo die Idee für die Jazz & Klassik Tage hatte, ist ein Meister der behutsamen Balance von Wohlklang und improvisierter Musik.

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