Es hat sich ausgefeiert. Kein Volksfest in Corona-Zeiten weit und breit, keine sommerlichen Konzert-Open-Airs, keine Festzelt-Partys und offenen Diskotheken. Und schon gar keine Mega-Events wie Cannstatter Wasen und Münchner Oktoberfest. Das Virus bleibt ein unsichtbarer Feind, von dem wir wissen: Bei zu viel Nähe lebt es auf.

Dieses Jahr auf die Maß Bier auf der Theresienwiese und die Live-Musik auf vielen Stadtfesten zu verzichten, mag für Normalbürger ein Luxusproblem sein. Nicht aber für die, die sonst dort auf den Bühnen stehen: Bands und Musiker.
Waren es zunächst größere Veranstaltungen, die gecancelt wurden, ist der Kulturbetrieb mittlerweile fast völlig zum Erliegen gekommen. Besonders betroffen sind freischaffende Sänger und Musiker. Bei ihnen führen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu existenzbedrohenden Honorarausfällen.

Viele Musiker-Existenzen sind bedroht

Einer, der weiß, was das heißt: Andy Welsch, Manager und Schlagzeuger der Pliezhäuser PartybandDie Lollies“. Er lebt mittlerweile vom Musikbusiness, wie etliche seiner Bandkollegen. Die „Lollies“ sind seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner auf den Bühnen in der Region. Sie rocken die Festzelte auf dem Stuttgarter „Wasen“ ebenso, wie die Disco in Duisburg und den Faschingsball in Walddorfhäslach. Im Normalfall. Nur eben nicht in Zeiten von Corona.
„Wir haben praktisch Berufsverbot“, frozzelt Andy Welsch – mit ernstem Unterton. Zwar gibt es für Selbstständige in der Branche diverse Hilfsprogramme. „Aber die sind für einige befreundete Musiker gar nicht erst genehmigt worden“, weiß der „Lollies“-Gründer.

Ein Tausendsassa im Musikgeschäft

Kurz, die Lage ist prekär. Aber nicht so, dass einem wie Andreas Welsch die Ideen ausgehen. Der umtriebige Bandleader ist in der Szene bestens vernetzt. Und er gilt als Tausendsassa im Musikgeschäft. Erst produzierte er mit „Wunder“ einen Motivationssong zur Krise (wir berichteten). Nun versammelt er Partybands aus ganz Deutschland für ein wohltätiges Musik-Projekt.

Andy Welsch versammelt Partybands aus ganz Deutschland für ein wohltätiges Projekt

Das Ergebnis: Alle haben kürzlich eine gemeinsame Corona-Durchhalte-Parole eingesungen. Die Melodie fürs Anti-Krisen-Lied borgte sich Andy Welsch bei einem alten „Lollies“-Song – für den Text buchte er kurzerhand den Bassisten und Komponisten Hanno Bruhn. Und der war immerhin schon mit Mungo Jerry und Frank Zander on Tour.
„Da hilft nur eines, das müssen wir durchstehen...“, heißt die launige Nummer, die jetzt bereits in den Musikcharts nach oben rauscht: Ein bisschen Alpenrock à la Andreas Gabalier (mit zünftigem Blechbläsersound und Akkordeon), ein bisschen Pop-Schlager mit sprintenden Drums und bratzenden Gitarren.
Dazu ein Text, der aufbaut: „Irgendwann ist dann der Spuk vorbei, und die Welt ist wieder neu.“ Bis dahin folgern die Musiker: Das gehen wir an, und zwar mit allen Mann.“

Ein bisschen Alpenrock, ein bisschen Popschlager

„Partybands united“ nennt sich die Fusion aus 17 angesagten Fest-Formationen aus der ganzen Republik. Mit dabei sind gleich zwei Bühnen-Schwergewichter aus dem Kreis Reutlingen: Neben den „Lollies“ haben auch auch „Die Grafenberger“ um ihren Chef Klaus Kächele ihren Text im Pfullinger Tonstudio von Lollies-Keyboarder Klaus Bahnmüller eingesungen.
Ein paar Zeilen für jede Band. Die restlichen Combos schickten ihre Beiträge aus ganz Deutschland an die Echaz. Unter den Musikern sind namhafte Interpreten, etwa die Ulmer Band „Rockspitz“, die unter anderem die Festbühne im Europapark Rust beschallt, und die Oktoberfest-Hausband „Münchner Zwietracht“. Außerdem das Stuttgarter „Hofbräu Regiment“ und die Gruppe „Sound Convoy“ (Hey Baby).
Alle zusammen haben sich zur Aufgabe gemacht, „ihre Fans zu entertainen und ihnen auch in dieser schweren Zeit einen „gemeinsamen Song zu präsentieren“, freut sich Andreas Welsch.

Der Erlös geht an eine soziale Einrichtung

Und obwohl die Partybands mit am härtesten von der Corona-Krise betroffen seien, denken sie auch an die, denen es noch schlechter geht: Die Lizenzerlöse des Songprojekts (gestern auf Platz vier der Amazon-Liste) kommt einer sozialen Einrichtung zugute. „Wen wir unterstützen ist noch nicht klar. Aber gespendet wird das Geld auf jeden Fall“, sagt der 51-Jährige.

Partymusik für einen guten Zweck


Der Lizenzerlös des Corona-Songs von 17 deutschen Partybands kommt einer sozialen Einrichtung zugute.

Das Lied gibt es zum Download unter https://save-it.cc/updatemediagroup/da-hilft-nur-eins-das-m-ssen-wir-durchstehn.