Die Reisefreiheit kehrt in großen Teilen Europas wieder zurück: Die Bundesregierung hat am 15. Juni die Reisewarnung für 27 europäische Länder aufgehoben. Doch wie steht es um die Top Vier der deutschen Urlaubsländer: Griechenland, Türkei, Kroatien und Ägypten?

Lage in Nachbarländern unterschiedlich

Seit dem 21. Juni hat sich Spanien, das wichtigste Urlaubsland Europas, auch für den internationalen Tourismus wieder geöffnet. Die Pflicht zu einer zweiwöchigen Quarantäne nach der Einreise bestand seit dem 15. Mai. „In dem Maße, wie wir Freiheitsräume wiedererlangen, können auch die Maßnahmen an der Grenze geändert werden“, erklärte Außenministerin Arancha González Laya. Die fortbestehenden Einreisebeschränkungen zu Portugal sollen zum 1. Juli aufgehoben werden.
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wird generell von nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland abgeraten. Ausnahmen sind demnach die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, in Schengen-assoziierte Staaten sowie Großbritannien, Nordirland, Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikanstaat. Das bedeute jedoch nicht, dass jede Reise in genannten Länder ohne Einschränkungen möglich ist. Einzelne Länder könnten weiterhin Einreisen beschränken oder eine Quarantäne bei Einreise vorsehen. Für Finnland, Norwegen und Schweden verzögert sich aus diesen Gründen die Aufhebung der Reisewarnung.
Von Reisen nach Großbritannien, Irland und Malta wird auf der Internetseite des Auswärtigen Amts „dringend abgeraten“. Der Grund: In diesen drei Ländern ist nach der Einreise noch eine zweiwöchige Quarantäne erforderlich. Generell gilt für unterschiedliche Ländern entweder ein Reisehinweis, ein Sicherheitshinweis oder eine Reisewarnung. (Eine Erklärung zu diesen Begriffen gibt es im Infokasten unten.)
Für mehr als 160 Länder außerhalb der Europäischen Union verlängerte die Bundesregierung die Reisewarnung für Touristen bis zum 31. August. Ausnahmen können für einzelne Länder gemacht werden, in denen die Verbreitung des Virus ausreichend eingedämmt ist.

QR-Code für Griechenland-Urlauber

Griechenland-Touristen müssen sich ab 2. Juli auf ein kompliziertes Einreiseverfahren einstellen: Wie die Regierung in Athen am Montag mitteilte, müssen alle Touristen 48 Stunden vor ihrer Einreise online ein Anmeldeformular mit einem Fragebogen ausfüllen und erhalten dann im Gegenzug einen persönlichen QR-Code, der bei der Ankunft darüber entscheidet, ob sie auf das Corona-Virus getestet werden.
Erst nach der Ankunft erfahren sie, ob sie getestet und sich dann an ihrer Urlaubsadresse isolieren müssen, bis das Ergebnis feststeht. Das neue Verfahren der Zivilschutzbehörde dürfte dafür sorgen, dass „die Mehrheit der importierten Corona-Fälle entdeckt“ werde, sagte der Regierungsberater Dimitrios Paraskevis dem Sender Skai TV. Das Verfahren gilt demnach bis Ende August.

Reisen in die Türkei auf eigenen Gefahr

Für die Türkei als Nicht-EU-Staat gilt die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bis 31. August. Das bedeutet, dass Urlauber durchaus in die Türkei reisen dürfen – falls möglich – allerdings auf eigene Gefahr. Das bedeutet, dass Reisende unter anderem eventuell keinen Anspruch auf eine Auslandsreiseversicherung haben und zudem damit rechnen müssen nach ihrer Rückkehr in eine 14-tägige Quarantäne geschickt zu werden. Allerdings können Urlauber aus der Türkei von der Quarantäneregelung befreit werden, wenn sie bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.
Gute Nachrichten für die Türkei könnten aber auf dem Weg sein. Der Tourismus-Beauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, sieht wachsende Chancen für ein Aufheben Reisewarnung für das Land am Bosporus. „Wenn die Lage gut ist – und letzte Woche war die Lage gut – können wir relativ schnell die Öffnungen vorbereiten“, sagte der CDU-Politiker. Man sei mittendrin in Überlegungen, „was tun wir die nächsten Tage, um auch hier Reisen zu gewährleisten“.
Voraussetzung sei neben niedrigen Infektionszahlen, dass das türkische Gesundheitssystem Virusausbrüche so bewältigen könne, dass Urlauber wieder gesund nach Hause kommen. Die Gespräche mit der Regierung der Türkei seien gut gewesen. „Man merkt, da wird sicherlich auch viel gemacht, dass vor Ort gewährleistet ist, dass der Schutz da ist.“ Die Türkei müsse genauso beurteilt werden wie andere Urlaubsländer: „Mit jedem Land müssen wir fair und gerecht umgehen.“
Erst Anfang Juli hatte eine hochrangige türkische Regierungsdelegation in Berlin vergeblich versucht, eine Aufhebung der Reisewarnung zu erreichen. Außenminister Heiko Maas sagte seinem Kollegen Mevlüt Cavusoglu lediglich zu, neue Daten zur Infektionslage und Gesundheitsversorgung in der Türkei zu prüfen. Angestrebt sei ein abgestimmtes Vorgehen in der EU. Cavusoglu warf der Europäischen Union vor, Reisebeschränkungen für die Türkei aus „politischen Motiven“ aufrechtzuerhalten. Die Türkei sei ein sicheres Reiseland.
Die Türkei trifft die Reisewarnung als drittbeliebtestes Urlaubsland der Deutschen nach Spanien und Italien besonders hart. Außerdem hat die Bundesregierung die Türkei zusammen mit 125 anderen Ländern als Corona-Risikogebiet eingestuft.

