Endlich wieder Gäste empfangen zu dürfen heißt es ab Montag für Gastwirte. Oder anders herum gesehen: Raus aus der eigenen Küche und mal wieder Schnitzel, Rostbraten und Co vom Profi genießen – darauf freuen sich die Menschen nach der langen gastronomischen Zwangspause.

Räumliche Einschränkungen wegen der Abstandsregeln hoch

Doch die Freude bei den Gastronomen fällt etwas verhalten aus, unter anderem weil die räumlichen Einschränkungen wegen der Abstandsregeln hoch sind: „Ich habe weniger Platz und damit auch weniger Gäste“, beschreibt Michael Bischoff vom Restaurant Kesselhaus in Bad Urach die Situation. „Und deshalb weiß ich auch noch nicht, ob es finanziell etwas bringt.“

Haben die Gäste überhaupt Lust auf Essen?

Denn das Personal werde hochgefahren bei weniger Kapazitäten, zudem gebe es nach der langen Zeit der Nicht-Ausgangmöglichkeiten eine große Unbekannte: Ob die Menschen überhaupt Lust haben auf ein Essen unter strengen Hygienebestimmungen, die Gemütlichkeit von einst wird sich in nächster Zeit in den Lokalen jedenfalls nicht einstellen. „Ich hoffe, die Gäste trauen sich“, fasst Tim Wetzel vom Restaurant Schwanen in Metzingen die Situation zusammen. Denn spontan essen zu gehen ist nicht drin, Reservierungen für den Innenbereich sind ein Muss und es darf sich auch nicht jeder mit jedem in großer Gruppe an einen Tisch setzen – auch in den Lokalen greifen die Kontaktbeschränkungen.

Viele Fragen sind nicht geklärt

„Die allgemeine Logistik bekommen wir umgesetzt“, ist sich Tim Wetzel mit Blick auf die vielfältigen Vorgaben rund um die Hygiene und Information der Gäste sicher. Doch es würde Unsicherheitsfaktoren geben, viele Vorgaben seien zu schwammig: „Was ist, wenn im Team ein Coronafall auftritt“, fragt sich Tim Wetzel. „Oder dürfen wir Brot servieren, das ja à la minute aufgeschnitten wird?“

Reutlingen/Tübingen

Gerade die vielen offenen Fragen machen auch Agnes Dobbert vom „Maisentalstüble“ Sorgen: „Man hört vieles und es kursieren die unterschiedlichsten Informationen“, beklagt sie sich. Das geht Michael Bischoff nicht anders: „Es sind ein paar Sachen unklar und ich habe mich schon einige Male mit dem Ordnungsamt in Verbindung gesetzt.“ Doch auch dort müsse man zugeben, dass noch nicht alles eindeutig geklärt sei und auf weitere Informationen gewartet werde.

Hoffnung auf gutes Wetter

Das „Maisentalstüble“ lag wochenlang mittendrin im Ausflugshotspot Wasserfall, bei herrlichstem Wetter war lediglich die Ausgabe von Essen-To-Go möglich, was unter der Woche jedoch wenig angenommen wurden. Da im ohnehin kleinen Gastraum noch weniger Platz für Gäste ist als sonst, hoffen Agnes Dobbert und Thomas Gasiewicz auf die Rückkehr des guten Wetters: Dann können sie den beliebten Biergarten öffnen, im großzügigen Außenbereich besteht auch die Möglichkeit zur unkomplizierten Erweiterung der Kapazitäten unter Wahrung der Abstandsregeln.

Biergarten als Plus: „Schlemmerstüble“ in Metzingen

Ihren Biergarten sieht auch Hiltrud Auer vom „Schlemmerstüble“ in Metzingen als Plus: „Wir müssen keine Stühle wegräumen und haben sogar Platz für mehr.“ Ihre Gefühle seien mit Blick auf die Wiederöffnung jedoch zwiespältig, gibt sie zu: „Ich gebe uns eine Frist von vier Wochen, dann ziehe ich ein Resümee und sehe, ob’s was bringt“, berichtet sie von ihren Plänen. „Wenn ich draufzahle, kann ich auch gleich wieder zumachen.“
Ob sich der enorme Aufwand, der verständlicherweise notwendig sei, um den Gästen ein Sicherheitsgefühl zu geben, letztlich lohne, fragt sich auch Tim Wetzel. Es sei schwer, sich in dieser Situation kostenmäßig zu strukturieren. Denn: „Ich habe nicht die üblichen Kapazitäten, muss aber dennoch ein Team vorhalten“, so der Gastronom.

Wichtig ist der Erhalt der Arbeitsplätze

Bleibe die Hoffnung auf Unterstützung der Gastronomie durch die Gäste trotz der Auflagen und dass sie dann aber auch von ihnen eingehalten werden: „Nicht dass wir wieder schließen müssen.“ Er rechne finanziell mit einem miesen Jahr: „Wir hangeln uns auf Sichtflug von Woche zu Woche.“ Wichtig sei ihm der Erhalt der Arbeitsplätze, das sieht auch der Bad Uracher Gastronom Michael Bischoff so: Finanziell erwarte er kein Gewinngeschäft, Ziel sei mit einer Null rauszukommen. Um dies zu erreichen, hat er unter anderem die Speisenkarte abgespeckt und startet einen To-Go-Verkauf: „Wir hoffen das Beste, erwarten das Schlimmste.“
Aber auf eines freuen sich alle Gastronomen: Endlich wieder Gäste bewirten zu könne, auch wenn Normalität etwas anderes ist.