Metzingen Streik: Beispielhafte Solidarität

Die Solidarität, die die Sauter-Mitarbeiter bei ihrem Warnstreik erfuhren, war beeindruckend.
Die Solidarität, die die Sauter-Mitarbeiter bei ihrem Warnstreik erfuhren, war beeindruckend. © Foto: Thomas Kiehl
Von Peter Swoboda 11.01.2018

Warnstreik bei dem Metzinger Unternehmen Sauter Feinmechanik! Und so grandios das Wetter gestern war, so beeindruckend war die Solidarität der Kollegen vieler Metall verarbeitender Betriebe von Münsingen bis Rottenburg. Rund 1000 Mitglieder der IG Metall versammelten sich am Donnerstag vor dem Werkstor der Firma Sauter in Metzingen, um den Mitarbeitern des Traditionsunternehmens ihre Solidarität zu bekunden. Im Fall Sauter geht es darum, die Tarifbindung wieder herzustellen.

Im April des vergangenen Jahres wurde in Michael F. Rudloff ein dritter Geschäftsführer berufen, neben Bernhard Sauter und Heiko Müller. Innerhalb kürzester Zeit hatte Rudloff die Rolle als Sprecher der Geschäftsleitung übernommen. Anfang November schließlich verkündete Sauter Feinmechanik in einer Pressemitteilung, dass Michael F. Rudloff ab Januar 2018 alleiniger Geschäftsführer sein wird.

Eine der ersten Amtshandlungen Rudloffs war die Kündigung der Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband Südwest Metall. Dies hatte zur Folge, dass die Tarifbindung für Sauter Feinmechanik zum Ende des Jahres 2017 auslief. Bei der Belegschaft löste diese Entscheidung Entsetzen aus.

In den zurückliegenden Monaten wurde die Geschäftsleitung von Sauter Feinmechanik von der IG Metall mehrfach zu Verhandlungen mit der Gewerkschaft aufgefordert. „Bisher“, sagt Gewerkschaftssekretär Michael Bidmon, „hat es von Herrn Rudloff keine Reaktion gegeben.“

Die IG Metall möchte mit Sauter einen Anerkennungstarifvertrag abschließen. Von einem solchen spricht man, wenn ein Unternehmen einen Firmentarifvertrag abschließt, in dem es sich zur Anwendung des entsprechenden Branchentarifvertrags verpflichtet. Nun möchte Sauter-Geschäftsführer Rudloff nach eigenen Bekunden aber nicht mit der Gewerkschaft verhandeln, sondern ausschließlich mit dem Betriebsrat. Gewerkschaftssekretär Bidmon stellt freilich klar fest, dass der Betriebsrat „keine kollektiven-Entgelt-Regelungen“ aushandeln darf. Das sei per Gesetz gar nicht möglich.

Sämtliche Tarifverträge, wie immer sie auch heißen, müssten mit der Gewerkschaft ausgehandelt werden. Also auch ein so genannter Haustarifvertrag. Auch in der vergangenen Betriebsversammlung Ende November 2017 wurde Rudloff seitens der Gewerkschaft zu Verhandlungen aufgefordert. Darauf habe er laut Bidmon nur gesagt, Sauter brauche keinen Tarifvertrag, die Firma käme auch so zurecht. Er habe sogar die Versammlung wortlos verlassen.

„Also“, sagt Michael Bidmon, „haben wir uns gesagt, „jetzt müssen wir zeigen, das die Belegschaft den Tarifvertrag will.“ So hat die Gewerkschaft die Sauter-Mitarbeiter für den gestrigen Donnerstag zum Warnstreik aufgerufen.  Und viele, viele kamen. Zur Unterstützung kamen Metaller aus anderen Metzinger Betrieben, aus Münsingen, Dettingen, Reutlingen, Mittelstadt, aus dem übrigen Ermstal, aus Pliezhausen, Tübingen und Rottenburg.

Sauter-Betriebsrats-Vorsitzende Manuela Dankesreiter erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass die Firma Sauter als solides und attraktives Familienunternehmen bekannt war. Und an dem guten Ruf des Unternehmens seien natürlich auch die Mitarbeiter maßgeblich beteiligt gewesen. In der Folge zählte sie auf, in wie vielen Fällen die Belegschaft in den vergangenen Jahren der Geschäftsleitung entgegengekommen ist. „Mit der Tarifflucht“, so Dankesreiter weiter, „hat man uns den Teppich unter den Füßen weggezogen.“  Auf der Basis eines Tarifvertrags seien die Mitarbeiter auch künftig bereit, sich mit Herzblut für das Unternehmen einzusetzen, wie das auch in der Vergangenheit der Fall war.

Der Betriebsrat der benachbarten Hugo Boss AG hatte gestern sogar seine aktuelle Sitzung unterbrochen, um zur Solidaritätsbekundung herüberzukommen. Michael Wittwer, Betriebsratsvorsitzender des Reutlinger Unternehmens Wafios, sagte: „Wenn man sein Heil in der Tarifflucht sucht, muss es in einer anderen Ecke stinken.“ Auch Markus Siegers, Betriebsratsvorsitzender der Dettinger Elring-Klinger AG, fand kämpferische Worte. Man könne mit den Mitarbeitern nicht „Hugoles“ treiben. Die IG Metall sei eine starke Gemeinschaft. Und man könne auch innerhalb des Tarifs erfolgreich sein.  Und für Hans-Jürgen Gebhard von der Metzinger Firma Holder ist „Tarifflucht eine Schande und ein Armutszeugnis für die Geschäftsleitung“. In Abwandlung eines Spruchs von Che Guevara sagte Bosch-Betriebsratsvorsitzender Thorsten Bietter: „Solidarität ist die Zärtlichkeit unter den organisierten Arbeitnehmern.“ Wer mit der IG Metall nicht rechne, der werde sich verrechnen. Solidarische Worte gab’s auch von der Linken-Bundestagsabgeordneten Jessica Tatti, die sich der Sache annehmen will.

Informationen zur Firma Sauter Feinmechanik

Sauter Feinmechanik ist ein florierendes Unternehmen im Werkzeugmaschinenbau, das beinahe alles selbst herstellt, vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt. Kernstück der Produktion bei  Sauter sind Werkzeugrevolver für die Drehmaschinenindustrie.

Mit diesen Revolvern können verschiedene Werkzeuge wie Drehstahl, Bohrer und Fräser eingebaut werden, sodass die Werkzeuge nicht wie früher einzeln eingesetzt werden müssen.

Die Revolver gibt es in diversen Baugrößen, von ganz klein bis ganz groß. Sägen, Drehen, Fräsen, Schleifen – die Produktion läuft mit hochmodernen CNC-Maschinen.