Metzingen Boss will jüngere Käufer ansprechen

Die Aktionäre des Modekonzerns trafen sich gestern in Stuttgart.
Die Aktionäre des Modekonzerns trafen sich gestern in Stuttgart. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / LSW/DPA 20.05.2016
Der designierte Boss-Chef Mark Langer stellte sich gestern den Aktionären. Bei der Hauptversammlung wurde Langer noch als Finanzvorstand entlastet.

Aktionärsversammlung beim Modekonzern Hugo Boss gestern in Stuttgart: Die Dividendenrendite liegt beim aktuellen Börsenkurs von 57,85 Euro bei 6,26 Prozent. Das Unternehmen schlägt für das Jahr 2015 eine Dividende von 3,62 Euro je Stammaktie vor. Damit wird die Ausschüttung gegenüber dem Vorjahr stabil gehalten.

Der Modekonzern denkt zudem über weitere Preissenkungen im Ausland nach, wie bei der gestrigen Aktionärsversammlung deutlich wurde. Um neue Kunden zu gewinnen, passe Hugo Boss seine Preisarchitektur in Asien deutlich stärker an das europäische Niveau an, sagte der neue Vorstandschefs Mark Langer.

Langer, bislang Finanzchef, war kurz vor der Hauptversammlung zum Vorstandschef bestellt worden. Die Preissenkungen lasteten schon im ersten Quartal auf dem Ergebnis. Trotzdem will Langer in den nächsten Jahren weitere Schritte unternehmen, um die Preise länderübergreifend zu harmonisieren.

Außerdem will Boss verstärkt jüngere Käufer ansprechen. Deshalb sollen in Europa auch Online-Handel und Verkauf in Läden abgestimmt werden, so dass Kunden beispielsweise online bestellte Ware im Geschäft abholen können. Die Aktionäre lobten die Entscheidung, Langer nach dem Rückzug des bisherigen Vorstandschefs Claus-Dietrich Lahrs an die Spitze zu holen.

Das Stühlerücken im Vorstand zeige, dass man Konsequenzen gezogen habe, sagte Filippo Siciliano von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch Markenvorstand Christoph Auhagen musste gehen. Seinen Job soll bis November Tommy-Hilfiger-Manager Ingo Wilts übernehmen. Daran knüpfen Experten die Hoffnung, dass die Männermode bei Hugo Boss wieder mehr Profil bekommt.

Einige Aktionäre prangerten Arbeitsbedingungen bei Lieferanten unter anderem in Indien an. Langer erwiderte, Bedingungen würden regelmäßig überprüft. Allerdings nur bei direkten Zulieferern. Boss war 2015 dem Textilbündnis beigetreten, das sich für ökologische und soziale Verbesserungen in dem Bereich einsetzt.Langer soll den Laden bei dem Modekonzern wieder zum Laufen bringen. Dabei plagten Hugo Boss zuletzt hausgemachte Baustellen zusammen mit Problemen, die die gesamte Branche umtreiben. Preissenkungen, die das Unternehmen in China gewährt hatte, lasteten genauso auf dem Ergebnis wie die Ausgaben für Werbung, die Renovierung der Läden oder die Abfindung für den im Februar geschassten Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs.

In den USA wiederum setzen den Schwaben die Rabattschlachten der Großhändler zu, weshalb der Konzern fortan seine Kernmarke Boss nur noch auf in Eigenregie bewirtschafteten Flächen verkaufen will.

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