Januar diesen Jahres klickten die Handschellen: Seit diesem Tag sind ein 39-jähriger Kosovare, der in einer Ermsgemeinde eine Autowerkstatt betrieben hat, und ein 40-jähriger Albane  in Untersuchungshaft. Denn die Ermittler waren nach einem Hinweis der Staatsanwaltschaft fündig geworden: Rund 5,8 Kilogramm Haschisch und mehr als 17 Kilogramm Marihuana waren in einer Abstellkammer hinter einer Matratze versteckt gewesen.

Staatsanwalt Alexander Hauser warf den beiden Angeklagten nach den anschließenden Ermittlungen und der Auswertung von Chatprotokollen sogar eine weit größere Drogenmenge vor, für welche die Autowerkstatt als Umschlagsplatz diente. Spätestens Anfang Dezember 2018 hätte der 39-Jährige mindestens 80 Kilogramm Haschisch und Marihuana aus Italien oder Albanien erworben und dieses zusammen mit dem 40-Jährigen in der Region und bis nach Balingen weiterverkauft.

Bewaffnete Bewachung

Dieser sei zudem für die Bewachung der Drogen zuständig gewesen. Er schlief in dem Vorraum der Abstellkammer auf einem Stockbett. Dort fanden die Polizeibeamten bei der Durchsuchung der Werkstatt auch unter einer Matratze eine Pistole und eine zu einem Stichwerkzeug umfunktionierte Feile mit einer Klingenlänge von 14 Zentimetern. Angeklagt wurden die beiden Männer daher des gemeinschaftlichen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Hintermänner im Dunkeln

Die beiden Angeklagten zeichneten hingegen ein völlig anderes Bild – und widersprachen sich auch gegenseitig. So will der Werkstattbesitzer, der seit 1992 in Deutschland lebt, quasi nur durch Zufall in die Geschichte herein geraten sein. „Mein Mandant hat keine Betäubungsmittel geordert oder verkauft“, stellte Rechtsanwalt Benjamin Prtenjaca gleich zu Beginn der Einlassung seines Mandanten klar, die der Rechtsanwalt verlas. „Niemand zeigt zudem auf die wahren Hintermänner“, betonte der Verteidiger und verwies auf ein Drohvideo, welches der andere Angeklagte erhalten habe. Darin sei zu sehen, wie ein Mensch bei lebendigem Leibe in einem Auto verbrannt wird.

Sein Mandant jedenfalls habe nie selbst Drogen konsumiert und habe die eigentlichen Drogenhändler auch nicht gekannt. Ein erster Kontakt habe sich durch die Autowerkstatt ergeben: Dort sei ein ihm unbekannter Albane im April und Mai letzten Jahres aufgetaucht und habe drei Gebrauchtwagen gekauft und nach Italien verfrachtet. Im Sommerurlaub sei der 39-Jährige dann in Albanien von dem Mann angesprochen worden, dieser habe ihm – ohne eine Gegenleistung zu fordern – einen Teil des Sommerurlaubes bezahlt. Was den Angeklagten allerdings nicht allzu sehr gewundert zu haben scheint.

Mit den Gästen kamen Drogen

Im November habe sich der Bekannte dann wieder gemeldet. Und darum gebeten, ob nicht zwei Landsleute kurzfristig in der Werkstatt übernachten könnten. Der 39-Jährige sagte zu: Und sah dann die Männer mit den Drogen kommen. Freilich sei im zugesagt worden, dass diese bald wieder verschwinden würden.

Doch ein wohl geplanter Kauf platzte – und so blieb der Angeklagte mit dem 40-Jährigen, der zusammen mit den Drogen gekommen sein soll und diese nach Angaben des Werkstattbesitzers auch verkaufen sollte, mit den Drogen in der Werkstatt sitzen. „Er wurde zunehmend nervös ob der illegalen Ware“, schilderte der Verteidiger. Daher habe sich der 39-Jährige dann doch in den Verkauf eingemischt und Kontakte hergestellt. „Mein Mandant duldete also nur die Lagerung, war zum Teil Mittelsmann und Dolmetscher“, schloss der Rechtsanwalt seine Aussage für den Angeklagten.

Polizist und Marinesoldat

Der von ihm beschuldigte Mitangeklagte, ein 40 Jahre alter Albane, präsentierte sich in seiner eigenen Aussage noch unschuldiger. Der verheiratete Mann, der eigentlich in Albanien lebt und arbeitet, sei in seiner Heimat von einem Bekannten angesprochen worden, der ihm einen Job in der Autowerkstatt in der Ermsgemeinde in Aussicht stellte. „Ich hätte 1000 Euro pro Monat bar auf die Hand kriegen sollen“, erklärte der Angeklagte, auf den zu Hause eine Ehefrau und drei Kinder warten. Als Automechaniker will der Mann in Deutschland dann auch gearbeitet und in der Werkstatt gelebt haben.

Von den Drogen oder der Pistole will er nichts gewusst haben. Allerdings konnte der Mann, der in seiner Heimat als Marinesoldat und Polizist in einer Spezialeinheit gedient haben will, gegenüber dem vorsitzenden Richter Christoph Sandberger seine Tätigkeit nicht genauer beschreiben. Allerdings betonte er, in der Arbeitskleidung eines Mechanikers aufgefunden worden zu sein: „Ich hatte Öl an der Kleidung.“

Der Prozess wird am 8. August fortgesetzt.