Frankreich gehört zu den Ländern mit den meisten Corona-Todesfällen – bisher 22 890 – auch wenn die Rate zuletzt sank. Heute sollen Lockerungen der Auflagen vorgestellt werden. Susanne Weiblen lebt seit Jahrzehnten in Paris. Die 52-Jährige aus Metzingen berichtet vom Alltag, seit am 17. März eine strikte Ausgangssperre, voraussichtlich bis 11. Mai gilt: „Wir leben zu viert in einer Drei-Zimmer Wohnung, 70 Quadratmeter, mit einem kleinen Balkon. Ich arbeite in einem improvisierten Homeoffice im Badezimmer, mein Mann ist selbstständig und hat sein Büro im Erdgeschoss des Wohnhauses.“

Die Familie teilt sich den Wohnraum zeitlich ein

Für sie sei das „Eingesperrtsein“ nicht so schlimm. „Meine Kinder sind groß, 15 und 17 Jahre, und schlafen morgens lang, wie es sich in diesem Alter gehört. Dafür gehen sie oft erst früh morgens ins Bett. Somit teilen wir uns den Wohnraum zeitlich, was auch eine gute Lösung ist.“

Dadurch, dass nun alle zu Hause sind, „essen wir auch mittags und abends gemeinsam, also muss man doch öfters mal einkaufen.“ Sie verlässt derzeit das Haus ausschließlich dazu: „Rausgehen ist nur mit Bescheinigung erlaubt: Name, Adresse, Datum, Uhrzeit, Grund. Es wird sehr viel kontrolliert und das Bußgeld ist relativ teuer: 135 Euro beim ersten Mal, wenn man wieder erwischt wird 200 Euro.“

Abstand halten, Masken tragen oder auch nicht

Außerhalb der Geschäfte hielten die Menschen genügend Abstand, berichtet Susanne Weiblen. „Aber in den Läden ist das schwierig, viele scheren sich einen Dreck um den Sicherheitsabstand und das empfinde ich als sehr stressig.“ Masken gebe es „leider immer noch nicht“, ihr Mann nähte jüngst welche selbst.

Kurzarbeit trotz Arbeit für die Infrastruktur der Krankenhäuser

Bisher arbeitete sie voll, nun wurde jedoch auch in ihrer Firma Kurzarbeit eingeführt, obwohl die zu einem Konsortium gehört, das bis Ende Mai 10 000 der dringend benötigten Beatmungsgeräte herstellen soll. „Ein schönes Projekt“, bemerkt die Sekretärin lapidar. „Die Krankenhäuser sind überlastet. Viele Leute haben Angst. Ich finde es traurig, dass durch diese Krise so viele auf der Strecke bleiben.“