Dettingen / Von Christina Hölz  Uhr

Wer stellt schon so etwas an? Diese Frage beschäftige in den vergangenen Monaten nicht nur die Dettinger Feuerwehr, sondern auch Einheimische und Polizei. Denn leidlich kurios waren sie ja schon – die Einsätze, zu denen die Trupps um ihren Kommandanten Rolf Schäfer immer wieder ausrücken mussten. Sie hatten etwa brennende Mülleimer zu löschen, auch einen Pferdeanhänger und weitere Gefährte, die Unbekannte einfach angezündet hatten. Jetzt hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst, der für eine Reihe von Dettinger Bränden verantwortlich sein soll: Es ist laut Polizeiangaben ein Feuerwehrmann. Der 22-jährige Mann streitet die Taten jedoch ab.

Brandserie in Dettingen

Der Reihe nach. Im Januar etwa waren die Männer und Frauen um Dettingens Feuerwehrkommandant Rolf Schäfer wieder in ungewöhnlicher Mission unterwegs: Am Hammerweg stand ein am Straßenrand geparktes Wohnmobil komplett in Flammen. Gebrannt hatte das Fahrzeug nicht etwa weil irgendwo ein Kabel durchgeschmort war. Nein, schon kurz nachdem die Wehr das Feuer zügig gelöscht hatte, äußerte die Kriminalpolizei einen Verdacht: Vermutlich handele es sich um Brandstiftung. Und möglicherweise sei in Dettingen ein Feuerteufel unterwegs, auf dessen Konto gleich mehrere Zündeleien gehen.

Denn gebrannt hatte es in den vergangenen Monaten in der Ermsgemeinde öfters. Ungeklärt war auch, weshalb Anfang Dezember, in der Nacht vor dem Weihnachtsmarkt, gleich mehrere Alarme bei der Feuerwehr eingingen. Erstens mussten die Löschtrupps ausrücken, weil in der Hölderlinstraße zwei Anhänger Feuer gefangen hatte. Und zweitens brannte regelrecht der Baum in der Ermsgemeinde: „Wir waren gerade auf dem Weg zum Einsatz, da meldete ein Feuerwehrkamerad brennende Tujahecken in der Kühsteiggasse“, schilderte Kommandant Rolf Schäfer damals gegenüber unserer Zeitung.

Festnahme am Donnerstag

Schließlich wurde es noch richtig ominös: Unter einem Auto an der Ecke Hülbener Straße/Sägmühlgasse hatte ein Unbekannter einen Papierhaufen platziert und angezündet.

Unter dem Verdacht, für zumindest eine ganze Serie von Brandlegungen verantwortlich zu sein, ist am Donnerstagmorgen ein 22-jähriger Deutscher aus Dettingen festgenommen worden, teilt die Polizei nun mit.

 Bei den Straftaten, die sich zwischen Oktober 2018 und März 2019 in Dettingen ereignet hatten, handelt es sich laut Polizei um eine vollendete und drei versuchte schwere Brandstiftungen, drei versuchte Brandstiftungen und vier Sachbeschädigungen durch Brandlegung.

Dabei wurden eben nicht nur Hecken und Mülltonnen angezündet, Feuer wurde unter anderem auch an einem Holzschuppen, besagtem Pferdeanhänger, samt Wohnmobil und einem in einer Tiefgarage abgestellten Auto gelegt. Außerdem steht der 22-Jährige in dringendem Verdacht, am Samstag, 23. März 2019, in seiner damaligen Wohnung in der Hölderlinstraße, in deren Nähe auch die vorherigen Brände registriert worden waren, einen Brand gelegt zu haben, bei dem allein ein Schaden in Höhe von 200 000 Euro entstanden war.

Gesamtschaden in Höhe von 240 000 Euro

Den wegen der Brandstiftungen entstandenen Gesamtschaden beziffert die Polizei auf etwa 240 000 Euro. Bei den umfangreichen Ermittlungen des Kriminalkommissariats Reutlingen hatten sich im Laufe der Zeit erste Verdachtsmomente gegen den Beschuldigten ergeben, die sich nach und nach verdichteten, heißt es in der Mitteilung.

Die Staatsanwaltschaft Tübingen erwirkte aufgrund des dringenden Tatverdachts einen Haftbefehl gegen den Mann. Am Donnerstag wurde er einem Haftrichter beim Amtsgericht Tübingen vorgeführt, der gegen den Beschuldigten die Untersuchungshaft anordnete.

Der 22-Jährige Dettinger behauptet, nach wie vor, nicht für die Taten verantwortlich zu sein. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

240

Ein Schaden in Höhe von 240 000 Euro ist insgesamt bei den Bränden in Dettingen entstanden. Der Verdächtige sitzt nun in Untersuchungshaft. Er streitet die Taten weiterhin ab.