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TV Neuhausen
Metzingen / PETER KIEDAISCH  Uhr
Das Metzinger Gymnasium profitiert vom Engagement der beiden Bundesliga-Handballteams. Und umgekehrt. Eine Kooperation zwischen Schule und Vereinen soll Talente entdecken und fördern helfen.

Mit der Beschaulichkeit des Sporttreibens ist es dahin. Zeiten, da B-Jugendliche donnerstags trainierten und sonntags zum Punktspiel antraten, liegen im Kehrichthaufen der Sportgeschichte. Vier Mal Training pro Woche ist unter ambitionierten Sportlern fast schon Standard, irgendwoher müssen ja all die Sixpacks kommen. Freilich geht es den beiden Handballteams der TuS Metzingen (Erste Bundesliga Damen) und des TV Neuhausen (Zweite Liga Herren) weniger um Äußerlichkeiten als vielmehr um selbst ausgebildeten Nachwuchs. Es ist nämlich durchaus eine Kostenfrage, wollte ein Verein in der Eliteliga nur mit Legionären auflaufen. Zudem verlangt auch der oberste Verband bei den Männern, die Handball-Bundesliga (HBL), von sämtlichen Erst- und Zweitligisten, den Nachwuchsbereich zu fördern. Ein für alle Vereine bindendes Jugendzertifikat gibt klare Rahmenbedingungen vor, bei deren Nichteinhaltung hohe Verbandsstrafen drohen. So muss beispielsweise die männliche A-Jugend eines Erst- oder Zweitligisten in der höchsten Klasse spielen. Seit Anfang Oktober gehen der TV Neuhausen-Handball und die TuS Metzingen Handball Bundesliga GmbH auch in die Breite. Beide Akteure haben einen Kooperationsvertrag mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium unterschrieben. Schüler des Gymnasiums kommen dadurch ein Mal pro Woche in den Genuss, vormittags eine Doppelstunde Handballunterricht zu erhalten, die gemeinsam von einem Lehrer und einem Vereinstrainer gehalten wird. Für den TVN übernimmt das beispielsweise Christian Wahl, der zurzeit aktiv in der Ersten Mannschaft spielt und Inhaber der Trainer-B-Lizens ist.

Für den Schulleiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Matthias Pröhl, ist diese Form der Zusammenarbeit eine logische Konsequenz des Standortes: "Wir sitzen zwischen zwei Bundesligisten, es wäre dumm, das nicht auszunutzen."

Mitmachen dürfen alle Kinder, Mitglied in einem der beiden Vereine müssen weder sie selbst noch ihre Eltern sein. Lehrer und Trainer stellen auch keine besonderen Anforderungen an die Begabung der Kinder. Ferenc Rott, Manager der TuS-Damen, sieht das ganz pragmatisch: "Bei talentfreien Kindern sieht man die positive Entwicklung am besten." Insgeheim hofft Schulleiter Pröhl auf starke Teams, die die Schule bei "Jugend trainiert für Olympia" vertreten. Allein die Tatsache, dass das Bonhoeffer-Gymnasium G9 anbietet, ermöglicht Freiräume für die Mittelstufe: "Die haben für Sport deutlich mehr Zeit", sagt er. Ein Ziel ist mittelfristig sicher das Bundesfinale in Berlin. Derlei Ambitionen sind nicht völlig aus der Luft gegriffen, zumal das Gymnasium ein Sportprofil im Portfolio hat. Schüler, die sich für diesen Zug entscheiden, haben in den Klassen acht bis zehn wöchentlich sechs Stunden das Kernfach Sport. Für die Handballvereine geht es freilich auch darum, erstens Talente zu entdecken und zweitens diese zu fördern. Die AG ist zwar breitensportlich aufgebaut und offen für jedes Kind, das mitmachen will. Wenn sich aber eine Gruppe besonders talentierter Spieler herauskristallisiert, erhalten diese individuelles Training, erläutert Hans-Gerhard Hahn, der sich im Handball als Trainer-Legende einen Namen gemacht hat. Einige Topspieler haben übrigens am Bonhoeffer-Gymnasium Abitur gemacht und sind von dort aus auf die Reise durch den Handball-Spitzensport gestartet: etwa Freya Stonawski oder die Brüder Daniel sowie Jan Reusch.