Die Fachkliniken Hohenurach werden in der kommenden Zeit leicht erkrankte Covid-19-Patienten aufnehmen. Das geht aus einer Kooperationsvereinbarung hervor, die die Bad Uracher Reha-Klinik mit den Kreiskliniken Reutlingen, dem Universitätsklinikum Tübingen und den Medius-Kliniken im Landkreis Esslingen mit Standorten in Kirchheim, Nürtingen und Ostfildern abgeschlossen hat.

Ziel der Vereinbarung ist es, die dortigen Akutkrankenhäuser bei der Behandlung schwerer Covid-19-Fälle räumlich, aber auch personell, zu entlasten. Rein rechnerisch verfügt die Bad Uracher Klinik über bis zu 400 Einzelzimmer. Die Umfunktionierung von Reha-Kliniken in Behelfskrankenhäuser macht eine Verfügung der Landesregierung möglich. Sie soll zunächst bis zum 30. September Gültigkeit besitzen. Bereits für den kommenden Dienstag rechnet der Geschäftsführer der Fachkliniken Hohenurach, Uli Wüstner, mit den ersten Patientenankünften.

Platz für milde Verläufe

Derzeit geht er von drei Covid-19-Erkrankten aus, die ab diesem Tag in Bad Urach versorgt werden. Wie sich die Patientenzahl in Zukunft entwickeln werde, sei momentan unklar. Möglich scheint es, dass sich auch Stuttgarter Kliniken noch der Kooperation anschließen werden. Grundsätzlich handelt es sich um Patienten, die vergleichsweise milde Symptome aufweisen oder die sich wieder auf dem Weg der Besserung befinden.

Untergebracht werden sie in einer eigens und separat eingerichteten Covid-19-Station, unter Einhaltung strengster Hygienevorschriften, wie Wüstner betont. Ziel sei es, die Patienten, aber auch die Klinik-Mitarbeiter, zu schützen. Neben den Covid-19-Patienten beherbergen die Fachkliniken aktuell rund 70 Reha-Patienten in der Geriatrieabteilung, in der Frühreha oder in der Neurophase C. „Wir lassen keine Kreuzungen zu“, unterstreicht Wüstner die strikte räumliche Trennung der Patienten. Zwar sei der zu erwartende Aufwand bei der Versorgung der Patienten deutlich höher, da sich die Arbeit der Reha-Kliniken aber bereits zuvor auf hohem Niveau befunden habe, sei die Umsetzung in Bad Urach ohne Weiteres leistbar.

Rehaklinik nach Covid-19-Fällen geräumt

Bereits am 22. März hatten sich die Fachkliniken mit einem entsprechenden Angebot an das Sozialministerium des Landes gewandt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Bad Uracher Reha-Kliniken größtenteils geräumt sind, seit am 13. März bekannt wurde, das sowohl ein dortiger Arzt als auch ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet worden sind.

Am 23. März richtete sich Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) mit einem Schreiben und einer entsprechenden Anregung an die Reha-Verbände und damit an die insgesamt 193 Reha-Kliniken in Baden-Württemberg. Laut Sozialministerium könnte die Corona-Krise nun während den anstehenden Osterfeiertagen auf einen Höhepunkt zusteuern. Lucha rechnet mit einer Höchstzahl an notwendig werdenden Behandlungen.

Schutzmaterial Mangelware

Die Versorgung der Bad Uracher Reha-Klinikmitarbeiter mit Schutzbekleidung sei mittlerweile ein klein wenig besser geworden, berichtet derweil Uli Wüstner: „Wir sondieren täglich Angebote und sind permanent am Bestellen.“ Desinfektionsmittel sei inzwischen ausreichend vorhanden, Probleme bereite die Versorgung der Mitarbeiter mit Schutzkitteln. Und Schutzmasken? „Das ist immer spannend.“ Gleichwohl mache sich bemerkbar, dass sich die Regierung vermehrt für eine Beschaffung einsetze, lobt Wüstner.

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Patienten, Stand jetzt, werden ab Dienstag in den Bad Uracher Reha-Kliniken untergebracht. Weitere könnten folgen, wenn sich die Situation zuspitzen sollte.