Im Bereich der Jakobstraße Nord treffen drei Bestrebungen aufeinander: Erstens die seit Jahrzehnten politisch gewünschte Nachverdichtung in Städten, die dem Grundsatz folgt, erst Baulücken zu schließen, ehe außerorts neue Flächen erschlossen werden. Zweitens das ebenfalls weitgehend unumstrittene Ansinnen der politischen Akteure, neuen Wohnraum zu schaffen. Und drittens, beides so zu verwirklichen, dass es verträglich ist für Anwohner, Nachbarn, aber auch für die städtebauliche Entwicklung.

Gemeinderat beschließt Richtlinien für Bau

Was der Gemeinderat am Donnerstagabend beschlossen hat (die SPD-Fraktion hat geschlossen dagegen gestimmt), sind Gebäude, die maximal drei Geschosse und eine Gesamthöhe von zehn Metern haben dürfen. Albrecht Reuß, externer Berater der Firma Citiplan mit Sitz in Pfullingen, hatte dies der Verwaltung auch so vorgeschlagen. Aus mehreren Gründen: Die angrenzenden Gebäude sind in Höhe und Bauweise zu unterschiedlich, um dort die ganz hohen Brocken reinstellen zu können. Selbst eine Höhe von 12,50 Metern hält Reuß für unverträglich, zumal an dieser Stelle Gegensätze aufeinandertreffen. Hier der ehemalige Randbereich des alten Metzingen (mit Martinskirche und Resten ländlicher Elemente entlang der Helferstraße), dort neue Kubatur auf dem ehemaligen Leibfahrth-Areal. Und zwischendrin gibt es einen ökologisch wertvollen Grünzug, wie Reuß in seinem Gutachten schreibt. Das Umfeld ist seiner Einschätzung nach in städtebaulicher Hinsicht „anspruchsvoll und sensibel“, weswegen zehn Meter Höhe das rechte Maß darstelle.

Für die SPD kritisierte Michael Breuer diese Sicht der Dinge. Er sprach sich namens seiner Fraktion für eine Gebäudehöhe von 12,50 Metern aus: „Dadurch sind keine Einschränkungen für die Nachbarn zu erwarten“, sagte er und begründete sein Ansinnen, das er durch einen Antrag untermauerte, mit dem derzeit vielfach besprochenen Wohnungsmangel.

Der SPD-Antrag scheiterte. Vielleicht auch deswegen, weil der Leiter des städtischen Bau- und Planungsamts, Konrad Berger, widersprach: Würden die Häuser um zweieinhalb Meter aufgestockt, ergäbe das kein neues Geschoss. Mehr Wohnungen? Fehlanzeige! Auch der Versuch von SPD-Fraktionsvorsitzender Ulrike Sippli scheiterte. Sie brachte das Posthof-Areal ins Spiel. Dort, so Sippli, habe es ja auch mit höheren Gebäuden funktioniert. Albrecht Reuß warnte vor derlei Überlegungen: Wohnungen zu bauen um jeden Preis sei ein Fehler, den die Politik schon mal begangen habe. Auch Robert Schmid (FWV) riet dazu, nicht in Aktionismus zu verfallen. „Ich halte maßvolles Bauen für wichtig.“ Klaus Rümmelin (Grüne) kritisierte, dass für vier Gebäude vier Tiefgarageneinfahrten vorgesehen sind: „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“  Dem widersprach zwar niemand, da es sich aber um private Bauvorhaben handelt, ist es allein Sache der Bauherren, in diesem Punkt eine Übereinkunft zu finden. Es könnte in deren Interesse sein, denn eine statt vier Einfahrten schafft mehr Freifläche für Gärten oder Blumenbeete.

Bernhard Mohr (FDP) blickte weit nach vorne. „Heute“, sagte er, „sprechen wir alle von Wohnungsnot. Die Gebäude, die wir heute bauen, stehen aber noch in 50 Jahren. Gibt es die Wohnungsnot dann auch noch?“

Holger Weiblen (CDU) bekannte sich als jemand, der grundsätzlich dafür ist, in die Höhe zu bauen: „Aber nicht an diesem Standort.“

Auf die Gebäudehöhe werden Photovoltaikanlagen übrigens nicht angerechnet. Und wenn die Bauherren dies wünschen, könnten sie mit Geothermie heizen. Zwar liegt kein Gutachten vor, das dies für die Jakobstraße Nord  zweifelsfrei bestätigt, doch es gibt zahlreiche Metzinger, die auf Geothermie setzen. Metzingen hat viel Wärme zu bieten, ganz bestimmt jedenfalls unter der Erde.

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