Die anhaltende Corona-Pandemie mit den daraus resultierenden Hygiene- und Abstandsbestimmungen gestaltet den Aufenthalt in Freibäder derzeit auf unterschiedlicher Weise umständlich. Und so bleibt für viele nach Eis und kalten Getränken, nur noch der Sprung ins kühlende Nass von scheinbar uneingeschränkten Badeseen und Flüssen.
Doch die Idylle trügt. Denn auch stehende und auf den ersten Blick gemächlich fließende Gewässer können äußerst gefährlich werden.

Mangelnde Aufsicht kann tödlich sein

Nach dem Tod eines vierjährigen Mädchens in einem Pool in Burladingen (Zollernalbkreis) warnen Experten davor, kleine Kinder in Gärten aus den Augen zu lassen. „Eltern sind sich oft nicht bewusst, dass private Wasserflächen zu tödlichen Fallen werden können“, sagte DLRG-Sprecher Martin Holzhause am Mittwoch. Unachtsamkeit und Sorglosigkeit vor allem der Erwachsenen sei daher eine besonders häufige Ursache. „Für ein Unglück reichen schon ein paar Minuten.“ Kinder müssten daher dauerhaft beaufsichtigt werden, forderte der stellvertretende Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Spätestens im Alter von zehn Jahren sollten Kinder schwimmen können

Eine aktuelle Erhebung der DLRG zeigt, dass im vergangenen Jahr bundesweit 17 Kinder im Vorschul- und acht im Grundschulalter im Wasser ums Leben. Ein Grund: Immer weniger Jungen und Mädchen können schwimmen.
Markus Ostermeier, Vertreter der Wasserwacht im DRK-Präsidium erklärt dazu: „Kinder sollten so früh wie möglich schwimmen lernen. Wenn ein Kind mit neun oder zehn Jahren noch nicht sicher schwimmen kann, müssen die Eltern aktiv werden. Das heißt: Selbst mit dem Kind üben oder es zum Schwimmkurs schicken.“ Ebenfalls zu berücksichtigen sei die Zahl der Flüchtlingskinder, die oftmals überhaupt nicht schwimmen könnten oder auch die Gefahren unterschätzten.
Die meisten Opfer gibt es nach Angaben der DLRG allerdings unter den Erwachsenen. Vor allem in der Altersgruppe 21 bis 55 Jahren gab es 2019 165 Ertrunkene. So geschehen am Mittwoch an der Ostsee, als ein 32-Jähriger Familienvater zwei Kinder vor dem Ertrinken bewahrte und dabei selbst ums Leben kam. Der Lebensretter selbst wurde nach Polizeiangaben von der Strömung erfasst und konnte nur noch tot geborgen werden.

Gefahren beachten: Vom Meer bis zum Teich

Flüsse und Küstengewässer bergen durch ihre Strömung mit das größte Gefahrenpotential. Die Fließgeschwindigkeit ist dabei abhängig von der Menge des Wassers und dem zu Verfügung stehenden Raum im Flussbett. Aus diesem Grund kann ein ruhiger, gemächlich fließender Fluss binnen wenigen Metern zu einem stark reißenden Wildwasser werden. Ein Bad in einem Fluss sollte daher gut überlegt sein. Zusätzlich sollte man sich vor Ort über die Gegebenheiten (Ein- und Ausstiege, Regeln, Rettungsdienste, etc.) informieren.
Seen und Teiche hingegen sind besonders durch die teils steil abfallenden Ufer gefährlich. Gerade Baggerseen oder geflutete Gruben können häufig sehr tief und gleichzeitig durch starken Bewuchs, Wasserpflanzen und Unrat am Ufer unübersichtlich sein.

Einfache Baderegeln, die immer gelten

  • sobald man in eine Strömung gerät, nicht entgegen dieser schwimmen, sondern mit ihr – auch wenn es ein längerer Weg sein mag
  • wenn man friert oder ermüdet das Wasser verlassen
  • Kinder am Wasser niemals unbeaufsichtigt lassen
  • Weite Strecken sollten nicht allein geschwommen werden
  • Nur ins Wasser springen, wenn es tief genug und gesichert ist, dass sich unter Wasser keine Hindernisse befinden
  • Sumpfige, stark bewachsene oder stark befahrene Gewässer meiden
  • Überschätzen Sie sich nicht

Was tun wenn ich einen Badeunfall bemerke?

Sobald man eine Person entdeckt, die zu ertrinken droht, sollte sofort der Notruf (112) gewählt werden. Da Ertrinkende oftmals in Panik geraten, um sich schlagen und versuchen sich an irgendetwas festzuhalten, gilt bei Rettungsversuchen besondere Vorsicht. Als nicht ausgebildeter Retter sollte man wenn möglich vom Ufer aus und zu mehreren helfen, gegebenenfalls mit Hilfe eines Rettungsrings oder einem anderen schwimmfähigen Material.
Ist die Person erst einmal an Land sollte sie umgehend gewärmt werde. Bei Bewusstlosigkeit und nicht normaler Atmung ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung nötig. Dazu sollte die Person zweimal beatmet werden und anschließend 30 Mal Druckmassage bekommen. Diese Prozedur so lange fortführen bis die Person wieder bei Bewusstsein ist oder der Rettungsdienst eintrifft.