Metzingen Bitte nachmachen

Kann die Bürgerinitiative den Neubau eines Kombibads verhindern?
Kann die Bürgerinitiative den Neubau eines Kombibads verhindern? © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 11.08.2018

Als Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler vor einigen Wochen von der Bürgerinitiative erfuhr, die das Kombibad verhindern möchte, lud er umgehend zu einer Pressekonferenz und schloss diese mit den an die schreibende Zunft gerichteten Worten: „Damit ist dann wohl auch Ihr Sommerloch gefüllt.“ So wie die Dinge stehen, reicht diese Geschichte sogar weit über das Sommerloch hinaus. Zwar müssen die Unterschriftenlisten, die kommenden Donnerstag der Stadt übergeben werden, noch überprüft werden, aber die Bürgerinitiative ist zuversichtlich, dass es zum Bürgerentscheid kommt. Damit würde der Gemeinderatsbeschluss pro Kombibad ungültig, und die Karten würden neu gemischt. Wer bislang also der Meinung war, die überschaubar kleine Gruppe der Bürgerinitiative sammle die Unterschriften als bessere Beschäftigungstherapie, sollte spätestens jetzt deren professionelles und effizientes Wirken anerkennen.  Befürworter des Kombibads sollten daraus lernen und ihrerseits mit Informationsständen an die Öffentlichkeit gehen und mindestens so viel Überzeugungsarbeit zu leisten bereit sein. Das gilt für die schwimmsporttreibenden Vereine, das gilt für die Stadt und für die Fraktionen im Gemeinderat. Dass auch Privatpersonen die Diskussion beeinflussen können, zeigt das Beispiel von Manfred Schmid, der 10 000 Pro-Kombibad-Aufkleber hat anfertigen lassen und diese kostenlos in Metzingen verteilt. Kostenlos ist diese Werbekampagne für ihn freilich nicht. Er musste die Aufkleber bezahlen und hat etwa 700 Euro dafür ausgegeben. Das ehrt ihn um so mehr, als dies sein Beitrag für die Zukunft der Bäder ist, die ihm persönlich, wie er selbst einräumt, egal sein kann. „Ich bin jetzt 56“, sagt er, „meine Zeit im Freibad ist doch schon lange vorbei.“ Er versetzt sich vielmehr in die Situation der Jugend. Und auch, wenn er es nicht belegen kann, glaubt er, Kinder und Jugendliche hätten an einem Kombibad mehr Freude. Dass in der Stadt immer noch der Begriff „Spaßbad“ kursiert, ist auch so eine Sache. Werden da etwa gezielt Unwahrheiten gestreut? Der Gemeinderat hat im Mai beschlossen, auf dem Bongertwasen ein Familien- und Freizeitbad zu bauen. Der Begriff „Spaß“ taucht da gar nicht auf. Spaßbäder sollen ja so furchtbar teuer sein, aber unter uns: Traurig genug, dass der Spaß bei der Planung eines Bads so gar keine Rolle spielen darf.

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