Metzingen / Von Peter Kiedaisch  Uhr

Drei Autos standen am Freitag vor einer Woche aus der Ulmer Straße kommend auf der Linksabbiegespur in Richtung Noyon-Allee. Doch nichts ging mehr. Von hinten drängten immer neue Fahrzeuge nach, einige bemerkten, dass hier etwas nicht stimmt, und bogen noch vor der Ampel nach links ab in die Eisenbahnstraße. Einige, die vor ihnen standen, taten es ihnen gleich, wozu sie zunächst einige Meter rückwärts fahren mussten, ehe sie abbiegen konnten. Doch zumindest vier Autos und deren Insassen hingen fest auf einer Abbiegespur, deren Ampel beharrlich auf Rot stand. Es verging eine Ampelphase nach der anderen. Die vier Autos standen nun schon bald zehn Minuten.

Bei Rot drüber

Nach etwa zehn Minuten hat der vorderste Fahrer seine Versuche aufgegeben, der Induktionsschleife unter ihm vermittels zentimeterweisem Vor- und Zurückfahren mitzuteilen, dass es  ihn gibt, und hat das Problem auf seine Art gelöst. Er gab Vollgas, als er die Chance gekommen sah, preschte bei Rot über die Kreuzung und verschwand in der Anonymität des abendlichen Feierabendverkehrs.

Eine Aktion, die ihn geradewegs ins Gefängnis bringen könnte, wie der Bad Uracher Rechtsanwalt und Verkehrsexperte Horst-Rüdiger Meyer auf der Heyde bestätigt. Schon das Überfahren der roten Ampel gilt juristisch als qualifizierter Rotlichtverstoß, kostet 200 Euro, bringt zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot von einem Monat. „Hätte es geknallt“, sagt Meyer auf der Heyde, vielleicht sogar mit Toten und Verletzten, „könnte es dafür fünf Jahre Gefängnis geben.“ Dann würde der Führerschein auch entzogen, also nicht für einen Monat einbehalten, sondern geschreddert.

Ignorante Induktionsschleife

Es gibt solche Ampeln, sagt Meyer auf der Heyde, der als Verkehrsexperte und regelmäßiger Teilnehmer des Verkehrsgerichtstages in Goslar alle Arten und Abarten dessen kennt, was sich auf, an und neben den Straßen tummelt und im günstigsten Fall in irgendeinem Gesetz oder einem Bußgeldkatalog auftaucht. Die Hochhauskreuzung in Bad Urach ist auch so ein Miststück. Wer aus der Stadtmitte kommend die Stuttgarter Straße befährt und an der Ampel nach links in die Burgstraße abbiegen möchte, sollte nicht mit dem Motorrad unterwegs sein. Die dort angebrachte Induktionsschleife ignoriert nämlich Zweiräder und ließe sie bei Rot stehen bis zum St. Nimmerleinstag. „Es gibt Tricks“, verrät Meyer auf der Heyde, „wunderbare Alternativen.“ Aber die sind verboten.

Die Faxen dicke

Wunderbare Alternative Nummer eins: Wer auf der Linksabbiegespur Dauerrot und irgendwann die Faxen dicke hat, wartet gerne mal das Grünsignal für Geradeaus ab und fährt dann einfach geradeaus über die Ampel. Das wird noch teurer, denn es ist ebenfalls ein qualifizierter Rotlichtverstoß. Hinzu kommt, dass die durchgezogene Linie überfahren wurde. Vom falschen Fahrstreifen ins falsche Ziel: Das geht nicht und kostet dann nochmal zehn Euro obendrauf.

Wunderbare Alternative Nummer zwei: Wird gerne genommen, wenn nach vorne nichts geht. Dann biegt man nach rechts ab, wendet, fährt zurück auf die Kreuzung und muss jetzt nur nochmal nach rechts abbiegen. Mit Glück hat es jeweils Rechtsabbiegepfeile, und man ist ruckzuck wieder auf der Strecke. Mit etwas Pech sieht es die Polizei und ahndet die kuriose Fahrt als Umfahren eines Rotlichts. Kann bei Gericht als qualifizierter Rotlichtverstoß durchgehen, je nach Ausgang des juristischen Duells zwischen Staatsanwalt und Verteidiger, wobei manchmal auch der Humorlosere obsiegt.

Stehen bleiben!

Was aber ist zu tun, wenn die Ampel defekt ist und auf Dauerrot hängen bleibt? „Stehen bleiben“, rät Meyer auf der Heyde. Auch das Fahrzeug zu verlassen, um jemanden auf die Situation aufmerksam zu machen, kann fatale Folgen haben. Und weil es nichts gibt, was es nicht gibt, hat Meyer auf der Heyde auch einen passenden Fall parat: „Der Fahrer steigt aus, läuft Hilfe holen, in dieser Zeit wird die Ampel doch grün, und das Auto blockiert dadurch den Verkehrsfluss. Ein zu schnell Fahrender erkennt das Stehen des Fahrzeugs zu spät, versucht nach links auszuweichen, rammt mit der Beifahrerseite den Stehenden, die Beifahrerin wird dabei tödlich verletzt. Der sein Auto hat stehen lassen, wird vor Gericht mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht.“ Ein wahrer Fall.

Hilfe per Handy

Eine Möglichkeit gibt es freilich: Den Motor abstellen, im Wagen sitzen bleiben, mit dem Mobiltelefon die Polizei verständigen. Vermutlich wird dann, während des Telefonats, ohnehin die Ampel augenblicklich grün.

Dass die Ampel an der Metzinger Polizeikreuzung nicht immer richtig tickt, hat die Verwaltung dazu veranlasst, die Anlage überprüfen zu lassen. Aber das könne noch ein paar Tage dauern.