"Auf eigener Achse kam der Waggon 1999 nach Metzingen", erinnerte sich Rektor Roland Feucht. Mit einem großen Autokran wurde der Waggon auf einen extra aus Karlsruhe georderten Transporter gehievt, um ihn an die Schule zu bringen. Hier sollte das ausrangierte Schmuckstück dringend benötigten Raum für die Kernzeitbetreuung bieten. "Die Schule war damals so voll, wir hatten keinen Raum mehr frei", erklärte Feucht die pfiffige Idee für einen Eisenbahnwaggon als "Schulhauserweiterung".

Allerdings dauerte es dann doch noch ein ganzes Jahr, bis der Innenraum entsprechend hergerichtet war. Von außen lackierte man den Waggon in Originalfarbe - einem schicken Jägergrün. Danach dürften die damals sieben Kinder der Kernzeitbetreuung den Eisenbahnwaggon für sich erobern.

Seither ist die Gruppe der zu betreuenden Kinder stetig gewachsen. 70 Kinder sind es mittlerweile, die an fünf Tagen die Woche Leben in das Urgestein der Kernzeitbetreuung bringen. Als echtem Zeitzeugen sah man dem Waggon aus den 1920er Jahren sein vorgerücktes Alter nun auch langsam an. Hier und da setzte er schon langsam Rost an.

Statt den Wagen aber einfach wieder grün zu streichen, sollten die Kinder ihm ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken. Hierfür wurde Christine Thomas von der KiWi (Kunst in der Werkstatt integrativ) aktiviert, die sich sofort für die Idee begeisterte. Gemeinsam mit den Kindern der ersten bis achte Klasse machte sie sich als künstlerische Leiterin auf Ideensammlung. Unter dem Motto "Kinder dieser Welt" kamen mehr als 150 Bilder zu Stande.

Aus diesem großen kreativen Fundus galt es jetzt für Christine Thomas viele Ausschnitte harmonisch zusammen zu komponieren, damit möglichst viele Motive der jungen Künstler ihren Platz auf dem Waggon finden. Auf mehr als 70 Folien wurden die finalen Kunstwerke dann mit Hilfe eines Overheadprojektors von Christine Thomas mühevoll auf den Eisenbahnwaggon skizziert.

Bewaffnet mit Malerkitteln, Farbeimern und Pinsel konnten die Kinder dann in Zehner-Teams mit ihrer Malerarbeit durchstarten. Mit großer Begeisterung machten sich die Mädchen und Jungen ans Werk. "Ich bin richtig stolz", gestand Kunsttherapeutin Thomas mit Blick auf die fleißigen Maler, "die Kinder sind wirklich ganz motiviert und glücklich bei der Arbeit. Sie unterstützen und beraten sich gegenseitig", lobte sie die gute Teamarbeit. "Ich find es klasse, was hier passiert", stimmte auch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler zu. "Der Wagen war in die Jahre gekommen und es ist gut, dass sich so viele motivierte Schüler gefunden haben, die sich der großen Herausforderung stellen einen optisch schönen und künstlerisch wertvollen Zustand herzustellen."

Die Stadt bezahlte für das Projekt nicht nur Material, sondern beauftragte auch Profis, die sich um die Grundierung der 120 Quadratmeter Malerfläche kümmerten. Noch bis Ende der Woche sind die rund 70 Schüler, die sich für das Malerprojekt gemeldet hatten, mit Pinsel und Farbeimer bewaffnet am Werk. Nächste Woche sollen dann das Sicherheitsnetz und das Gerüst abgebaut werden, dann erstrahlt der alte Eisenbahnwaggon in neuem, buntem Glanze. Mit den verschiedensten Tieren, Pflanzen und natürlich "Kindern dieser Welt" - wie sie auch in den Klassenzimmern der Neugreuth-Schule zu finden sind.