Ist Opel fahren noch cool? Ganz bestimmt, sagt Erich Bitter. Am Sonntag war der frühere Rennfahrer und Autodesigner in seinem Element. Beim „Warm up“ in der Motorworld Manufaktur Metzingen saß er im Showroom des Unternehmens Bitter Cars, das sein Neffe in seinem Sinn weiterführt.

Dort werden Autos veredelt, in der Regel sind dies Opel, wie sie serienmäßig vom Band rollen. Das schönste von Erich Bitter je geschaffene Auto war in den 1970er Jahren der Bitter CD. Ein Fahrzeug, dem Bitter die Form einer italienischen Diva verlieh, dieser aber den Charakter einer zuverlässigen Mechanik made in Germany einhauchte. Es handelte sich um einen Opel Diplomat, der in das Kleid eines Ferrari schlüpfte, und der auch nicht 28 000, sondern 68 000 D-Mark kostete. Den konnten sich kleine Jungs gerade noch als Spielzeugauto im Maßstab 1:43 leisten. Größere Jungs holten sich das Original. Günther Netzer etwa oder Christian Neureuther und freilich Karl-Heinz Rummenigge, Udo Lattek, Erich Ribbeck sowie Paul Breitner, mit dem Erich Bitter bis heute befreundet ist. Und auch Frauen fuhren gerne den Bitter CD. Rosi Mittermeier hatte auch einen.

Am Sonntag beim „Warm up“ traf Erich Bitter manchen früheren Fan. Seine Autogramme waren gefragt, seine alten Geschichten ebenfalls.

Herr Bitter, Ende der 1950er Jahre fuhren sie Ihre ersten Autorennen, zuvor waren Sie im Radsport aktiv. Was hat Sie am Motorsport fasziniert?

Erich Bitter Es gab damals einen großen Unterschied im Vergleich zur heutigen Zeit: Motorsport konnte man sich leisten. Zumindest, was das Geld angeht. Ich fuhr anfangs einen NSU Prinz. Das war ein nettes kleines Auto und kostete 4500 D-Mark. An dem habe ich selber geschraubt und ihn aufgemotzt. Und da ich schon an ihm gebastelt habe, entschied ich mich, aus meinem Hobby einen Beruf zu machen und wurde NSU-Vertreter. Da habe ich meine ersten Prinzen verkauft. Den konnten Autofreaks gerade noch bezahlen. Heute ist Motorsport finanziell kaum mehr zu stemmen. Aber: Den Faktor Zeit durfte man auch früher nicht unterschätzen. Ich fuhr ja auch Rallyes. Da reiste man so an, dass man freitags die Strecke besichtigen konnte, dann waren am Wochenende die Wertungsfahrten. Meist kam man montags wieder nach Hause und konnte erst dienstags wieder zur Arbeit gehen.

Hört sich nach Stress an. Aber Spaß war schon auch dabei?

Na klar. Ich bin drei Mal die Rallye Monte Carlo gefahren. Wer kann das schon von sich behaupten? Von diesen Erinnerungen kann man lange zehren.

Schnell unterwegs sein, heißt mit Risiko unterwegs zu sein. Vor allem damals gab es im Motorsport viele Unfälle.

Das stimmt. Bei einer Rallye weiß man nie, was hinter der Kurve kommt. Überhaupt habe ich mich irgendwann dazu entschlossen, lieber Rund- und Langstreckenrennen zu fahren. So wie das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring etwa. Und weil Motorsport bezahlbar war, standen da schon mal 130 Tourenwagen am Start. Das gibt es heute nicht mehr.

Aber Sie fuhren nicht mit dem NSU Prinz auf dem Nürburgring?

Nein, damals fuhr ich verschiedene Werksautos. Saab, Volvo, Porsche, Ferrari, Mercedes, Opel. Hauptsächlich Abarth. Diese Wagen habe ich dann auch als Händler verkauft, weswegen mir mein Arbeitgeber irgendwann untersagte, Rennen mit Jaguar oder anderen Typen zu fahren. Von da an war ich auf Abarth fixiert. Ein schwer zu fahrendes Auto, das vorne gerne den Bodenkontakt verlor und diffizil zu lenken war.

Wie hießen Ihre Fahrerkollegen damals?

Walter Röhrl oder Hans Herrmann beispielsweise. Die kennt man ja heute noch.

Hans-Joachim Stuck gehörte nicht dazu?

Der war damals noch zu jung, aber ihm habe ich seinen ersten Rennhelm verkauft. Das war ein gutes Geschäftsmodell: Ich kannte mich im Rennsport aus und wusste, was gebraucht wurde. Zusammen mit der Firma Dupont habe ich beispielsweise den ersten feuerfesten Overall entwickelt. So wurde ich zum Ausrüster für Rennsport-Teams.

Aber dann kamen auch Kunden außerhalb des Rennsports.

Ja, anfangs dachte ich tatsächlich nur an Rennen. Dann begann ich, diese schönen, italienischen Fahrzeuge zu importieren und zu verkaufen. De Tomaso, Maserati, Lamborghini. Aber technisch gesehen waren die der größte Schrott. Ich musste immer wieder Kunden besänftigen, dann dachte ich mir, italienische Kurven, aber deutsche Qualität könnten gut zusammenpassen.

Das war die Geburtsstunde des Bitter CD.

Genau. Die Basis, also Fahrgestell und Motor, kam vom Opel Diplomat. Die Karosserie ließ ich von der Stuttgarter Firma Baur fertigen. Das war klasse. Das Auto sah edel aus, und den Kundenservice leistete Opel. Allerdings kostete der CD 68 000 D-Mark, der Diplomat ab Werk nur 28 000. Ich hatte sogar ein schönes Geschäft in Beverly Hills.

Haben Sie viele Bitter CD verkauft?

Zwischen 1973 und 1979 immerhin 395 Stück. Zu meinen Kunden zählten Bernhard Russi, Rosi Mittermeier, Christian Neureuther, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge, Udo Lattek und Erich Ribbeck. Diese prominente Kundschaft war für mich die beste Reklame.

Haben Sie zu denen noch Kontakt?

Ja, Paul Breitner beispielsweise ist heute noch mein Freund. Der fuhr damals einen Maserati, hatte aber von dem die Schnauze voll. Für die Inspektion musste er in eine Opelwerkstatt und eben nicht ins italienische Modena.

Das heißt, einen Alfa Romeo würden Sie nicht fahren?

Doch, jetzt schon. Die Qualität stimmt inzwischen. Aber einem Alfasud hat man damals doch beim Rosten zusehen können.

Und Opel?

Opel gehört jetzt zum französischen Konzern PSA. Dessen Chef Carlos Tavares hat die Marke zusammen mit Opel-Chef Michael Lohscheller wieder flott gemacht. Opel erwirtschaftet erstmals seit 18 Jahren Gewinn. Ich kenne Lohscheller gut, ich bin mit ihm oft zusammen. Mit Opel kooperieren wir generell einwandfrei.

Ihr Neffe Markus Bitter betreibt in der Motorworld Metzingen einen Showroom. Was bedeutet für Sie dieser Ort?

Wenn ich die Motorworld nicht für gut halten würde, wäre ich nicht hier. Das Konzept überzeugt mich. Hier agieren keine Großkonzerne, sondern Händler. Wir brauchen Exklusivität, also auch ein individualistisches Ambiente. Das finde ich hier vor. Die Motorworld Metzingen ist genau das, was ich suche. Wir sind auch kein normales Autogeschäft. Wir verkaufen auch Accessoires. Auf denen ist ganz dezent das Bitter-„B“ zu sehen. Wir suchen immer das Besondere.