Einreise nach Kroatien unter Angaben persönlicher Daten

Pünktlich zur Sommer-Saison öffnet Kroatien wieder seine Grenzen. Im März waren diese aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen worden. Nun sind die Grenzschließungen für deutsche Bürger wieder aufgehoben. Bei der Einreise gibt es allerdings neue Regelungen. So werden die Kontaktdaten der Reisenden für die Dauer ihres Aufenthalts in Kroatien registriert. Da es beim Grenzübertritt zu langen Wartezeiten kommen kann, empfiehlt das kroatische Innenministerium, die Kontakt- und Aufenthaltsdaten vorab online zu hinterlegen. Nach der Registrierung wird ein Text mit einer Benutzer-ID-Nummer angezeigt. Diese Nummer sollte man sich notieren und den Text vorsichtshalber ausdrucken, damit man ihn bei der Einreise vorzeigen kann.

Corona-Regeln am Strand und Wasser

An den Stränden von Kroatien wird auf räumliche Trennung von Urlaubern gesetzt. Hier gilt der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern - auch im Wasser. Auf 100 Quadratmetern sind bis zu 15 Personen erlaubt. Es gibt Infotafeln und Desinfektionsspender. Strandliegen und Sonnenschirme werden nach ihrer Nutzung desinfiziert.

Urlauber aus dem Ausland dürfen nicht nach Ägypten einreisen

Ägypten bereitet sich darauf vor, im Juli Touristen in den Resorts Rotes Meer, Süd-Sinai und Matrouh zu empfangen. Es bietet äußerst wettbewerbsfähige Preise und Angebote für Verkehrsflugzeuge und Reisebüros. Hotels im ganzen Land sind zu jedem Zeitpunkt maximal 50% der Belegschaft vor Ort. Hotel- und Resortmitarbeiter dürfen nur alle 60 Tage Urlaub nehmen, um ihre Bewegung zwischen den Gouvernoraten einzuschränken, sagte El Enany am 14. Juni. Alle Mitarbeiter müssen außerdem ihre Temperatur täglich vor Ort überprüfen lassen.

Tunesien verlangt Corona-Test

Seit dem 27. Juni wurde der internationale Flug- und Fährverkehr von und nach Tunesien wieder aufgenommen. Einreisende aus Ländern mit niedrigem Infektionsrisiko „Liste verte“, darunter Deutschland, müssen bei Einreise keinen PCR-Test vorlegen und sich nicht mehr in Quarantäne begeben. Die aktuelle Länderliste veröffentlicht das tunesische Gesundheitsministerium.

Von Reisehinweis bis Reisewarnung - was ist der Unterschied?


Reisehinweise – sind allgemeine Informationen zu den Einreisebestimmungen eines Landes, medizinische Hinweise oder auch straf- oder zollrechtliche Besonderheiten.

Sicherheitshinweise – sollen auf besondere Risiken für Reisende und im Ausland lebende Deutsche aufmerksam machen. Generell kann es sich dabei um die Empfehlung handeln, auf Reisen zu verzichten oder diese einzuschränken. Gegebenenfalls wird von nicht unbedingt erforderlichen oder allen Reisen abgeraten.

Reisewarnungen – enthalten einen dringenden Aufruf des Auswärtigen Amts, Reisen in ein Land zu unterlassen, da das Land so zum Risikogebiet erklärt wird. Sie werden nur dann ausgesprochen, wenn eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht. Personen, die trotz Reisewarnung in den Urlaub fahren, verlieren möglicherweise ihren Versicherungsschutz etwa bei der Auslandkranken- oder Rückholversicherung. Zudem muss jeder, der aus einem Risikogebiet wieder nach Deutschland einreist, damit rechnen, 14 Tage Quarantäne verordnet zu bekommen.